Chronik

1989
Zusammenbruch der UdSSR. Ausreisewillige Deutsche dürfen seither nach Deutschland aussiedeln.

 

1990
Erste Aussiedler kommen in Oldenburger Kirchengemeinden an.

 

1991/92
Es kommt zu ersten sozialen Problemen von Aussiedlern während der Eingewöhnung. Auch gibt es Irritationen der Gemeinden bezüglich der althergebrachten russlanddeutschen Frömmigkeit, die in neu gegründeten Brüderversammlungen in oder neben den Kirchengemeinden ihren vornehmlichen Ort findet.

 

1993
Im „Kriegsfolgebereinigungsgesetz“ wird die Zahl der aufzunehmenden Aussiedler auf 200.000 begrenzt. OKRin Dr. Albrecht beruft die betroffenen Gemeinden zum Austausch und Gesprächen im Oberkirchenrat ein.

 

1994
Aufgrund des massiven Zuzugs ins Oldenburger Münsterland wird für den Kirchenkreis Vechta Pastor Michael Winkel für drei Jahre als Aussiedlerseelsorger berufen, für den Kirchenkreis Cloppenburg dafür auf unbestimmte Zeit Pastor Heinrich Pister, selber Russlanddeutscher, ernannt und für die Koordination der Aussiedlerarbeit der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg Pastor Dr. Ralph Hennings, Gemeindepfarrer in Bösel, beauftragt. Im Oktober konstituiert sich die „Theologische Arbeitsgemeinschaft Russlanddeutsche in der Ev. – luth. Kirche“ (TARDE).

 

1995
Im Kirchenkreis Vechta legt das Diakonische Werk einen „Wegweiser für Spätaussiedler im Landkreis Vechta“ vor. Die Kirchengemeinde Wilhelmshaven-Bant nimmt zum Thema Aussiedlerzuzug mit einem Stand am Markt der Möglichkeiten auf dem Ev. Kirchentag in Hamburg (1997 auch in Leipzig) teil. Erste Materialien zur Konfirmandenarbeit mit Aussiedlern werden für Oldenburg entwickelt und auf der Tagung der „Lager- und Aussiedlerpfarrer“ in Eisenach vorgestellt. Seitdem ist die Oldenburger Kirche ständiges Mitglied der Konferenz für Aussiedlerseelsorge und der Regionalkonferenz-Nord der EKD.
Die „Gifhorner Erklärung“ der in Niedersachsen vom Zuzug besonders betroffenen Landkreise fordert für die Steuerung der Integration neue Verfahrensweisen und bereitet damit das „Wohnortzuweisungsgesetz“ vor.

 

1996
Durch das Inkrafttreten des „Wohnortzuweisungsgesetz“ geht der Zuzug ins Oldenburger Münsterland, Delmenhorst und Wilhelmshaven schlagartig zurück. Allerdings kommen nun vermehrt Aussiedler nach Oldenburg, ins Ammerland, nach Friesland und in die Wesermarsch. R. Hennings, U. Plote und M. Winkel erarbeiten Unterrichtsmaterial für “Tauf- und Konfirmandenunterricht mit Erwachsenen unter der Berücksichtigung der Situation russlanddeutscher Aussiedler“ (2. Aufl. 1997, 3. Aufl. 1998, Vertrieb durch EKD 1999).

 

1997
Der Beauftragte des Rates der EKD für Aussiedler, Präsident i.R. Dr. Karl-Heinz Neukamm, besucht die Oldenburger Kirche und lobt die „vorbildliche Integrationsarbeit“ Das Diakonische Werk Cloppenburg gewinnt im Bundeswettbewerb „Vorbildliche Integration von Spätaussiedlern“ die Goldmedaille. Hingegen scheidet Pastor Winkel in der Aussiedlerarbeit aus und wird Pfarrer in Zetel.

