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So, 11.08.2019Bremen erinnert an deutschen Völkermord in Afrika

Bremen (epd). Mit einer Gedenkstunde haben am Sonntag mehr als 200 Menschen in Bremen an die Opfer des Völkermordes durch deutsche Kolonialtruppen zwischen 1904 und 1908 im heutigen Namibia erinnert.

Der Herero-Aktivist Israel Kaunatjike forderte am Mahnmal des Völkermordes im Nelson-Mandela-Park eine offizielle Entschuldigung Deutschlands. Die Bundesregierung müsse endlich den Völkermord anerkennen und Reparationen zahlen. Bis heute litten die Menschen in Namibia unter den Folgen der Kolonialherrschaft. Noch immer seien 60 Prozent des Landes in den Händen der Nachfahren weißer Siedler.

 

Als Auftakt für den Genozid gilt die Schlacht von Ohamakari am 11. August 1904, auch als «Schlacht am Waterberg» bekannt. Aus existenzieller Not heraus erhoben sich im einstigen Deutsch-Südwestafrika von 1904 bis 1908 die Herero gegen die Kolonialmacht. Unter Generalleutnant Lothar von Trotha schlug eine rund 15.000 Soldaten umfassende Streitmacht die Rebellion der Einheimischen militärisch nieder. Bis zu 80.000 Angehörige der Herero, Nama und anderer Ureinwohner starben im Verlauf des Kolonialkrieges, der auch als «erster Völkermord des 20. Jahrhunderts» bezeichnet wird.

 

Kaunatjike forderte weiter, dass die indigenen Völker und die Opferverbände an den Verhandlungen über Entschädigungen beteiligt werden. «Nur wenn wir bei den Gesprächen dabei sind und mitreden dürfen, werden wir die Ergebnisse akzeptieren», sagte er und ergänzte: «Entwicklungshilfe kann Reparationen nicht ersetzen.»

 

Die Grüne Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther rief zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Deutschlands auf. Die wichtigsten Werkzeuge sollten dabei «Dialog und Demut» sein. Virginie Kamche vom Afrika-Netzwerk Bremen fügte mit Blick auf den alltäglichen Rassismus der Gegenwart hinzu: «Wir brauchen in unserer globalisierten Welt eine Erinnerungs-, Vergebungs- und Versöhnungskultur.»

 

In Bremen erinnert ein Mahnmal mit 300 roten Sandsteinen vom Waterberg an das Verbrechen. Der Erinnerungsort entstand in der Nähe des Hauptbahnhofes unmittelbar vor dem backsteinernen Elefanten, der im Juli 1932 als zentrales «Kolonialehrenmal» für das Deutsche Reich eingeweiht wurde. Kurz nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 hatte die Bremische Bürgerschaft den Elefanten zum «Antikolonial-Denkmal» umgewidmet. Zuvor hatte die bremische Landesregierung über Jahre den Kampf der Befreiungsbewegung der SWAPO unterstützt, die heute Regierungspartei in Namibia ist.


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