Fr, 24.01.2020Experten loben umstrittenes Kirchenprojekt in Oldenburg-Ohmstede

Oldenburg (epd). Der Gottesdienst-Experte Jochen Arnold hat den Vorstoß der evangelischen Kirchengemeinde in Oldenburg-Ohmstede gelobt, neue Wege zu gehen. «Es ist weder in den Bekenntnisschriften noch in der Bibel festgelegt, dass ein Gottesdienst nur am Sonntagvormittag gefeiert werden darf», sagte der Leiter des Evangelischen Zentrums für Gottesdienst und Kirchenmusik im Hildesheimer Michaeliskloster am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

 

Die Gemeinde hatte am Montag angekündigt, sie wolle am Standort Versöhnungskirche auf den traditionellen Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr verzichten und dafür am Abend zu einem Gottesdienst mit Talkrunde einladen. In einigen Zeitungskommentaren wurde das Vorhaben kritisiert.

 

Arnold zufolge könnten mit den veränderten Zeiten und Gottesdienstformen gerade jüngere Zielgruppen angesprochen werden. Er verwies auf die evangelische Erlösergemeinde in Hannover. In der «Gospelkirche» werde bereits seit Jahren am Abend der Gottesdienst gefeiert. «Dort kommen regelmäßig 250 Leute zusammen.»

 

In vielen Gemeinden sei der Termin am Sonntag um 10 Uhr geradezu erstarrt, sagte Arnold. Der Deutsche Evangelische Kirchentag zeige mit vielfältigen Formaten immer wieder, wie es auch anders gehen könnte. «Das Leitmotiv eines Gottesdienstes sollte die Gastfreundschaft Gottes sein, die alle Menschen einschließt.» Der Theologe warnte jedoch vor einer Beliebigkeit: Für einen Gottesdienst blieben Gebet, Lobgesang und die Auslegung der Bibel unverzichtbar.

 

Zustimmung erhält die Gemeinde auch von ihrem Bischof Thomas Adomeit. «In Ohmstede wird nun konkret gehandelt, um Kirche für die veränderten Bedingungen in der Gesellschaft zukunftsfest zu machen.» Viele Ehrenamtliche seien an dem gut vorbereiteten Prozess beteiligt. «Hier ist Kirche in Bewegung. Sie zeigt klare Haltung, hört auf Gottes Wort und ist den Menschen freundlich zugewandt», sagte der Bischof. «All dies hat meine Anerkennung.»

 

Respekt zeigte auch der neue Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Georg Lämmlin. «Das Vielversprechende liegt darin, es auszuprobieren.» Der Wissenschaftler warnte die Kirche davor, nur in Passivität zu verharren und in einen «Rückzugszirkel» zu geraten: «Das wird am Ende dazu führen, dass es einen noch weiteren Abstieg gibt.» Wenn sie sich zu sehr an althergebrachten Ordnungen festklammere, verbaue sich die Institution ihre Zukunftschancen.


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