Frühjahrssynode der oldenburgischen Kirche mit Gottesdienst eröffnet

Pfarrer Wolfgang Machtemes hielt die Predigt im Eröffnungsgottesdienst. Alle Fotos: ELKiO/Dirk-Michael Grötzsch

Mit einem Abendmahlsgottesdienst wurde am Donnerstagmorgen, 28. Mai, in der St.-Ulrichs-Kirche in Rastede die 3. Tagung der 48. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg eröffnet. In seiner Predigt nahm Pfarrer Wolfgang Machtemes Bezug auf das Schwerpunktthema der Synodentagung „Kirche und Migration“ und mahnte, das Schicksal der Tausenden von Bootsflüchtlingen nicht aus dem Blick zu verlieren. Es sei wichtig, dass das Leid die Menschen nicht nur berühre, sondern es müsse die Menschen in Bewegung setzen.

Auch wenn es oft schwer falle, Fremdes zu akzeptieren, weil eigene Standpunkte nicht so gefestigt seien, gebe es die Gewissheit, dass Gott den Menschen die Kraft gebe, allen die Hand zu reichen, auch wenn sie noch so fremd seien, so Pfarrer Machtemes. Die Ursache für die Flüchtlingsströme liege aber auch bei den Menschen in Europa. Hierzu zähle unter anderem das Konsumverhalten wie auch die ethischen Maßstäbe für die Produktion von Lebensmitteln und Produkten. Machtemes rief dazu auf, beim Einkaufen diese Hintergründe zu bedenken und fair gehandelte Produkte zu kaufen. Wo viele kleine Schritte getan würden, entstehe irgendwann auch etwas Großes, betonte Machtemes.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser sowie der Inhaberin / dem Inhaber der Profilstelle Popularmusik Karola Schmelz-Höpfner und Steffen Schöps.

 

Im Rahmen des Schwerpunktthemas „Kirche und Migration“ werden die Synodalen am Donnerstagnachmittag erstmals ihren traditionellen Sitzungsort in Rastede verlassen, um sich exemplarisch in Delmenhorst an 14 „Erfahrungsorten“ über Arbeitsfelder im Bereich Migration und Flüchtlinge zu informieren.

Auf der Tagesordnung der 3. Synodentagung stehen weiterhin die Beratungen zum Änderungsgesetz des sogenannten Oberkirchenratsgesetzes, in dem es um die Dienstverhältnisse der Mitglieder des Oberkirchenrates und der Beamten der oldenburgischen Kirche geht, zum Predigtlektoren- und Prädikantengesetz, zum Diakonenstellenplan sowie zum Konzept für die Citykirchenarbeit.
 

Beratungen der 3. Tagung eröffnet

Mit einem Dank an Pfarrer Wolfgang Machtemes und an alle Mitwirkenden für den Gottesdienst in der St.-Ulrichs-Kirche hat Synodenpräsidentin Sabine Blütchen die Beratungen der 3. Tagung der 48. Synode in der Heimvolkshochschule Rastede in Rastede-Hankhausen eröffent.


Sie verpflichtete als Ersatzsynodale Dr. Kerstin Ebel (Kirchenkreis Oldenburg-Stadt), Pfarrerin Evelyn Freitag (Kirchenkreis Oldenburg-Stadt) und Hans Peeks (Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven).

 

Der Synodale Jost Richter gratulierte Synodenpräsidentin Blütchen zur Wahl in das Präsidium der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auf ihrer konstituierenden Sitzung Anfang Mai in Würzburg hatte die 12. EKD-Synode Sabine Blütchen zur Beisitzerin in das kirchenleitende und gesetzgebende Gremium der EKD gewählt.

 

In einem kurzen Grußwort überbrachte der Moderator der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche Togos, Pastor Paul Avinou, die Grüße der afrikanischen Partnerkirchen und wünschte viel Erfolg bei der Arbeit der Synode.

