Im Gespräch mit Dr. Steffen Bauer

Dr. Steffen Bauer ist Studienleiter für Ehrenamt und Gemeindeleitung am Institut für Personalentwicklung, Organisationsberatung und Supervision in der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau. Die Fragen stellte Dirk-Michael Grötzsch, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der oldenburgischen Kirche.

Vor welchen Herausforderungen stehen die evangelischen Kirchen aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahrzehnten?
Dr. Steffen Bauer: Die Herausforderungen kommen von zwei Seiten. Das Eine ist das Thema Verknappung: weniger Gemeindeglieder, weniger Steuereinnahmen, also alles, was an Konsequenzen auf dieser Seite zu erwarten ist. Das müssen wir verarbeiten, einarbeiten im System. Und das Andere ist: Wir spüren die Veränderungen in der Gesellschaft der Menschen, und wir brauchen nach meiner Ansicht veränderte, weiterentwickelte Bilder von Kirche. Was soll Kirche in Zukunft leisten, wofür ist sie da, welche Aufgaben hat sie? Das Eine ist sozusagen, von innen heraus ein neues Bild zu entwerfen, und das Andere ist, von außen auf den äußeren Druck zu reagieren.

Das Motto des Zukunftskongresses ist „… ein Land, das ich dir zeigen will“. Als Thema hat der Kongress aber auch „Auf dem Weg in das Jahr 2030“. Wie stellen Sie sich evangelische Kirche im Jahr 2030 vor?
Dr. Steffen Bauer: Also ich glaube, dass wir eine völlig neue Organisationsstruktur haben werden. Wir werden nicht mehr die Abordnung einzelner Pfarrer in einzelne Gemeinden haben, sondern wir werden eine ganz andere Form von Teambildung haben. Pfarrerinnen und Pfarrern werden Regionen zugeteilt, und sie haben dort im Team zu entscheiden, wie sie diese Region kirchlich bespielen. Und daneben werden wir ganz anders qualifizierte Ehrenamtliche haben und so ein neues Teamzusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt wie wir es – glaube ich – in der evangelischen Kirche noch nie hatten.

Was ist das Besondere für Sie an kleineren Kirchen bzw. an der oldenburgischen Kirche?
Dr. Steffen Bauer: Also die Stärke von einer kleineren Organisationseinheit ist immer, dass sie in einem direkten Kontakt untereinander und miteinander Veränderungen mit auf den Weg bringt. Meine Heimatkirche, die Evangelische Kirchen in Hessen und Nassau, hat 1,7 Millionen Gemeindeglieder. Da können Sie nicht mehr viele Gemeinden einzeln befragen, da wird über die Gemeinden hinweg entschieden. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat es die Möglichkeit gegeben, dass auf diesem Zukunftskongress alle Gemeinden vertreten sind, und das ist die Stärke. Alle können sich an dem Prozess der Veränderung, der Umgestaltung beteiligen. Das geht ab einer bestimmten Größe definitiv nicht mehr.

Junge Menschen für Gottesdienste interessieren

Im Gespräch mit Ute Hadeler-Striepens aus Wilhelmshaven-Bant

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz

Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will sich mit diesem Kongress auf den Weg in das Jahr 2030 machen. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Themen, die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns als Kirche zukommen?
Ute Hadeler-Striepens: Also, ich denke, es ist vor allen Dingen wichtig, dass die Menschen Kirche wahrnehmen, dass sie Freude am Gottesdienst haben. Dass der Gottesdienst so lebendig ist, dass die Menschen einfach gerne kommen und dass die Gemeinschaft weiter lebendig bleibt.

Haben Sie für den Gottesdienst zum Beispiel schon konkrete Ideen, wie er lebendiger wird oder was müsste Ihrer Meinung nach verändert werden?
Ute Hadeler-Striepens: Das hängt – glaube ich – auch ganz stark von den Gottesdienstbesuchern ab. Wir haben zurzeit sehr viele ältere Menschen im Gottesdienst oder überwiegend ältere Menschen im Gottesdienst, und es wäre natürlich schön, wenn man dann verstärkt auch noch die Jüngeren interessieren könnte und nicht immer Extra-Gottesdienste anbieten würde. Ich habe im Moment noch keine Vorstellung davon, aber ich denke, mehr neue Lieder mit reinzubringen, die auch leichter zu singen sind, das würde schon mehr Lebendigkeit bringen.