 

1998
Die Synode der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg beschließt im Mai eine Ordnung und Rahmenrichtlinien für Tauf- und Konfirmandenunterricht mit Erwachsenen. Es findet der „1. Oldenburger Brüdertag“ für Gemeindeleiter und Laienprediger in Brüderversammlungen statt.
Außerdem wird auf die Situation der Russlanddeutschen mithilfe verschiedener Ausstellungen und Veranstaltungen aufmerksam gemacht. In der EKD übernimmt OKR Wolfgang Wild die Aufgaben von Pastor Just. Pastor Dr. Hennings wird in den Materialdienst der EKD-Konferenz berufen.

 

1999
Das Diakonische Werk veröffentlicht ein „Leitbild Migrationsarbeit“. Im Sommersemester findet an der Universität ein mit DW und Aussiedlerarbeit aufgestelltes Seminar „Zur relig. und soz. Situation Russlanddeutscher in Oldenburg“ statt. Die Arbeitshilfe „12 Tips zu Beerdigungen von Aussiedlern“ von Pastor Hennings wird von der EKD vertrieben. Die Aussiedlerarbeit initiiert und gestaltet den 2. Oldenburger Brüdertag, Gespräche, Ausstellungen, Vorträge und Aufsätze. Diese Arbeit wird die nächsten Jahre fortgesetzt (z.B. 3. Old. Brüdertag 2000).
Am 24. 6. wird die „Konferenz für Aussiedlerseelsorge in der EKD“ (KASS) gegründet.

 

2000
Bischof Wollenweber (Ev. Kirche der Schlesischen Oberlausitz) wird neuer Beauftragter des Rates der EKD für Spätaussiedler und Heimatvertriebene.

 

2001
Die Vorbereitungen für eine „Bibel für Aussiedler“ beginnen in Zusammenarbeit mit der Dt. Bibelgesellschaft in Stuttgart. Am 01. 09. wird der 1. Oldenburger Aussiedlertag in Wilhelmshaven-Bant mit rund 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefeiert. Pastorin Plote und Kirchenältester Überall aus Bant reisen mit einer hannoverschen Delegation nach Sibirien.

 

2002
Pastorin Plote, KÄ Überall und Pastor Hennings reisen nach Kirgistan und Kasachstan. Daran schließen sich viele Vorträge in Oldenburger Kirchengemeinden an. Vom 12.-14. 09. 02 feiert die KASS 25 Jahre Aussiedlerseelsorge in der EKD in Erfurt.

 

2003
Der 2.Oldenburger Aussiedlertag wird wieder in Bant gefeiert.

 

2004
Pastor Dr. Hennings scheidet als Koordinator der Aussiedlerseelsorge aus. Neuer Aussiedlerbeauftragter der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg wird Pastor Oliver Dürr, Gemeindepfarrer in Molbergen.

 

2005
Der 3. Oldenburger Aussiedlertag findet in Delmenhorst-Deichhorst statt.

 

2006
Pastor Dürr informiert in Vorträgen und Beiträgen über die Religiosität von Russlanddeutschen und über russlanddeutsche Freikirchen. 2006/07 findet ein zweiteiliges Seminar der Aussiedlerarbeit der EKD für Oldenburger und Hannoversche Gemeindekirchenräte statt. Das Seminar leiten Pastor Dürr und Pastor Grimmsmann aus Hannover in Ahlhorn und Stapelfeld.

 

2007
Zusehends bittet die Politik auf allen Ebenen um Beratung in Fragen der Integrationsarbeit. und bei der Erteilung evangelischen Religionsunterrichts. Der 4. Oldenburger Aussiedlertag findet in Molbergen statt. Die Kirchenkreise Vechta und Cloppenburg werden zum Kirchenkreis Oldenburger Münsterland zusammengelegt, weswegen die Aussiedlerarbeit dort strukturell angeglichen werden muss. 2007 ist Kirchenpräsident Klassohn aus der Ev. Kirche Sachsen-Anhalts Nachfolger von Bischof i.R. Wollenweber geworden.