  

Bericht aus dem Gemeinsamen Kirchenausschuss

Bischof Jan Janssen
Bischof Jan Janssen

In seinem Bericht aus dem Gemeinsamen Kirchenausschuss gab Bischof Jan Janssen der Synode einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsfelder, die während der Synodentagung auf der Tagesordnung stehen und beraten werden sollen. Dazu gehören u.a. der Bericht des Oberrechnungsamtes, das Oberkirchenratsgesetz und das damit verbundene Ausschreibungsvefahren, die Einführung der Doppik, die Berechnungsgrundlage für die Kirchenbürostunden und die Citykirchenarbeit.

 

In den unterschiedlichen Berichten scheine das Wort von der "Fülle" eher etwas Negatives zu sein, merkte Bischof Janssen an, "dass es einem Angst werde", wie es das Buch Hiob beschreibe. Dagegen sei die "Fülle" in der Bibel ein überaus positiv besetzter Begriff. Er beschreibe etwas höchst Nahrhaftes, sei Inbegriff der Sehnsucht oder die Vision für das gelobte Land.

Bericht zum Projekt: Umsetzung des ORA-Gutachtens

Organisationsberater Georg Mohr
Organisationsberater Georg Mohr

Zu Beginn gab Bischof Jan Janssen eine kurze Einführung in die jüngsten Arbeitsschritte im Gemeinsamen Kirchenausschuss und der Projektgruppe. In diesem Prozess sei es wichtig, dass die Mitarbeitenden daran partizipieren, betonte Janssen. Das Projekt sei bis zur 4. Tagung der Synode im November befristet. Das Ziel sei, die Ergebnisse dieses Projektes in das laufende Verwaltungshandeln unter neuer Leitung zu integrieren.

 

Anschließend gab der Organisationsberater Georg Mohr aus Nienburg vor der Synode der oldenburgischen Kirche erstmals einen Bericht zur Umsetzung des Sondergutachtens des Oberrechnungsamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Der Prüfbericht des Oberrechnungsamtes war vom Gemeinsamen Kirchenausschuss im März vergangenen Jahres in Auftrag gegeben worden, um die angespannte Finanzlage einer Kirchengemeinde zu überprüfen, die unter anderem auf über Jahre nicht angemahnte Kindertagesstätten-Gebühren zurückzuführen war. Im Prüfbericht wurden Mängel im Verwaltungshandeln sowohl der Regionalen Dienststelle als auch der Zentralen Dienststelle der oldenburgischen Kirche festgestellt. So seien „zahlreiche gute Ansätze der Verwaltungsstrukturreform bei der Umsetzung ins Stocken geraten“.

 

Spezielle Ziele, wie eine Einheitlichkeit der Verwaltungen, wirksame Kontrollen und eine höchstmögliche Effizienz seien nur bedingt erreicht worden. In der Folge hatte Oberkirchenrat Wolfram Friedrichs im November vergangenen Jahres die politische Verantwortung übernommen und war von seinem Amt als juristischer Oberkirchenrat zurückgetreten.

In der Folge hatte der Gemeinsame Kirchenausschuss dann den Organisationsberater Georg Mohr beauftragt, die Umsetzung der Feststellungen und Empfehlungen aus dem Sondergutachten des Oberrechnungsamtes der EKD (ORA) als externer Projektleiter zu begleiten. Mittlerweile seien die ersten Arbeitsaufträge erteilt worden, berichtete Mohr vor der Synode, sodass entweder bestehende Gremien wie der Gemeinsame Kirchenausschuss und das Kollegium, operativ tätig werden können oder „Flexible Arbeitsgruppen“ initiiert wurden, um Lösungen zu erarbeiten.

