News Niedersachsen

Mi, 04.09.2019Kirche erinnert an Welt-Suizid-Präventionstag - Experten: Selbsttötungsversuche sind häufig verzweifelte Rufe nach Hilfe

Oldenburg (epd). Die oldenburgische Kirche will mit einem Gottesdienst am 10. September auf den Welt-Suizid-Präventionstag aufmerksam machen. «Wir wollen Angehörigen und Menschen, die darüber nachdenken, sich selbst zu töten, Mut machen, über ihre Gedanken und Probleme zu reden», sagte Pastorin Elke Andrae von der Telefonseelsorge am Mittwoch in Oldenburg. Der Gottesdienst für alle Menschen im Oldenburger Land beginnt in der evangelischen Ansgarikirche in Oldenburg um 18 Uhr. Er steht unter der Überschrift: «Bitte rede mit mir!»

 

Bundesweit nähmen sich jährlich rund 10.000 Menschen das Leben, sagte Andrae. Hinzu kämen etwa 100.000 Suizidversuche. Nur selten komme es völlig unerwartet zu einem Suizid. Meist gebe es eine längere Vorlaufzeit, in der es den Betroffenen sehr schlechtgehe. Oft sei ein Suizidversuch ein verzweifelter Hilfeschrei, der in Familien überhört oder verdrängt werde. Darum solle der Gottesdienst auch dazu ermutigen, bei einem Verdacht gezielt nachzufragen.

 

Selbsttötungsversuche von Männern endeten häufiger tödlich als die von Frauen, sagte der Neurologe und Psychiater der Oldenburger Karl-Jaspers-Klinik, Claus Bajorat: «Männer reden seltener über ihre Gefühle als Frauen, die schneller das Gespräch suchen.» Allerdings versuchten am häufigsten junge Frauen, sich das Leben zu nehmen:

 

Auch Bajorat ermutigte dazu, bei einem Verdacht die Betroffenen direkt anzusprechen. Bei einer Depression könne ein Gespräch den seelischen Druck lindern. Er warnte jedoch davor, sich selbst zu viel aufzuladen. «Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.» Hilfe gebe es bei Beratungsstellen, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder den Gesundheitsämtern. In dringenden Fällen könne auch der Hausarzt hinzugezogen werden. Der könne entscheiden, welche Schritte zunächst sinnvoll sind.

 

Hilfesuchende könnten sich auch an das bundesweite «Bündnis gegen Depression» wenden, das über die Suchmaschinen im Internet schnell zu finden sei, sagte Bajorat. Dort werde auf seriöse Hilfsangebote in den Regionen verwiesen.


Pressestelle

Kann die Pressestelle etwas für Sie tun? Hier finden Sie den Kontakt zu uns.

Newsletteranmeldung

Abonnieren Sie unseren Newsletter.



  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken