Mi, 30.10.2019Niedersachsen will «Werte und Normen» an Grundschulen einführen - Evangelische Kirchen begrüßen die Entscheidung

Hannover (epd). Die rot-schwarze Landesregierung in Niedersachsen will künftig das Fach «Werte und Normen» auch in Grundschulen als ordentliches Unterrichtsfach anbieten. Die Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht solle schrittweise bis zum Schuljahr 2025/26 im Primarbereich eingeführt werden, teilte das Kultusministerium am Mittwoch mit. Die besondere Stellung des grundgesetzlich verankerten Religionsunterricht bleibe davon unberührt, betonte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD). Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen begrüßte die Entscheidung.

 

Sie dürfe jedoch nicht zulasten des Religionsunterrichtes gehen, sagte die für Bildungsfragen zuständige Oberlandeskirchenrätin, Kerstin Gäfgen-Track, dem epd: «Es gibt eben auch Eltern, die sich eine ethische Erziehung ihres Kindes auf nichtreligiöser Grundlage wünschen.» Diese Entwicklung bedeute nicht den Anfang vom Ende des Religionsunterrichts. Es werde im Gegenteil deutlich, dass ethische Bildung für alle Schülerinnen und Schüler unverzichtbar sei.

 

Auch Tonne sagte, dass die religiös-konfessionelle Bindung abnehme und rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler an Grundschulen an keinem Religionsunterricht teilnähmen. Mit dem Fach «Werte und Normen» wolle das Land «Unterricht statt Betreuung anbieten». Das sei auch eine Frage der Gleichbehandlung. An weiterführenden Schulen in Niedersachsen existiert bereits seit 1974 ein Pflichtunterricht für Schülerinnen und Schüler, die nicht den Religionsunterricht besuchten.

 

Gäfgen-Track sagte, es sei wichtig, dass die gleichberechtigte Stellung der Fächer an den Schulen auch deutlich werde. Die Kirchen strebten eine gute Kooperation an. Der Staat müsse auch weiterhin zu seiner Verantwortung für den Religionsunterricht stehen und ihn fördern. Ausbildungskapazitäten, Stunden oder finanzielle Ressourcen für den konfessionellen Religionsunterricht dürften nicht gekürzt werden: «Es ist nicht ins Belieben von Schulleitungen oder Schulvorständen gestellt, ob und in welchem Umfang konfessioneller Religionsunterricht erteilt wird.»

 

Im übrigen wollten die katholischen Bistümer und die evangelischen Kirchen in Niedersachsen den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht, wie er bereits an einigen Schulen erteilt werde, weiter ausbauen, sagte Gäfgen-Track. Das spare Ressourcen in Zeiten großer Vielfalt, in denen Angebote wie Werte und Normen sowie der islamische Religionsunterricht ausgebaut würden.


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