 

Insgesamt enthalte der ORA-Bericht 36 Themen, die es zu bearbeiten gelte, sagte Mohr. Zu diesen 36 Themen wurden im ORA-Bericht 58 Einzelfeststellungen getroffen, für die dann 85 Handlungsempfehlungen ausgesprochen wurden. Diese gelte es im Einzelnen zu analysieren und im Rahmen von Entscheidungsprozessen einer Lösung zuzuführen. Diese Zahlen zeigten nochmals den Umfang und die Größe des Projektes. „Abschließende Lösungskonzepte und Entscheidungen werden somit sicherlich noch bis in das Jahr 2016 hineinreichen", kündigte Mohr an.

Das Sondergutachten zeige auf, dass für das Funktionieren des Systems viele große und kleine „Stellschrauben“ zu verändern seien, erläuterte Mohr heute vor der Synode. Erst wenn alle aufeinander eingestellt und justiert worden seien, könne das System im Sinne eines funktionierenden Internen Kontrollsystems wirksam werden. Dennoch könne auch bei Vorhandensein dieser Instrumente die Wirksamkeit noch nicht gewährleistet werden. Hinter dem Begriff „Stellschraube“ verbergen sich laut Mohr sehr viele kleine Einzelmaßnahmen, die im Rahmen der täglichen Zusammenarbeit und Kommunikation umgesetzt und „gelebt“ werden müssen, damit sie wirksam werden können. Kulturveränderungen in Institutionen und Organisationen seien eine hohe Kunst, denn hier stehe insbesondere der handelnde Mensch im Mittelpunkt der Veränderung.

Als externer Projektleiter könne er dazu „nur“ den Methodenkoffer an die Hand geben, die Umsetzung müsse jeder für sich planen, betonte Mohr in seinem schriftlichen Bericht. Er hoffe, „dass sehr viele bereit seien, sich auf diesen Entwicklungsprozess einzulassen und diese Veränderungen auch vorzuleben.“ Insbesondere gehe es einerseits um die Art der Zusammenarbeit, der Kommunikation und letztendlich um den persönlichen Umgang miteinander. Andererseits gehe es aber auch um die Art der Aufgabenwahrnehmung der Verwaltung gegenüber Kirchengemeinden sowie gegenüber den ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden, wünschte sich Mohr.

 

In der darauf folgenden Aussprache fragten mehreren Synodale nach konkreten Beispielen für mögliche Veränderungen. Georg Mohr antwortete, dass die von der Synode beschlossene Verwaltungsstrukturreform gut angelegt, aber eben noch nicht zu Ende gebracht worden sei. Deshalb müsse der Ist-Zustand in Kraft gesetzt und beispielsweise die allgemeinen Geschäftsanweisungen konkreter geregelt und auch geschult werden. Als "Stellschrauben" verstehe er auch die zwischenmenschliche Faktoren, die Fragen des Umgang, wie man kommuniziere, wen man  informiere oder mit wem man zeitnah in Kontakt trete.

  

Einführung Doppik in den Regionalen Dienststellen/Kirchenkreisen modifiziert

Im Nachgang zur Diskussion über Umsetzung des ORA-Gutachtens beschloss die Synode auf Antrag der Arbeitsgruppe "Lenkung", dass der Einführungstermin für einen doppischen Haushalt in den Regionalen Dienststellen (RDS) zum 1. Januar 2018 weiterhin bestehen bleibt und die Vorgehensweise im Projekt wie folgt zu ändern ist:


Die Durchführung von konzeptionellen Arbeiten erfolgt bis zum 31. Oktober 2016. Sofern diese erfolgreich und vollständig abgeschlossen wurden, sind anschließend in allen RDS´en sämtliche Mandanten bis zum 31. Dezember 2017 in Projekten auf die Doppik umzustellen, sodass alle Mandanten zum 1. Januar 2018 in der Finanzbuchhaltung im Doppik-Echtbetrieb arbeiten können. Die Erstellung der Eröffnungsbilanzen ist dann im Anschluss zu planen.
 

