Fr, 26.06.2020Corona: Landkreis Oldenburg schließt Putenschlachtbetrieb - Behörden rechnen mit weiteren Krankheitsausbrüchen

Wildeshausen/Kr. Oldenburg (epd). Nach einem Corona-Ausbruch im
Wildeshauser Putenschlachtbetrieb Geestland hat der Landkreis
Oldenburg am Freitag den Betrieb geschlossen. Mit Schichtende am
Freitagabend müsse das Unternehmen zwei Wochen lang ruhen, sagte
Landrat Carsten Harings. Für alle Mitarbeitenden und ihre engsten
Familienangehörigen sei eine zweiwöchige Quarantäne verhängt worden.
Unter 1.183 getesteten Personen seien 46 Personen mit positivem
Befund. Aufgrund der langen Inkubationszeit sei in den kommenden
Tagen mit weiteren Erkrankungen zu rechnen.

 

Landrat Harings betonte: «Das Virus ist im Betrieb.» Um die
Bevölkerung zu schützen, habe es keine Alternative zur
Betriebsschließung gegeben. Der Infektionsschwerpunkt sei in der
Frühschicht lokalisiert worden, doch sei das Virus auch in
zahlreichen anderen Abteilungen festgestellt worden. Die
Kontaktverfolgung habe weitere Querverbindungen auch in benachbarte
Städte und Landkreise ergeben. Ein weiterer Betrieb wäre ein
«unkalkulierbares Risiko» gewesen. Der Ausbruch habe daher eine
Relevanz über den Landkreis Oldenburg hinaus.

 

Der Ärztliche Direktor des Kreisgesundheitsamtes, Leonhard
Hamschmidt, warf dem Unternehmen vor, die angeordneten
Hygienemaßnahmen nicht ausreichend umgesetzt zu haben. «Die
Basismaßnahmen haben nicht gegriffen.» Erschwerend komme hinzu, dass
sich das Virus durch kalte zirkulierende Luft, wie sie in
Schlachthöfen vorherrsche, besonders gut verbreiten könne.

 

Hamschmidt zufolge sind lediglich rund 200 der mehr als 1.100
Beschäftigten direkt bei Geestland angestellt. Die meisten seien
Werkvertragsarbeiter. Auf die Frage, ob die Politik zu lange bei den
Produktions- und Lebensbedingungen weggeschaut habe, reagierte
Landrat Harings ausweichend. Dieses Problem könne nicht von einem
Landkreis allein gelöst werden, sondern müsse auf Landes- und
Bundesebene bearbeitet werden. Sozialdezernent Jürgen Ohlhoff sagte,
in der vergangene Woche seien 70 Unterkünfte der Werkvertragsarbeiter
überprüft worden. Trotz einiger Mängel sei der Eindruck «durchgehend
positiv» gewesen.

 

Ein weiterer Hotspot könnte sich in den kommenden Tagen in einer
Kirchengemeinde im Landkreis entwickeln, sagte Harings. Ein später
positiv getesteter Mitarbeiter habe ohne Wissen von seiner Infektion
an einem Gottesdienst teilgenommen. Von 53 Gläubigen seien bisher
zehn positiv auf Covid-19 getestet worden. Einem Bericht der
Kreiszeitung mit Sitz in Syke (Freitag) zufolge, handelt es sich um
eine Freikirche, das Jesus-Zentrum in Bühren.

 

Die zur PHW-Gruppe gehörende Firma Geestland hat die Schließung
des Betriebs mittlerweile bestätigt. Anfang Juni waren dort bereits
alle Beschäftigten untersucht worden. Damals wurde nur ein
Mitarbeiter positiv getestet.

 

Probleme haben nun auch die Landwirte, deren Puten bei Geestland
geschlachtet werden sollten. Da ständig Nachwuchs heranwächst, wird
der Platz in den Ställen knapp. Das Unternehmen kündigte an,
Sondergenehmigungen zu beantragen, damit andere Schlachthöfe die
Puten verarbeiten können. Schlimmstenfalls müssten die Landwirte die
gesunden Tiere in ihren eigenen Betrieben keulen. Das gelte es zu
vermeiden, hieß es.

 


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