Also eben auch generationenübergreifende Gottesdienste?
Ute Hadeler-Striepens: Genau!

Fühlen Sie sich mit Ihren Themen gut repräsentiert, konnten Sie sich einbringen und wie gefällt Ihnen das?
Ute Hadeler-Striepens: Es sind sehr viele Menschen da, es sind sehr viele unterschiedliche Menschen da, und ich habe den Eindruck, dass wirklich jeder sagen kann, wie er das hier empfindet. Ich erlebe es, dass es sehr, sehr vielfältige Gemeinden gibt, und dass unsere Gemeinde schon ganz gut aufgestellt ist, finde ich.

Was nehmen Sie von diesem Kongress mit nach Hause in Ihre Arbeit vor Ort?
Ute Hadeler-Striepens: Also im Moment bin ich so voll von den Erlebnissen, dass ich da noch kein Fazit ziehen kann. Wir haben viele Angebote und man kann ja nur besser werden. Wir werden sicher in den Gemeindekirchenrat einbringen, was wir bei den Lektoren und in den Kindergärten noch ergänzen können, was wir noch zusätzlich mit aufnehmen können. Aber im Großen und Ganzen sehe ich uns schon als sehr vielfältig an.

Veränderungen nicht erst 2030 überlegen, dann ist es zu spät

Im Gespräch mit Jendrik Bartels aus Vechta (Kirchenkreis Oldenburger Münsterland)

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz

Woher kommst du?
Jendrik Bartels: Ursprünglich komme ich aus dem Kirchenkreis Delmenhorst/Oldenburg-Land und da aus der Kirchengemeinde Hasbergen, aber durch das Studium bin ich auch in Vechta aktiv.

Was machst du in der Evangelischen Jugend?
Jendrik Bartels: Hauptsächlich Gremienarbeit, aber auch mit Jugendlichen Projekte, eben da, wo auch Hilfe gebraucht wird

Die Ev.-Luth. Kirche macht sich auf den Weg in das Jahr 2030. Was sind deiner Meinung nach die Herausforderungen, die wir bewältigen müssen, die auf die Kirche in Zukunft zukommen?
Jendrik Bartels: Eine große Herausforderung ist auf jeden Fall der demografische Wandel, den wir nicht außer Acht lassen dürfen, dass sich viele Strukturen in der Gesellschaft verändern werden, wovor eben auch die Kirche die Augen nicht verschließen darf. Eine Herausforderung ist auch die zunehmend sinkende Mitgliederzahl, und wir müssen uns auch die eigenkritische Frage stellen: Warum ist das so? Sind wir nicht mehr zeitgemäß? Ich denke, da können wir hier auf dem Kongress Impulse initiieren, wie wir das ändern können oder wie wir attraktiver erscheinen können.

Fühlst du dich persönlich gut aufgehoben, fühlst du dich gehört mit deiner Stimme?
Jendrik Bartels: Ich denke, das Gehört-werden wird sich noch ein wenig in den Podiendiskussionen und in den Foren zeigen. Der erste Teil bestand erstmal aus Zuhören, aber natürlich auch schon aus Austauschsituationen zwischen den Türen mit anderen Teilnehmern, von daher fühle ich mich schon gehört, aber noch nicht so im Großen beteiligt, aber ich denke das wird sich noch ergeben.

Was nimmst du für dich persönlich mit in deine Heimatgemeinde?
Jendrik Bartels: Ich denke, was ich in meine Heimat mitnehme, sind immens große Impulse aus allen möglichen Bereichen, einfach das Überdenken des Kurses, den wir momentan einschlagen. Der wird aus ganz vielen Aspekten neu überdacht werden müssen. Das nehme ich – denke ich – in meine Kirchengemeinde gerne mit, dass diese ständige Innovationsnot, die wir haben, bei einigen noch nicht in den Köpfen angekommen ist, dass man ab jetzt eigentlich starten muss, sich auf den Weg nach 2030 zu begeben und nicht erst 2030 zu schauen, das ist dann zu spät.

Urvertrauen wieder herstellen

Im Gespräch mit Claudia Nitschke aus Delmenhorst (Kirchengemeinde Hasbergen)

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz

Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will sich mit diesem Kongress auf den Weg in das Jahr 2030 machen. Was sind für Sie die Themen, die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns als Kirche zukommen?
Claudia Nitschke: Heute ist mir etwas sehr deutlich geworden, dass wir sozusagen das Urvertrauen, das viele Menschen in ihren Familien nicht mehr bekommen, wiedererlangen, dass wir dafür auch ein Ort sein können, um dort eine Brücke zu bauen und Werte schaffen und an der Gesellschaft teilnehmen und aus christlichen Werten Kraft schöpfen können.