Stelle für umweltschutz, Klima- und Energie soll wieder besetzt werden

Synodaler Nico Lüttke
Synodaler Nico Lüttke

Der Antrag des Synodalen Nico Lüttke, die Stelle der/des Beauftragten für umweltschutz, Klima- und Energie nicht erneut zu besetzen, fand vor der Synode keine Mehrheit. Lüttke hatte vorgeschlagen, dass die oldeburgische Kirche stattdessen mit Umweltschutzverbänden kooperieren und deren Kompetenzen nutzen sollte. Mehrere Synodale sprachen sich für den Erhalt der Stelle für die Umwelt- und Schöpfungsbewahrung aus, da es zu einem wesentlichen Bestandtteil kirchlichen Handelns gehöre. Vielmehr sollten die Mitarbeitenden einen stärken Kontakt zu den Kirchengemeinden suchen. Darüber hinaus sollte der bereits begonnene Prozeß nicht vorschnell abgebrochen werden.

  

Schwerpunktthema "Kirche und Migration"

Die Kirchengemeinde sei stolz, dass die oldenburgische Synode den Themennachmittag in Delmenhorst veranstalte, so Pfarrerin Anne Frerichs.

Der Donnerstagnachmittag der 3. Tagung der 48. Synode stand unter dem Schwerpunktthema "Kirche und Migration", das in Delmenhorst stattfand. Die 60 Delegierten fuhren von ihrem Tagungsort Rastede nach Delmenhorst, um dort 14 Einrichtungen zu besuchen, in denen für Flüchtlinge und Migranten gearbeitet werde, so Synodenpräsidentin Sabine Blütchen im Vorfeld. Es gehöre zum urchristlichen Auftrag, sich um "Fremdlinge", wie die Bibel Ausländer nenne, zu kümmern, unterstrich Bischof Jan Janssen. Die Synode nahm sich stellvertretend für die ganze oldenburgsiche Kirche dieses Themas an.

 

Im Ev.-luth. Gemeindehaus der Ev. Kirche "Zu den Zwölf Aposteln" in Delmenhorst wurden die Synodalen durch Pfarrerin Anne Frerichs und Pfarrer Fritz Martschin begrüßt.

   

Kulturen miteinander verknüpfen

Grußwort vom Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz
Einführung zum Thema "Delmenhorst - eine Einwanderungsstadt mit Christoph Jankowsky, Leiter des Fachdienstes "Stadtentwicklung und Statistik" der Stadt Delmenhorst
Thematischer Impuls "Kirche in der Migrationsgesellschaft" von Prof. Dr. Hans-Peter Schmidtke
In der Gesprächsrunde im Nachbarschaftsbüro Düsternort des Diakonischen Werkes informieren sich Synodale über die dortige Arbeit. Das Ziel ist es, mit dem und für den Stadtteil die Lebensbedingungen für die Bewohnerinnen und Bewohner positiv zu gestalten. Foto: Hans-Werner Kögel
Das Kinder- und Jugendhaus "Horizont" der Diakonie ist ein "offenes Haus zum Wohlfühlen", das sich der außerschulischen Bildung und der pädagogischen Arbeit im Stadtteil Dünsternort widmet. Die Synodalen Wilhelm Bohnstengel und Nico Lüttke (vl.) kickerten zu Begin mit Kerstin Göhl, Alina Steenck, Dhurjati Roychoudhury, Dena, Heike Steiner, Thomas Adomeit, Dejvit und Joca. Foto: Hans-Werner Kögel
Pastorin Anne Frerichs und Fritz Martschin berichteten über die unterschiedlichen Begegnungen zwischen den christlichen Kirchen, der jüdischen und den muslimischen Gemeinden in der Stadt Delmenhorst. Foto: Hans-Werner Kögel
In der Berufsfachschule Altenpflege "Ev.-Luth. Stephanusstift" informierten Schulleiterin Jutta Lippok (links) und Regina Logemann (rechts) von der Diakonie-Sozialstation Delmenhorst fünf Synodale über die Herausforderung von kultur- und religionssensibler Pflege. Lippok betonte, dass Sterberituale und Tabus eine Rolle in der Pflegeausbildung spielten. In der Diakonie-Sozialstation gehört es mittlerweile zum Alltag, dass auch Frauen und Männer aus muslimischen und yezidischen Familien gepflegt werden. Intensiv wurde in der Runde diskutiert, ob diakonische Pflegeeinrichtungen auch Mitarbeitende mit Migrationshintergrund bräuchten und ob es auch die Möglichkeit geben sollte, etwa eine Muslima einzustellen. "Das wäre ein wichtiges Signal, dass wir als Kirche offen sind", warb die Oldenburger Kreispfarrerin Ulrike Hoffmann. Alle Teilnehmenden betonten aber, dass es klare Kriterien brauche und die Situation von Einrichtung zu Einrichtung verschieden sei. Foto: Kerstin Kempermann
Streetworker Vahap Aladaq stellt die Arbeit der Integrationslotsen des Integrationsteam Delmenhorst und Umgebung e. v. vor.
Die ausgebildeten Integrationslotsen in Delmenhorst hätten sich einen eigenen Verein organisiert, betont Integrationslotse Ishak Kilic (Mitte). Die Integrationsberatung ist ein Angebot des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg Land, berichtet Diakoniemitarbeiterin Wiebke Geerkens (re.).
Trägerin des Nachbarschaftszentrums Wollepark in Delmenhorst ist das Diakonische Werk Delmenhorst/Oldenburg Land. Insbesondere Migrantinnen und Migranten aus EU-Ländern wie Rumänien und Bulgarien, die keine staatliche Hilfe erhielten, seien auf Unterstützung angewiesen, berichtet Sozialarbeiterin Kisa Dartsch.

