Do, 21.05.2020Gefängnispastorin: Häftlinge sorgen sich um Angehörige

epd-Gespräch: Jörg Nielsen
     
Oldenburg (epd). Die Corona-Pandemie beschäftigt nach Beobachtungen der Oldenburger Gefängnisseelsorgerin Angelika Menz auch die Inhaftierten in den Justizvollzugsanstalten. «Die Leute sind mit ihren Gedanken bei den Menschen, die ihnen am Herzen liegen. Und trotzdem reagiert die überwiegende Mehrzahl gelassen und besonnen», sagte die evangelische Pastorin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ihren Familien nicht beistehen zu können, belaste die Häftlinge sehr.
   
Erschwerend komme hinzu, dass Besuche von Freunden und Angehörigen in den Gefängnissen bis auf Weiteres wegen der Pandemie verboten sind. Die Isolation von der Welt «draußen» sei für sie ohnehin nur schwer zu ertragen. «Was für Menschen draußen normal ist, etwa mal eben eine Whatsapp zu schicken oder kurz via Handy zu telefonieren, ist im Gefängnis nicht möglich», sagte Menz.
   
Allerdings bemühe sich die Anstaltsleitung, die Inhaftierten möglichst gut zu informieren. In der Oldenburger JVA gebe es mit «Gitternet-TV» einen eigenen Fernsehsender von und für die Gefangenen. Anstaltsleiter Marco Koutsogiannakis habe mit regemäßigen Ansprachen die Situation und die nötigen Einschränkungen erläutert.
   
In Niedersachsen sind nach Angaben des Justizministeriums zurzeit 4.303 Menschen inhaftiert. Damit neue Häftlinge das Coronavirus nicht einschleusen, müssen sie für 14 Tage auf eine gesonderte Aufnahmestation, wo sie nach einigen Tagen auf das Virus getestet werden. Außerdem verfügen die Gefängnisse über eigene Quarantäne-Abteilungen. Derzeit gibt es zwei Corona-Fälle in niedersächsischen Gefängnissen.
   
Um einen Ausgleich für die fehlenden Besuche zu schaffen, dürften die Gefangenen nach vorheriger Anmeldung nun häufiger und früher am Tag mit ihren Familien telefonieren, sagte Menz. Sogar Video-Telefonate mit den Kindern seien möglich.
   
Besonders schlimm sei es für diejenigen, die zum ersten Mal im Gefängnis seien und noch in Untersuchungshaft säßen, erläuterte Menz. Für sie gelte ein eingeschränktes Kontaktverbot nach draußen. Zwar dürften sie Briefe erhalten, doch könne es länger dauern, bis diese bei den Gefangenen ankommen, da die Überwachung dem zuständigem Gericht obliege. Alle Briefe könnten auf ihren Inhalt überprüft werden. «Manchmal muss dann die Seelsorgerin die Mutter eines Gefangenen anrufen und berichten, dass es dem Sohn den Umständen entsprechend gutgeht.»
    
Am vergangenen Sonntag habe sie in der Oldenburger JVA erstmals wieder einen Gottesdienst für die Gefangenen angeboten, sagte Menz. Aufgrund der Corona-Bestimmungen hätten jedoch nicht alle, die es wollten, daran teilnehmen können. «Vier Leute mussten per Losentscheid verzichten, dafür sind sie garantiert in der kommenden Woche dabei.»
   
Weil viele der sonst üblichen Freizeitaktivitäten wegen Corona nicht mehr angeboten werden könnten, seien Gesellschaftsspiele wieder in Mode gekommen, berichtete die Pastorin. Bei den Gefangenen besonderes beliebt seien «Monopoly» - und ausgerechnet «Scotland Yard», bei dem mehrere Detektive einen Verdächtigen quer durch London jagen.

 


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