 

2008
Durch die Zusammenlegung der Kirchenkreise Cloppenburg und Vechta zum Kirchenkreis Oldenburger Münsterland hat sich auch der Tätigkeitsbereich von Aussiedlerpastor Pister vergrößert und erstreckt sich nun auf das gesamte Südoldenburg. In Zusammenarbeit mit der Konferenz der Aussiedlerseelsorge (KASS) der EKD standen Themen wie die Erstellung von „Leitpfäden zu Hochzeit, Taufe und Beerdigung“ und Arbeit mit russlanddeutschen Frauen für die Aussiedlerkoordination im Vordergrund. 

 

2009
Am 26. September trafen sich über 260 Brüder und Schwestern aus Versammlungen von 18 Oldenburger Kirchengemeinden in der Klosterkirche zu Vechta zum Glaubenstag der Aussiedlerarbeit. Höhepunkt war die Predigt der neuen Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat eine Studie zum Oldenburger Münsterland: „Land mit Aussicht“ herausgegeben, an der die Aussiedlerseelsorge mitgearbeitet hat. Die Konferenz der Aussiedlerseelsorge (KASS) der EKD feierte in Berlin das 30ste Jubiläum der Aussiedlerseelsorge der EKD mit einem großen Festakt.

 

2010

Höhepunkt war in diesem Jahr die Tagung der Konferenz der Aussiedlerseelsorge im Ev. Blockhaus Ahlhorn. Als Gastgeberkirche hatten wir die Möglichkeit, das Thema „Identität und Integration“ mit gemeindlichen und ökumenischen Erfahrungen vor Ort zu verbinden. So besuchte die Konferenz u.a. die mehrheitlich russlanddeutsche Jugendgruppe der Kirchengemeinde Molbergen, um mit der jüngsten schon hier geborenen Generation über ihre Selbsteinschätzungen zu reden, sodann die Freie Evangeliums Christengemeinde der russlanddeutschen Pfingstler in Molbergen, deren besonderen Einstellungen zum Themenkomplex kennen gelernt werden sollten. Durch einen Besuch der St. Lamberti – Kirche in Oldenburg rundete sich das Thema insofern ab, als dass der Konferenz die starken Unterschiede zwischen lutherischen Stammlanden und Diaspora in Oldenburg vor Augen geführt wurden.

 

2011

Am 17. September wurde der 6. Glaubenstag der Aussiedlerarbeit in Cloppenburg mit Gottesdienst und Brüderversammlung gefeiert. Bischof Janssen predigte dabei erstmalig. Allein in den Glaubenskursen, die Aussiedlerpastor Pister im Kirchenkreis Oldenburger Münsterland 2009-2011 angeboten hat, sind insgesamt 98 Erwachsene getauft, 158 Erwachsene konfirmiert und davon insgesamt 90 Personen in die Kirche aufgenommen worden. Hinzu kommen weitere Glaubenskurse, die in Oldenburger Kirchengemeinden selbständig und von der Aussiedlerarbeit begleitet stattfinden. Ein weiterer Schwerpunkt der Aussiedlerarbeit 2011 war in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Württemberg die Frage nach der Motivation der mittleren Generation in der Gemeindearbeit. 

 

2012
Besonderes Augenmerk lag auf der Erarbeitung eines neuen Papers zur Aussiedlerarbeit in der Oldenburger Kirche. Außerdem stand Schwerpunkt mäßig die Zusammenarbeit mit der Carl-von-Ossietzky- Universität im Bereich Ökumene und mit der Kinderakademie Cloppenburg an.

Paper zur Aussiedlerarbeit

 

2013

Nach wie vor erfreut sich die Aussiedlerarbeit einer hohen Nachfrage an Glaubenskursen, Seelsorge und Vortragsarbeit. Die konzeptionelle Arbeit ist nun im Bildungsaufweis der Oldenburger Kirche nachzulesen. Höhepunkt war der Glaubenstag der Aussiedlerarbeit am 28.09.13 in der Kirchengemeinde Essen i.O. In der EKD endete die Arbeit im November mit der Fachtagung der Konferenz der Aussiedlerseelsorge (KASS) in Berlin. Themen waren „Toleranz und Religionsfreiheit“ anlässlich des Erlasses der Zarin Katharina II. vor 250 Jahre zur Einwanderung der Deutschen nach Russland und das Toleranzedikt von 1773. Dabei wurden auch Stationen der 35jährigen Arbeit der Aussiedlerseelsorge nachgezeichnet und Stärken und Versäumnisse jetziger kirchlicher Beheimatung Russlanddeutscher diskutiert. Unter dem Titel „Lebendige Brücken“ wurde ein Preis für Integration ausgelobt. Zuletzt dankte die KASS ihrem Vorsitzenden Matthes Mustroph aus Westfalen für die fast 20 jährige Leitung