In Delmenhorst-Düsternort begannen die Synodalen ihre Exkursion zum Thema „Kirche und Migration“, um sich hier über Angebote der Integration zu informieren. Acht verschiedene Nationalitäten werden in Düsternort in der Kindertagesstätte betreut. Der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund liegt hier bei fast 25 Prozent. Mit Zahlen wie diesen zeigten Pastorin Anne Frerichs und ihr Kollege Fritz Martschin von der evangelischen Gemeinde „Zu den Zwölf Aposteln“, welche Gegebenheiten die Arbeit in diesem Stadtteil prägen. Aber: „Man geht nett miteinander um, wenn man sich trifft“, betonte Martschin. „Das ist typisch für Düsternort, vielleicht typisch für ganz Delmenhorst.“

 

Die beiden Theologen bedankten sich insbesondere bei den ehrenamtlich Mitarbeitenden, die sich für die Integration einsetzen. „Natürlich braucht man unbedingt Hauptamtliche für viele Aufgaben, aber ohne die Ehrenamtlichen ginge es nicht.“

 

Es mache viel Spaß, andere Kulturen kennenzulernen und miteinander zu verknüpfen, betonte der Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz in seiner Begrüßung der Delegation. Die Stadt nehme die Aufgabe der Integration sehr ernst und arbeite dabei eng mit der Kirche zusammen.

 

Migration: Das Muster bleibt gleich

Die Geschichte der Stadt beleuchtete Christoph Jankowski vom Fachbereich Strategische Stadtentwicklung und Stadtforschung in Delmenhorst. Von einer 3.500 Einwohner zählenden landwirtschaftlich geprägten Residenzstadt entwickelte sich Delmenhorst im Zuge der Industrialisierung rasant: 25.000 Menschen lebten hier bis zum Ersten Weltkrieg, den Höchststand erreichte die Stadt in den 1990er Jahren mit 80.000 Bürgerinnen und Bürgern.

 

Damit hat Delmenhorst schon seit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts Erfahrungen mit Zuwanderung. Korkverarbeitung, Linoleumherstellung und die „Nordwolle“ zogen Arbeiterinnen und Arbeiter an, die sich hier bessere Arbeits- und Lebensbedingungen versprachen. Zunächst aus Böhmen, Oberschlesien und Österreich-Ungarn, nach dem Zweiten Weltkrieg aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten und seit den 1960er Jahren aus Südeuropa kamen die Menschen hierher.

