Mo, 06.01.2020Ministerpräsident und Bischof rufen zum Einsatz für Demokratie auf - Landesbischof Meister warnt beim Neujahrsempfang in Loccum vor nationalen Alleingängen

Beim 70. Epiphanias-Empfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum haben Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Landesbischof Ralf Meister zu einem klaren Eintreten für die demokratische Gesellschaft aufgerufen.

 

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Bürgerinnen und Bürger zu einem klaren Bekenntnis für eine freie, tolerante und respektvolle Gesellschaft aufgerufen. «Es gibt keine Demokratie ohne Demokraten», sagte er am Montag beim 70. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum bei Nienburg. «Ein lauwarmes Verhalten ist nicht mehr ausreichend, davon bin überzeugt», sagte Weil. Die Demokratie müsse wesentlich konsequenter verteidigt werden als in der Vergangenheit. «Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber Bürgermeistern und Journalisten sowie Angriffe auf Synagogen, Moscheen und ihre Gläubigen sind eben mittlerweile keine seltenen Ausnahmen mehr.»

 

Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte vor rund 130 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, für ein friedliches Zusammenleben würden engagierte und leidenschaftliche Botschafter gebraucht: «Menschen, die mit dem Bösen rechnen und darauf antworten können. Nicht in der Spirale der Gewalt, sondern auf dem Weg des Friedens.» Dies gelte besonders auch im Kleinen für die Nachbarschaft, den Stadtteil und die Dorfgemeinschaft.

 

Außerdem warnte der evangelische Theologe vor einem riskanten Nationalismus. Polarisierungen sowie nationale Alleingänge, die die Wahrheit ignorierten und Fakes zu Fakten erklärten, führten fast zwangsläufig zu tiefen gesellschaftlichen Spaltungen.

 

Meister und Weil würdigten das Engagement der «Fridays for Future»-Bewegung für den Klimaschutz. Meister sagte, die Demonstrationen kämen ihm vor wie «ein weltweiter kollektiver Aufschrei». Die Ungeduld der jungen Generation führe zu Kreativität, Ermutigung und Hoffnung und gleichzeitig zur Ernüchterung und Enttäuschung. «Aber wir gehen zusammen, weil wir die Hoffnung nicht aufgeben und zuversichtlich für eine andere Welt handeln wollen.»

 

Weil sagte, niemand müsse auf die verheerenden Buschbrände in Australien verweisen, um den Klimawandel zu belegen: «Die zerstörten Wälder im Harz und im Solling liegen vor unserer Haustür.» Die Weltgemeinschaft und auch Deutschland hätten beim Klimaschutz bisher zu wenig getan. Wichtig sei jetzt eine Mischung von Einsicht in zwingenden Handlungsbedarf, Rücksicht auf besonders Betroffene und Konsequenz bei Veränderungen. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung halte er für einen guten Anfang, sagte Weil.

 

Niedersachsen wolle vorangehen und dies in den nächsten Monaten durch ein Maßnahmen-Programm konkretisieren, kündigte er an. Das Land werde aller Voraussicht nach das erste Bundesland sein, dass den Klimaschutz ausdrücklich als Staatsziel in seine Verfassung aufnehme. Deutschland werde künftig sehr viel erneuerbare Energien benötigen, damit werde Niedersachsen zum Energieland Nummer eins.


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