Aus den Kirchenkreisen

Di, 14.01.2020Glück im Unglück

Die Kirchengemeinde Brake hätte im vergangenen Jahr beinahe zwei Kirchen verloren

Pastor Christian Egts vor der Christuskirche in Brake. Sie hat dem Wind standgehalten. Die tragenden Balken sind mittlerweile gesichert.

Schwer in Mitleidenschaft gezogen: Das Dach der Bartholomäuskirche brannte lichterloh, auch Teile des Hochaltars sind zerstört. Derzeit wartet die Kirche aus dem 13. Jahrhundert auf ihre Reparatur. Fotos: Sven Kriszio

Wie ernst es um die alte St.-Bartholomäus-Kirche im Braker Stadtteil Golzwarden stand, kann Pastor Dirk Jährig bis heute kaum fassen. Ein paar Monate ist es her, da stand die Taufkirche von Arp Schnitger lichterloh in Flammen. „Ein schrecklicher Anblick war das. Wäre die Feuerwehr fünf Minuten später eingetroffen, hätte die Kirche nicht mehr gerettet werden können.“ So habe es ihm der Ortsbrandmeister gesagt, erinnert sich Jährig an jenen 4. Juli. „Wir hatten noch Glück im Unglück.“ Die Kirche ist zwar stehen geblieben, aber die Folgen der Brandstiftung werden die Gemeinde noch jahrelang beschäftigen.
   
Ein weiterer Schlag traf die Gemeinde an der Wesermündung ein paar Monate später, diesmal die Christuskirche, die zweite der insgesamt vier Kirchen der Gemeinde. „Ein Statiker entdeckte bei Sanierungsarbeiten, dass die tragenden Holzbalken der Kirche völlig vermodert waren“, erzählt Pastor Christian Egts. „Das war dramatisch. Ein bisschen Wind hätte möglicherweise schon genügt, und die Kirche wäre in Spreizlage geraten und hätte zusammenstürzen können“, so Egts. Feuchtigkeit und ein Pilz waren schuld. Die Kirche, die in ihrer Form an ein Zelt erinnert, ist gerade erst 54 Jahre alt.
   
Ein Krisenstab aus Kirchen­gemeinde, Stadt und Landkreis trat eilig zusammen und evakuierte den Kindergarten, der nur wenige Meter neben der Kirche liegt. Die 125 Kinder wurden Anfang Dezember in der alten Braker Schule einquartiert. Lediglich Pastor Egts, dessen Pastorat in sicherer Entfernung zur Kirche steht, durfte bleiben. Die Kirche wurde zunächst weiträumig mit einem Bauzaun abgesperrt, zeitweise war sogar die Weserstraße, der wichtige Zubringer zum Braker Hafen, gesperrt.
   
Doch dann ging es schnell: Innerhalb von nur einer Woche wurden die acht Fundamente der Holzbalken ausgehoben und mit Beton ummantelt. Stahllaschen sichern jetzt die maroden Bereiche der Holzbalken. Und noch vor Weihnachten konnte die Gemeinde wieder aufatmen. Da war die Standsicherheit des Gotteshauses im Rosenburgring gewährleistet.
   
Gemeinde erlebt viel Hilfsbereitschaft
Das Fest allerdings musste die Gemeinde in der Braker Stadtkirche feiern, wo sie Asyl gefunden hat. Am 6. Januar wurden Kita und Gemeindehaus wieder in Betrieb genommen. Vorher hatte ein Statiker nochmals die Standsicherheit der Kirche geprüft.
   
In Golzwarden werde der Wiederaufbau länger dauern, sagt Pastor Jährig. Das Dach samt Zwischendecke müsse erneuert werden. Auch Teile des Hochaltars und die Sakristei seien durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Statiker prüfe ab Februar, welche der Eichenbalken aus dem 15. Jahrhundert wiederverwendet werden können, die das Dach tragen. „Die sind schwierig zu beschaffen“, so der Pastor. Derzeit erstelle ein Architekt einen Bauplan für die Saalkirche aus dem 13. Jahrhundert. Im Zuge der Reparaturen stehen weitere Baumaßnahmen an: Der Dachreiter muss saniert werden, die Fenster, der Innenputz und der Parkettboden ebenfalls.
   
„Ich habe aufgeatmet, als ich hörte, dass die Bartholomäuskirche über einen Rahmenvertrag versichert ist“, so Jährig weiter. Orgel, Empore und Sitzbänke seien unbeschadet geblieben. Wer hingegen die Kosten für die Sanierung der Christuskirche trägt, ist derzeit noch offen, sagt Pastor Christian Egts. „Ein Versicherungsschaden ist es nicht.“
   
So schwer es die Gemeinde an der Unterweser mit ihren 9.000 Mitgliedern getroffen hat, so positiv ist die Erfahrung der Hilfsbereitschaft: Heiligabend haben die Golzwardener im Feuerwehrhaus gefeiert. „Da ist die Weihnachtsgeschichte für uns konkret geworden“, sagt Pastor Jährig. „Das war eine sehr schöne Erfahrung. Es bringt die Dorfgemeinschaft zusammen.“


Ein Beitrag von Sven Kriszio / Evangelische Zeitung


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