 

1953 zählte die Stadt 15.000 Vertriebene, für die in Stadtteilen wie Düsternort und Annenheide Wohnungen gebaut wurden. Während des Krieges hatten Zwangsarbeiter aus Osteuropa die Produktion in den Fabriken sichergestellt. Ob Mitte des 19. oder Ende des 20. Jahrhunderts – die Schwierigkeiten der Integration seien die gleichen, machte Jankowski deutlich: Die Zuwanderer heirateten überwiegend untereinander, sie waren konzentriert in bestimmten Stadtteilen untergebracht, litten unter fehlender Bildung und Hoffnung auf sozialen Aufstieg, verfügten anfangs über geringe Deutschkenntnisse und sahen sich vielen Vorurteilen und Ausgrenzung ausgesetzt.

 

„Erst der soziale Aufstieg aus dem Immigrantenmilieu hat die Grenzen von Zuwanderern und Einheimischen so verwischt, dass man sich in erster Linie als Delmenhorster verstand“, zitierte er aus einer Untersuchung von Karl Marten Barfuss über die Entwicklung während der Zeit der Industrialisierung.

 

Und auch aktuell ist Delmenhorst attraktiv für Zuwanderer, insbesondere aus der Europäischen Union, denn die Mieten sind hier vergleichsweise günstig, Bremen ist verkehrstechnisch gut erreichbar. Insgesamt 2.300 Ausländer hat Delmenhorst von 2011 bis 2014 aufgenommen. Doch das Muster ist nach wie vor gleich geblieben: Auch heute konzentrieren sich die Zuzüge besonders auf einige Stadtteile, auch die „Kettenmigration“, bei der Migranten aus einzelnen Regionen andere nach sich ziehen, ist von den Einwanderern aus Böhmen und Eichsfeld bis heute erkennbar.

 

Den Großteil der Zuwanderer machen aktuell EU-Bürger aus: 65 Prozent der Migranten kommen aus der Europäischen Union, derzeit überwiegend aus Bulgarien, Rumänen und Polen.

 

Wenn sich ein Strom als Rinnsal entpuppt

Auch Deutsche sind und waren immer Migranten. Das machte Hans-Peter Schmidtke, emeritierter Professor für interkulturelle Pädagogik an der Universität Oldenburg, zu Beginn seines Vortrags „Kirche in der Migrationsgesellschaft“ deutlich und verwies auf die Auswanderer Ende des 19. Jahrhunderts. Rund 850.000 Menschen sind allein zwischen 1880 und 1885 aus Deutschland emigriert, um woanders ihr Glück zu suchen.

 

Wichtig für gelingende Integration sei es, auf den Einzelnen einzugehen, für eine gute Kommunikation zu sorgen, betonte er. „Wir dürfen die Menschen nicht einteilen, das gebietet schon unser christlicher Glaube“, so Schmidtke. „Eine Klassifizierung hilft uns nicht weiter, sondern schafft nur Vorurteile. Letzten Endes habe ich es mit einem Menschen zu tun. Und jeder Mensch ist mehr als eine Kultur – er ist ein Kulturschaffender.“

 

Wer ist eigentlich deutsch? Und wie lange hat man einen Migrationshintergrund? Zwei Generationen? Drei? Fragen, die Schmidtke, der selbst in Posen geboren wurde und mit einer Spanierin verheiratet ist, in den Raum stellte. Fragen, auf die es keine wirkliche Antwort gibt. Anhand eines Zahlenquiz machte er deutlich, dass die Angst vor zu vielen Flüchtlingen viel größer sei als die Zahl der Flüchtlinge selbst: Der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Deutschland liege weitgehend gleichbleibend unter zehn Prozent. Etwa 173.000 Asylerstanträge und 29.000 Folgeanträge seien 2014 in Deutschland gestellt worden – angesichts von rund 80 Millionen Deutschen handle es sich bei den „angeblichen Flüchtlingsströmen doch eher um Rinnsale“, so Schmidtke.

