So, 12.01.2020Bremer Theologe kritisiert Morddrohungen gegen EKD-Ratsvorsitzenden

Bremen (epd). Bremens leitender evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus hat die Morddrohungen gegen den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, scharf kritisiert. «Dass jemand bedroht wird, weil er sich für Nächstenliebe einsetzt, ist unfassbar. Eine Gesellschaft darf das nicht hinnehmen», sagte Kuschnerus am Sonntag in einem Festgottesdienst zum 1.000-jährigen Bestehen der Kirche Unser Lieben Frauen in der Bremer Innenstadt. Die Kirche ist nach dem benachbarten St.-Petri-Dom die älteste Kirche Bremens.

 

Die Morddrohungen gegen Bedford-Strohm seien keine Einzelfälle. «Wir wissen längst, dass hasserfüllte Sprache zu Gewalttaten führen kann», sagte Kuschnerus laut seinem Predigtmanuskript und verwies auf den Anschlag im vergangenen Jahr auf die jüdische Synagoge in Halle. Dem Hass müsse widersprochen werden, «sei es im Internet oder im Supermarkt».

 

Der Theologe warnte in seiner Predigt vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft. «Sie zerfällt in Milieus und Interessengruppen und zerfasert in den Filterblasen und Echokammern sogenannter sozialer Netzwerke.» Die Kirche sei dagegen ein Ort der Begegnung und der Gemeinschaft. Dies zeige sich deutlich am Beispiel der Jubiläumskirche und dem Engagement der Gemeinde für die Ärmsten in der Stadt. Als Citykirche stehe sie an der Seite der Menschen. «Dann ist es egal, ob er oder sie anders gekleidet ist oder anders aussieht als wir, oder ganz anders lebt, oder denkt oder spricht.»

 

Der Sakralbau geht auf eine Holzkirche aus dem Jahr 1020 zurück, die in der Amtszeit von Erzbischof Unwan begründet wurde. Der heutige Steinbau mit der unterirdischen St.-Veits-Kapelle und dem kleineren romanischen Südturm stammt zum Teil aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Bis zum Rathausbau 1410 war die Kirche der Versammlungsraum für Bürgergruppen und Rat. Außerdem wurden hier auch die Armen gespeist. Im Oktober 1944 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Der Wiederaufbau dauerte über zwei Jahrzehnte.

 

Der Festgottesdienst war der Auftakt zu weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Geplant sind unter anderem Konzerte, Kunst, Ausstellungen und Vorträge, aber auch eine Open-Air-Aktion mit Liegestühlen auf dem Liebfrauenkirchhof und einem Erzähltreffen mit Hundertjährigen.


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