Do, 20.02.2020Kirche will Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt verstärken

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche will den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt in ihren Gruppen und Einrichtungen verstärken. Bis 2024 sollten entsprechende Schutzkonzepte erstellt werden, sagte der Vorsitzende des zentralen Landessynodalausschusses, Jörn Surborg, am Freitag in Hannover vor der evangelischen Landessynode. Zugleich sollen alle beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden für den Umgang mit möglichen Fällen fortgebildet werden. «Das ist ein großer und kräftezehrender Schritt, der aber unumgänglich ist, wenn wir die Kultur von Bequemlichkeit oder falsch verstandener Solidarisierung durch eine möglichst flächendeckende Kultur der Achtsamkeit, der Intervention und des konsequenten Opferschutzes ersetzen wollen.»

 

In den evangelischen Kirchen in Niedersachsen sind aus der Zeit von 1945 bis heute insgesamt mehr als 130 Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt. Allein in der hannoverschen Landeskirche sind es 119. Die meisten Fälle ereigneten sich in der Nachkriegszeit in Heimen der Diakonie. Doch auch Pastoren, Diakone, Erzieher und Musiker aus Kirchengemeinden gehörten zu den Tätern. Soweit die Kirchenleitung davon wusste, wurden sie seit dem Jahr 2000 aus dem Dienst entfernt. Surborg sprach von einem «ungeheuren Institutionsversagen», das neben der Kirche auch andere gesellschaftliche Akteure betreffe.

 

Um die Prävention zu stärken, will die Landeskirche unter anderem eine Ansprechstelle personell aufstocken. Dies müsse auch im Haushalt abgesichert werden, betonte der Ausschussvorsitzende. Zudem sollen die landeskirchlichen Grundsätze zum Thema Missbrauch aus dem Jahr 2005 deutlich erweitert werden. Bei der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt will die hannoversche Kirche mit den Landeskirchen Bremen, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie der Evangelisch-reformierten Kirche zusammenarbeiten. Unter anderem ist eine regionale Studie geplant.

 

Fälle von sexuellem Missbrauch unter dem Dach der Kirche und ihrer sozialen Einrichtungen waren vor allem ab 2010 durch den Missbrauchsskandal am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin bekanntgeworden. Im Herbst 2018 hatte auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beschlossen, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sowie die Prävention zu verstärken.


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