 

Besonderes Augenmerk müsse man dabei auf die Frauen legen, die knapp 40 Prozent der Flüchtlinge ausmachten, betonte er. „Sie sind – zusammen mit den Kindern – eine besonders vulnerable Gruppe.“ Das müsse die Kirche mit speziellen Angeboten im Blick haben. „Auf diese Frauen müssen wir zugehen“, so sein Appell.

  

Ein Beitrag von Anke  Brockmeyer.

   

„Weiß Deutschland, dass ich hier bin?“

Die gebürtige Irakerin Sandra Baba ist eine von drei Diakonie-Mitarbeiterinnen in Landkreis Delmenhorst, die sich für Flüchtlinge und Asylbewerber engagieren. Foto: Michael Eberstein

Das Smartphone ist ein wichtiger Helfer für Sandra Baba. Wenn es klingelt, braucht ein Flüchtling Hilfe. „Normalerweise gehe ich nach 18 Uhr nicht mehr dran“, sagt die Flüchtlings-Sozialarbeiterin der Diakonie in Ganderkesee. Doch sie weiß, dass es manche Anrufer nicht mehr aushalten. „Sie finden am Freitagnachmittag einen Brief in ihrer Post und können ihn nicht lesen. Sie können nur die Worte Asyl und Dublin entziffern und fürchten die Abschiebung. Dann kann ich sie doch nicht bis Montag im Ungewissen lassen.“

 

Per Smartphone fotografieren die aufgelösten Flüchtlinge dann das beängstigende Schreiben und senden es an die Sozialarbeiterin. Baba kann dann schnell aufklären, dass das Formular aus Kostengründen für beide Fälle vorbereitet ist, für die Asyl-Anerkennung ebenso wie für die Ablehnung nach dem Dublin-Abkommen. Meist sind dann die Sorgen im Nu verschwunden.

 

Die gebürtige Irakerin ist eine von drei Diakonie-Mitarbeiterinnen in Landkreis Delmenhorst, die für Flüchtlinge und Asylbewerber einen ersten Anker in ihrer erhofften neuen Heimat Deutschland darstellen. „Wir kümmern uns um alles, was nach der Wohnungssuche und –einrichtung kommt“, erklärt Babas Kollegin Zohreh Roushanpour den Synodalen der oldenburgischen Kirche, die die Beratungsstelle in der Delmenhorster Louisenstraße besuchen. In Kleingruppen informierte sich das Kirchenparlament an verschiedenen Stellen in Delmenhorst über die vielfältigen Aufgaben bei der Flüchtlingsbetreuung.

 

Den vollständigen Bericht zu diesem „Erfahrungsort“ – Flüchtlingssozialarbeit und –beratung des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg Land in der Delmenhorster Louisenstraße – finden Sie unter: http://www.kirche-oldenburg.de/nc/aktuell/pressemitteilungen/artikel/weiss-deutschland-dass-ich-hier-bin.html

  

„Dieses Haus ist Gottes Haus, ist Ihr Haus“

Besuch in der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Delmenhorst: Erzbischof Dr. Julius Hanna Aydin, Synodenpräsidentin Sabine Blütchen, Bischof Jan Janssen und die Synodalen der oldenburgischen Kirche.
Der Erzbischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Dr. Julius Hanna Aydin, begrüßt die Synodalen der oldenburgischen Kirche.
Erzbischof Dr. Julius Hanna Aydin und Bischof Jan Janssen
Sehr farbenfroh, hell und mit einigen orientalischen Stilelementen präsentiert sich die Kirche in Delmenhorst, deren Gemeinde mehr als 400 Familien angehören.
Mit einer Spende von 1.000 Euro für die Nothilfe Syrien und Irak bedankte sich Synodenpräsidentin Sabine Blütchen im Namen der Synode der oldenburgischen Kirche beim Vorsitzenden des syrisch-orthodoxen Gemeindekirchenrates, Andreas Kilit, für die Gastfreundschaft.