Fühlen Sie sich mit Ihren Themen gut repräsentiert, konnten Sie sich einbringen und wie gefällt Ihnen das?
Claudia Nitschke: Ich finde es sehr gut, dass es sehr demokratisch wirkt hier. Ich hoffe, es bleibt so, und mir gefällt, dass alle Stimmen gehört werden können; wenn man auch sagt, ich hab noch ein Thema, was gerade nicht auf dem Plan steht, glaub ich, findet man hier Leute, wo man das loswerden kann.

Was nehmen Sie aus diesem Wochenende mit?
Claudia Nitschke: Erstmal nehme ich eine sehr gute Stimmung mit, das finde ich sehr wichtig, also dass man auch deutlich macht, dass wir gerne unseren Glauben leben wollen. Dazu werde ich morgen im Gottesdienst ein kurzes Statement geben und ich hoffe, das gelingt mir auch so schwungvoll wie so ein Vortrag gestern.

Gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen

Im Gespräch mit Mark Heyen aus Wilhelmshaven

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz

Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will sich mit diesem Kongress auf den Weg in das Jahr 2030 machen. Was sind die Themen, die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns als Kirche zukommen?
Mark Heyen: Also, das, was die Kirche sieht und was ich sehe, sind zwei Ansichten, die da völlig konträr gehen. Während die Kirche meint, sie müsse sich nur noch auf Gottesdienst und das Verkünden des Wortes beschränken, kritisiere ich absolut, dass sie sich immer mehr aus der sozialen gesellschaftlichen Verantwortung herauszieht. Die Diakonie wird privatisiert, wo es gerade möglich ist, die Arbeitnehmerschaft wird überhaupt nicht unterstützt. All das, wo der Mensch sich wirklich tagtäglich mit Problemen konfrontiert sieht, da ist die Kirche nicht mehr vertreten. Das war meine Hoffnung für den Kongress, dass das hier angesprochen wird, und das ist das einzige Thema, das völlig ausgegrenzt wird.

Der Kongress soll hier die Themen der Leute aufgreifen und auch die Stimmen der Gemeindeglieder aufgreifen. Wie fühlen Sie sich mit Ihren Themen repräsentiert? Was sind die Dinge, die Sie beschäftigen, und können Sie sie hier einbringen?
Mark Heyen: Ich versuche es immer in den Workshops, wo es gerade möglich ist. Da aber ja von Vorneherein in den Workshop-Themen sehr klar vorgegeben ist, worüber gesprochen wird, eck ich nur an und hab gar nicht die Möglichkeit, das wirklich anzubringen.

Was nehmen Sie von dem Kongress mit nach Hause in Ihre Arbeit vor Ort in Ihre Heimatgemeinde?
Mark Heyen: Also ich komme nicht aus einer Heimatgemeinde, ich bin Delegierter für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und für die evangelische Arbeitnehmerschaft und nehme da dieselben Bedenken wieder mit nach Hause, die ich hatte, als ich damit hergekommen bin, mit dem einzigen Unterschied, dass sie jetzt auch noch unterstrichen wurden.

Unsere evangelische Kirche ist doch sehr lebendig

Im Gespräch mit Bernhard Brand aus Varrel (Kirchenkreis Delmenhorst / Oldenburg Land)

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
Bernhard Brand: Ich komme aus der Kirchengemeinde Varrel (Kirchenkreis Delmenhorst / Oldenburg Land). Ich habe vorher sechs Jahre im Gemeindekirchenrat mitgearbeitet, habe jetzt erneut kandidiert, obwohl ich schon 74 Jahre alt bin. Aber ich mache die Arbeit gern und übernehme Verantwortung im Gemeindekirchenrat. Im jetzigen Gemeindekirchenrat ist die Altersmischung meiner Meinung nach ganz ideal. Der Jüngste ist 18 und der Älteste ist 74.

Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will sich mit diesem Kongress auf den Weg in das Jahr 2030 machen. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Themen, die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns als Kirche zukommen?
Bernhard Brand: Zum einen Menschen in die Kirche hineinzuziehen, die der Kirche jetzt noch fern stehen. Und zunächst die halten, die jetzt ja auch schon in die Kirche kommen zu den Gottesdiensten. Aber wir müssen eben auch andere, die der Kirche bisher noch fernstehen, motivieren das Gemeindeleben mitzutragen. Wir müssen ihnen zeigen, wie angenehm es ist, am Gemeindeleben teilzunehmen.

Haben Sie da konkrete Ideen, wie man das machen kann?
Bernhard Brand: Na ja, wir haben vorhin im Forum auch darüber diskutiert, vorhin auch in den Kurzreferaten gehört, was Gemeinden eventuell dafür tun müssten. In Varrel/Stuhr ist es so, dass wieder gut kooperiert wird, dass gemeinsame Projekte durchgeführt werden, zum Beispiel das Konfi-Camp. Das finde ich auch schon fortschrittlich, dass unsere Konfirmanden mit den beiden Pastoren und den Pastoren der Nachbargemeinde gemeinsam für zwölf Tage nach Österreich fahren, obwohl das andere Projekt – also zwei Jahre Konfirmandenunterricht – weiterbestehen muss für die Jugendlichen, die nicht mitfahren können oder möchten.

Es geht bei dem Kongress ja auch darum, die Stimmen aus den Gemeinden einzufangen, die Meinung von verschiedenen Leuten zu hören. Wie fühlen Sie sich repräsentiert, mit Ihrer Meinung, mit Ihren Themen?
Bernhard Brand: Gestern und auch heute in den Foren hatte man schon die Möglichkeit, mit andern zu diskutieren, Ideen auch zu erörtern. Also mir gefällt das gut. Gestern war es schön, mehr zu hören, heute morgen auch – wieder ein Referat und so weiter – aber man konnte nachher ja auch in den kleinen Gruppen vor den Wegweisern, vor den Thesen darüber sprechen, und das fand ich also sehr schön.

Was nehmen Sie von dem Kongress mit nach Hause in Ihre Gemeinde?
Bernhard Brand: Dass unsere evangelische Kirche doch sehr lebendig ist, und dass man das auch erhalten sollte und über neue Ideen, neue Anregungen, die man hier auch bekommt, auch mit den anderen Delegierten aus der Gemeinde weiterhin spricht und eventuell auch Einiges übernehmen könnte.

Ein wichtiger Anfang ist gemacht

Im Gespräch mit Dian Spreng aus Schweiburg

Die Fragen stellte Ingo Dachwitz.

Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will sich mit diesem Kongress auf den Weg in das Jahr 2030 machen. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Themen, die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns als Kirche zukommen?
Dian Spreng: Ich glaube, wirklich wieder populär zu werden unter den Menschen, und dass sie sich geborgen fühlen, dass sie sich angezogen fühlen von der Kirche als Institution, als Auffangbecken, als Geborgenheitspool, von der Liebe.

Haben Sie Vorschläge, wie das funktionieren kann, wie wir da weiter vorankommen können?
Dian Spreng: Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass sich jeder wieder auf sich selbst besinnt, d.h., dass nicht die Kirche als Institution im Vordergrund steht, sondern dass ICH die Kirche bin, dass ICH derjenige bin, der etwas tun kann, und da haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Wie fühlen Sie sich mit den Themen, die Sie beschäftigen und die Sie für die Zukunft sehen auf dem Kongress aufgehoben?
Dian Spreng: Nicht hundertprozentig. Ich glaube, es ist ein wichtiger Anfang, das ja. Aber es ist noch nicht der Ansatz, dass ich sagen kann, ich fühle mich verstanden, ich fühle mich aufgehoben, ich kann meine Stimme erheben, sondern es werden jetzt erstmal Samen gesetzt hier, das finde ich sehr wichtig. Ich finde das sehr gut, dass dann die Stimme eines jeden Einzelnen erhoben werden darf auf dem Weg dorthin ins Jahr 2030, ich glaube, da kann man das hier jedes Jahr veranstalten.

Was nehmen Sie mit von diesem Kongress in Ihre Heimatgemeinde? Was bringt Ihnen der Kongress?
Dian Spreng: Einiges. Der Vormittag ist ja erstmal angefangen, heute Mittag wird dann noch mal Einiges sein. Dass man sich wirklich besinnt auf dieses Miteinander, und dass die Gemeinschaft wieder im Vordergrund steht, und da liegt viel im Argen, gerade in der Vergangenheit.

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