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Fr, 21.12.2012Bordbesuch mit Päckchen und Posaunen - Seemannsmission verschenkt zu Weihnachten Süßes an Seeleute

Was unter deutschen Weihnachtbäumen liegt, haben Seeleute zuvor schon um die halbe Welt gebracht. Fernab ihrer Familien erleben sie das Fest im Hafen oder auf See. Die Deutsche Seemannsmission beschert sie wieder mit Tausenden Päckchen.

Bremen/Emden (epd). Früh am Morgen des 24. Dezembers erschallen im Hafen von Bremerhaven ungewohnte Töne: Seemannspastor Werner Gerken ist dann wieder mit einem Posaunenchor aktiv, um an Bord der Schiffe «O, du fröhliche», «Tochter Zion» oder «Alle Jahre wieder» anzustimmen. Seit Wochen sind an der deutschen Nordseeküste die Bordbesucher der Deutschen Seemannsmission unterwegs, um kleine Päckchen mit Süßigkeiten und Nützlichem auf den Schiffen zu verteilen. So gibt es auch in diesem Jahr wieder eine kleine Bescherung für mehr als 5.000 Matrosen und Offiziere aus aller Welt.

Beliebtes Geschenk bei den Seeleuten sind die Telefonkarten der evangelischen Kirche. «Weihnachten am Ohr» heißt die Aktion der Seemannsmission, die zu Weihnachten einen Draht zur Familie nach Hause ermöglicht. «Der Kontakt zu Weihnachten aus der Ferne nach Hause ist enorm wichtig für die ganze Familie», sagt der Cuxhavener Seemannsdiakon Martin Struwe. Oft kommen die Seeleute über viele Monate nicht nach Hause. Bis zu neun Monaten Bordzeit sind keine Seltenheit.

Im ostfriesischen Emden dürfen Tee und Kluntje, ganz grober Kandiszucker, in den Tüten nicht fehlen, weiß Seemannspastor Meenke Sandersfeld: «Die Ostfriesen haben ein Herz für die Seeleute.» Jedes Jahr kann er noch selbst gestrickte Socken, Schals und Mützen hinzugeben. An Heiligabend wird er wieder im Seemannsheim am Hafen einen Gottesdienst halten mit anschließendem Büffet. «Da werden wieder rund 100 Leute kommen.»

Besonders einsam werden an Weihnachten die acht philippinischen Seeleute sein, die an Bord des ausgebrannten Containerschiffs «Flaminia» Bordwache im neuen Jade-Weser-Port halten müssen. Vor einigen Wochen erlangte das Schiff traurige Berühmtheit, weil es nach einer Explosion an Bord in ganz Europa keinen Nothafen fand. Über die Feiertage wird es allein am Pier von Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen liegen. Doch auch diese Crew wird nicht vergessen: «Wir werden sie am Heiligabend mit Päckchen im Arm besuchen», verspricht Martina Hoschatt von der Seemannsmission in Wilhelmshaven.

In der Regel sind es die Seeleute, die dafür sorgen, dass in Deutschland die Gabentische zum Fest gefüllt werden können. Egal, ob nun Computer, MP3-Player oder elektronisches Spielzeug auf den Wunschlisten stehen: «Mehr als 90 Prozent der weltweit gehandelten Waren kommen auf Schiffen über das Meer zu uns», sagt Heike Proske, Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission in Bremen.

Proske hat bereits im Sommer eine CD mit einem Weihnachtsgottesdienst in englischer und deutscher Sprache aufgenommen, samt Liedern, Gebeten und dem gewaltigen Glockengeläut des Bremer Doms. «Mit der CD wird dann auf vielen Schiffen auf hoher See gefeiert.» Seit Jahren schickt die Bremer Mission solch eine CD mit auf die Reise. «Und sie wird genutzt», weiß Proske: Bei einem Besuch vor zwei Jahren bei der Seemannsmission in Brasilien sei sie von den Bremer Glocken begrüßt worden, die über alle Hafenlautsprecher geschickt wurden.

Seemannsmission bedeutet mehr als nur Geschenke, unterstreicht die Pastorin. Zum Netzwerk der Deutschen Seemannsmission gehören 16 Inlands- und 17 Auslandsstationen. Seit mehr als 150 Jahren bietet das Werk Matrosen soziale Hilfen und eine Heimat in der Fremde. Die älteste Station wurde 1854 in Bremen eröffnet.


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