Zeit der Trauer

In den ersten Tagen nach dem Tod einer vertrauten Person fallen die Trauernden zunächst in eine Art Schockstarre und können gar nicht realisieren, dass der oder die Verstorbene für immer gegangen ist. Dazu kommt die Betriebsamkeit durch die vielen Dinge, die rund um die Beerdigung erledigt werden müssen. Die eigentliche Trauer setzt meist erst danach ein, wenn es wieder ruhiger wird. Erst dann wird die Lücke, die der oder die Verstorbene hinterlässt, so richtig spürbar.


Trauer besteht oft aus einer wilden Mischung von Gefühlen: Traurigkeit, Angst, einem Gefühl der Leere, aber auch aus Schuldgefühlen, Erleichterung, Wut, Sehnsucht oder Dankbarkeit. Bei vielen Menschen dauert diese Phase der intensiven Gefühle einige Wochen an, bei anderen auch Monate – das kann individuell sehr unterschiedlich sein. Es gibt nicht die „richtige“ Trauer. Alles ist erlaubt und möglich, auch ambivalente Gefühle der verstorbenen Person gegenüber.


Trauerarbeit – eine Spirale


Etwas später beginnt die Phase des „Suchens, Findens und Sich-Trennens“, wie Verena Kast es beschrieben hat. Trauernde finden in den Alltag zurück und suchen doch nach Möglichkeiten, mit dem oder der Verstorbenen in Verbindung zu bleiben – durch das Hören bestimmter Musik, durch das Betrachten von Bildern oder durch den Besuch am Grab. Manchmal bricht die Trauer dabei auch wieder heftig hervor, sodass es den Trauernden vorkommt, als drehten sie sich im Kreis. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Trauer aber um eine Spirale, in der die Betroffenen sich immer ein Stück weiter vorarbeiten. Dieser – notwendige – Prozess des Abschiednehmens endet schließlich damit, dass die Trauernden den Verlust der vertrauten Person annehmen und ihr Leben neu ausrichten können.


Nicht von ungefähr spricht man auch von Trauerarbeit – das Abschiednehmen von einer vertrauten Person ist ein anstrengender und kräftezehrender Prozess. Jeder und jede Trauernde sollte selbst herausfinden, was ihm oder ihr dabei hilft. Das können für den einen Besuche am Grab sein, für die andere das Aufstellen einer Kerze am leer bleibenden Platz am Familientisch. Hilfreich ist, wenn Trauernde sich darüber im Klaren sind, was ihnen guttut, ihre Wünsche äußern können und offen für Hilfe und Unterstützung sind, wenn sie allein nicht weiterkommen. Im Zweifel sollten sie auch mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin darüber sprechen, denn Trauer kann auch ein körperlicher Prozess sein.


Trauergruppen unterstützen


In vielen Kirchengemeinden gibt es Trauergruppen, in denen sich Trauernde regelmäßig zu Gesprächen oder auch zu gemeinsamen Unternehmungen treffen. Vielen Menschen helfen diese Gespräche mit anderen Betroffenen, gerade auch, wenn der Todesfall schon einige Zeit zurückliegt und Familie und Bekannte längst zum Alltag übergegangen sind. Die Kirchenbüros können Auskunft geben, ob es in Ihrer Kirchengemeinde Trauergruppen gibt.


Die Gemeindepfarrerinnen und –pfarrer sind während der gesamten Trauerzeit für die Trauernden da, nicht nur bei der Beerdigung. Gerne können Sie sich direkt an die Pfarrerin/den Pfarrer Ihrer Kirchengemeinde wenden und um einen Gesprächstermin bitten. Oder sie vereinbaren bereits während des Vorgesprächs zur Beerdigung einen Folgetermin in sechs oder acht Wochen, zu dem Sie der Pfarrer oder die Pfarrerin erneut besucht.


Trauer – ein Geschenk


Trauern bedeutet Abschiednehmen und Verlust. Ein bewusst erlebter Trauerprozess kann aber auch ein Geschenk bedeuten: Er bietet die Gelegenheit, die Beziehung zu der verstorbenen Person für sich zu klären und Frieden zu schließen mit alten, verschüttet geglaubten Konflikten. Trauer kann insofern auch einen persönlichen Reifungsprozess in Gang setzen.


Manchmal erkennt man während der Trauer um eine vertraute Person auch klarer, was einem selbst im Leben wichtig ist. Die Erfahrung der Endlichkeit kann eine Chance sein, das eigene Leben neu auszurichten.


Die Zeit der Trauer macht auch deutlich, dass die Seele oftmals ein anderes Tempo hat als unser Alltag – sie braucht ihre Zeit. Und sie ermöglicht wichtige Erfahrungen: Ich muss nicht immer funktionieren. Ich habe den Beistand anderer Menschen erfahren. Ich kann mich darauf verlassen, dass Gott mich trägt und mich behütet, wenn es mir schlecht geht. "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten", heißt es im 126. Psalm. "Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen, und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben."


Bilder: ©William Richardson, monropic/Fotolia

Kalenderblatt

Sa, 29. Apr. 2017
Wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart?
Jesaja 53,1

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