Mit einem Besuch in der syrisch-orthodoxen Kirche „St. Johannes“ endete die Exkursion der oldenburgischen Synodalen am Donnerstagabend mit einem kurzen und kurzweiligen Vortrag des Erzbischofs der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Dr. Julius Hanna Aydin. Syrer, so lernten die Synodalen, heiße schlicht „Christ“. Und so habe es ihn auch nicht verwundert, als ein Gast einmal festgestellt habe, dass es in Deutschland „viele Syrer“ gebe, so der Erzbischof.

 

Sehr farbenfroh, hell und mit einigen orientalischen Stilelementen präsentiert sich die Kirche in Delmenhorst, deren Gemeinde mehr als 400 Familien angehören. Hier spreche man, erklärte Aydin, nicht von einzelnen Gemeindemitgliedern – es sei selbstverständlich, dass die gesamte Familie der Gemeinde angehöre. „Die Kinder fühlen sich als Kinder der Kirche“, betonte er. Sie sind bei Festen dabei, schmücken ihre Kirche, singen im Chor. Der Mädchenchor in Delmenhorst hat 94 Mitglieder, die Jungen bringen es sogar auf mehr als hundert Stimmen.

 

Ihm sei es wichtig, dass die Gläubigen wissen, was sie beten und singen, so der Erzbischof. Deshalb benutzt er deutsche Übersetzungen der auch heute noch auf Aramäisch geschriebenen Texte. Ebenso wie die arabischen Texte von rechts nach links geschrieben werden, sei auch die Bewegung in der Kirche so ausgerichtet. Zum Ende des Gottesdienstes nähern sich die Gemeindemitglieder dem Evangelium von rechts und küssen es zum Abschied, nachdem sie das Kreuz geschlagen haben. Nach links gehen sie ab mit der Bitte, Glück und Gesundheit möge sie begleiten.

 

Die Taufe spielt eine große Rolle im syrisch-orthodoxen Glauben. Sie ist nicht – wie bei katholischen und evangelischen Christen – unabhängig von Kommunion und Konfirmation, sondern ein Sakrament, das alles miteinander vereint. Nur reines Wasser aus einer Zisterne darf für die Taufe verwendet werden, keineswegs geklärtes Wasser aus der Leitung. Ebenfalls anders als in Europa üblich: Die Pfarrer dürfen nicht etwa verheiratet sein, sie müssen es sogar. Nur dann ist es moralisch vertretbar, dass sie auch Mädchen taufen. 

 

Doch trotz einiger strenger Regeln gehe es, so Aydin, lockerer zu in ihren Gottesdiensten als bei den Deutschen. „Wir sind eben Orientalen. Da ist es normal, dass die Kinder frei und lebhaft sind.“

 

Im Anschluss an die kurze Einführung in die Gottesdienstordnung der syrisch-orthodoxen Christen hatten die Synodalen bei einem gemeinsamen hausgemachten  orientalischen Abendessen die Gelegenheit, sich mit Gemeindemitgliedern auszutauschen. Mit einer Spende von 1.000 Euro für die Nothilfe Syrien und Irak bedankte sich Synodenpräsidentin Sabine Blütchen im Namen der Synode der oldenburgischen Kirche beim Vorsitzenden des syrisch-orthodoxen Gemeindekirchenrates, Andreas Kilit, für die Gastfreundschaft.

 

„Dieses Haus ist Gottes Haus, ist Ihr Haus“, bekräftigte  Erzbischof Aydin. Er sei „dankbar, diese ökumenische Gemeinschaft und ein Stück Frieden zu erleben“, antwortete ihm Bischof Jan Janssen. 

Ein Beitrag von Anke  Brockmeyer.

   

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