Fr, 04.10.2019Experte: Landwirtschaft muss Klimawandel als Chance verstehen

Oldenburg (epd). Die landwirtschaftlichen Betriebe sollten nach Ansicht des Klimabeauftragten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Ansgar Lasar, den Klimawandel als Chance begreifen. «Landwirte können jedes Jahr von neuem überlegen, welche Früchte sie wo und wann anbauen», sagte er in Oldenburg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): «Bauern haben sich schon immer den verändernden Bedingungen der Witterung angepasst. Es gilt offen zu sein für neue Ideen.»

 

Die langfristigen Klimaprojektionen deuten Lasar zufolge auf längere Vegetationsphasen hin. «Das heißt, dass wir bis zu zwei Ernten pro Jahr auf einem Feld einbringen können.» Nach der Ernte des Wintergetreides könnte eine Zwischenfrucht angebaut und im Frühjahr als Tierfutter geerntet werden. Anschließend könne beispielsweise Mais ausgesät werden, um nach dessen Ernte im Herbst schon wieder die nächste Frucht anzubauen.

 

Wegen der wärmeren Witterung sei es weiter sinnvoll, über den Anbau von wärmeliebenden Kulturen wie etwa Sojabohnen nachzudenken, die als Tierfutter hochbegehrt seien und bisher importiert werden müssten. Denkbar sei auch der Anbau der Süßkartoffel, die in Deutschland immer mehr Liebhaber finde.

 

Echte Probleme seien dagegen bei der Wasserversorgung der Felder zu erwarten, sagte Lasar. «Die Klimaberechnungen sagen über das gesamte Jahr mehr Regen voraus. Aber leider zu viel auf einmal und nicht dort, wo es benötigt wird.» Außerdem sei im Winter mehr Regen als im Sommer zu erwarten, wenn die Pflanzen den größten Wasserbedarf haben. Darum müssten für die heiße Jahreszeit große Wasserreserven angelegt werden.

 

   Gefragt sei ein übergreifendes Wassermanagement, erläuterte der Experte. Überschwemmungsgebiete sollten ausgewiesen werden, in die bei Starkregenfällen das kostbare Süßwasser geleitet und wo auch das überschüssige Regenwasser aus dem Winter aufgefangen werden könne. Dort würde es in das Grundwasser versickern und so im Boden gespeichert bleiben.

 

Das Grundwasser sei - sehr vereinfacht - ein unterirdisches zusammenhängendes Gewässer, verdeutlichte Lasar. Wasser, das an einer Stelle ins Grundwasser versickere, könne in einigen Kilometern Entfernung für die Bewässerung der Felder wieder genutzt werden. Die Eigentümer solcher Überschwemmungsgebiete müssten von der Gesellschaft entschädigt werden.

 

Bislang werde viel Regenwasser über Entwässerungskanäle in die Nordsee geleitet. «Doch jeder Tropfen Süßwasser, der in die salzige Nordsee gelangt, ist für die Landwirtschaft unwiederbringlich verloren», unterstrich Lasar. «Die Landwirte sind in der Lage, mit dem Klimawandel umzugehen und die Erträge zu sichern.» Zwar gebe es manche Herausforderung. «Aber mit der nötigen Unterstützung kriegen wir das hin».


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