 

2014
Drei besondere Schwerpunkte gab es. Erstens stand die Frage nach der Gedächtniskultur der jüngsten Generation unter den Aussiedlern, die zu großen Teilen als Kinder herübergekommen waren bzw. hier in Deutschland erst geboren wurden, im Fokus des Interesses. Dazu und zu weiteren Fragen der Identitätspflege war Pfr. Dr. Dürr als Fachreferent u.a. in die Ev. - Luth. Landeskirche Sachsens nach Dresden und zur II. Fachwissenschaftlichen Tagung nach Augsburg geladen. Zweitens ist die Nachfrage seitens der KITAs und der Schulen nach Beratung gestiegen. Und nicht zuletzt hat drittens die kritische Lage in der Ost-Ukraine und auf der Krim die Politik in Berlin dazu bewogen, mit der Aussiedlerarbeit der EKD die Frage zu beraten, was dies für die Deutschen in Russland und der Ukraine bedeutet. Nach der 10. Änderung des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) sind zudem Einreiseerleichterungen für Spätaussiedler grundsätzlicher Art ermöglicht worden, was v.a. der Familienzusammenführung dienlich ist. 

 

2015

 

Ein besonderes Ereignis war der 8. Glaubenstag der Aussiedlerarbeit am 26.9.2015 in der Kirchengemeinde Damme mit 130 Schwestern und Brüdern aus den Oldenburger Versammlungen. Gastprediger war der Westfälische Beauftragte und Vorstandsmitglied der Aussiedlerseelsorge in der EKD, Pastor Edgar Born. In der EKD endete die Arbeit im November mit der Fachtagung der Konferenz der Aussiedlerseelsorge (KASS) in Lemgo. Sie würdigte mit einem Besuch das Aussiedlermuseum in Detmold. Hier zeigt sich, dass die traditionelle Gedächtniskultur zur Migrationsgeschichte der Spätaussiedler und Aussiedler einen weiteren wichtigen Ort in Deutschland gefunden hat. Besonderer Dank galt dem Ratsbevollmächtigten der EKD, Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn (Anhalt), der nach sieben Jahren verabschiedet wurde. In den neuen Vorstand wurde auch der Oldenburger Beauftragte Pastor Dr. Oliver Dürr gewählt.

 

 

30 Jahre Aussiedlerseelsorge in Deutschland

Während der Konferenz der Aussiedlerseelsorge der EKD (KASS) gab es am 25. 11. 2009 in Berlin einen großen Festakt zum 30sten Jubiläum der Aussiedlerseelsorge in der EKD. Zahlreiche Reden und Grußworte wurden gesprochen. Dabei unterstrichen alle Gratulanten die Notwendigkeit der Arbeit in Vergangenheit und Gegenwart. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedler und nationale Minderheiten Staatssekretär des Inneren Dr. Christoph Bergner betonte dabei die Zukunftsperspektive der Aussiedlerseelsorge als nachhaltige kirchliche Identitätsstiftung und Garantin weiterer interkultureller Öffnung für die Gesellschaft. 

Höhepunkt war die Verleihung der Preise im Wettbewerb „Kirchliche Beheimatung Ausgesiedelter“. Den ersten Preis in Höhe von 1500 Euro überreichte der Heimatvertriebenen- und Spätaussiedlerbeauftragte des Rates der EKD Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn an die Aussiedlerarbeit des Dekanats Ingolstadt. Der zweite Preis ging an den Integrationsverein Neukirchen im Saarland, zwei dritte Preise an die „Aussiedlerbriefe“ der Diakonie in Lübben im Spreewald und an die Frauenarbeit Mayen in der Eifel.

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