Mo, 11.06.2018Haltlos. Halt! Gehalten.

10. Frauentag blickt auf die „entzündliche Stille“ zwischen Routine und Richtungsänderung

Referentin Tina Willms gab viel Raum für eigene Erfahrungen. © Alle Fotos: Laelia Kaderas

Musikalisch angeleitet und begleitet von der Pop-Kantorin der Oldenburgischen Kirche, Karola Schmelz-Höpfner

Sonja Manderbach (links) inspirierte zu Schnipselpoesie

Klang und Bewegung im Drum Circle

Gelegenheit, sich an Trommeln und Percussionsinstrumente zu wagen

Gedanken zu Pause, Chaos und Ordnung

Reise zu den „Meilensteinen der Gleichberechtigung“

Andrea Gärtig (links), Referentin der Evangelischen Frauenarbeit, leitet zur Selbst-Überprüfung an.

Aus Teamarbeit (hier werden Stichworte in Bezug gebracht zu „Haltepunkt“) wird ein „Tanz des Lebens“

Mit bunten Accessoires macht das Spielen doppelt Spaß.

Mal „Stop“ sagen ...

Haltepunkte. Halt gibt die Erde; sie gründet, sie stabilisiert. Halt gibt der Himmel; er öffnet den Raum der Möglichkeiten. Zum Halten zwingt das Leben manchmal, und Halt! heißt oft auch: Grenzen ziehen. „Haltepunkte“ öffneten am 10. Frauentag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg den Blick in alle Richtungen – vor allem nach innen.

Freies Bewegen
Mit dem „Frauentag“ schaffen jedes zweite Jahr Frauen, die in Kirche und Diakonie in der oldenburgischen Kirche Verantwortung tragen, Freiräume für neue Anstöße in stärkender Gemeinschaft. Einen geschützte Rahmen, um einander zu ermutigen, sich zu erproben, sich uneingeschränkt zu bewegen – spirituell-geistig bis hoch-politisch. „Auch wenn Frauen sich heute nicht mehr so stark an den Defiziten orientieren und sich mittlerweile weniger benachteiligt fühlen, braucht es eigene Räume“, sagt Dr. Andrea Schrimm-Heins, die der veranstaltenden Arbeitsgemeinschaft Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg (AGFA) am längsten angehört und den Vergleich hat. Denn: „Frauen bewegen sich in Frauenbezügen anders als in gemischten Gruppen: offener“.

Impulse für Erfahrungen
Tatsächlich: Mit großer Offenheit folgten die etwa 100 Teilnehmerinnen den aktivierenden Angeboten, den Impulsen der Referentin Tina Willms und der Workshops.

Tina Willms, Autorin für Radioandachten (NDR1) und Publizistin, führte während des Eröffnungsvortrags von einem Haltepunkt zum anderen – und ließ die Zuhörerinnen in sorgsam integrierten „Murmelpausen“ eigene Erfahrungen wachrufen und teilen.

Auch Tina Willms selbst teilte persönliche Erfahrungen mit den Anwesenden: Sie schilderte ihren Burnout, den sie – damals Pastorin in Krankenhaus und Gemeinde – als Verlust der eigenen Identität erfuhr. Was sie für sicher gehalten hatte, bröckelte; nichts gab Orientierung und Halt; „ich hatte keine Kraft, aber viel Zeit“. Dann aber, langsam, bemerkte sie, dass gerade darin ein Geschenk verborgen lag: Sie begann die kleinen Wunder wahrzunehmen, hinter den Horizont zu blicken – und: zu staunen. Sie entdeckte den „eigenen inneren Reichtum“ wieder, von dem sie sich „entfernt“ hatte.

Workshops offenbaren Reichtum
Der 10. Frauentag gab den Frauen reichlich Gelegenheit, diesen eigenen inneren Reichtum wahrzunehmen. Im Workshop „Wenn das Leben Purzelbäume schlägt. Die Pausen zwischen Chaos und Ordnung“, der genau solche Umbrüche zum Thema hatte, offenbarte sich die Krise als „entzündliche Stille“ (Rose Ausländer) mit großem Potenzial.

Ein anderer Workshop beschäftigte sich damit, „in Balance zu kommen“, Körper, Seele und Geist gleichermaßen einzubeziehen und sich immer wieder selbst zu fragen: Wo bin ich im Ungleichgewicht?

Ihren Köper hautnah als Schwingung erfahren konnten die Teilnehmerinnen im „Drum Circle“ (Trommelkreis) der Delmenhorster Popkantorin Karola Schmelz-Höpfner, die selber mit körperlichem Einsatz ins Volle ging. „Erdiger Groove und himmlische Sounds“ hieß ihr Workshop, der die Kraft von Klang und Bewegung spürbar machte.

Ebenso viel Spaß machte es Frauen, bei kleinen Theaterszenen rund um „Halten“ und „Parken“ aus sich herauszukommen. Theaterpädagogin Elisabeth Terhaag nutzte Spiel und Improvisation, um herauszukitzeln, was – oft ungeahnt – in jedem Menschen steckt.

Nach innen und nach außen
Religionspädagogin Kirstin Anders-Pöppelmeier bewegte sich mit einer Gruppe von Frauen „zwischen Ankommen und Weitergehen, zwischen Festhalten und Loslassen“. Eine Phase assoziativen Erschließens mündete in einen meditativen „Tanz des Lebens“.

Auf andere Weite meditativ war ein Spaziergang durch die Stadt. Geführt von Kirsten Ulrich-Welz, Vorsitzende der Pfarrfrauenvertretung, machten Frauen hier und dort eigene Haltestellen aus.

Mit Workshop-Teilnehmerinnen unterwegs waren auch Beate Schulte vom Evangelischen Verband „Kirche Wirtschaft Arbeitswelt“ (KWA) und die Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Rüsch-Tillmanns – nämlich auf einer „Zeitreise zu den Meilensteinen der Gleichberechtigung“. Gesellschaftspolitische Stationen erinnerten an gesetzliche Schranken und an Vorkämpferinnen für die Rechte von Frauen, zu studieren, zu wählen, zu arbeiten, über Einkommen und Vermögen selbst zu verfügen und für gleiche Leistung gleichen Lohn zu erhalten wie Männer. „Gehalt(en) – Warum Frauen Dinge dürfen“ war dieser Workshop betitelt.

Um Intuition und Kreativität ging es im „Frau-, Freu-, Freiraum“ von Kirchenmusikerin und Kulturwissenschaftlerin Sonja Manderbach. Sie inspirierte Frauen, auf ganz eigene Weise mit Wort-Schnipseln umzugehen und die Wortfelder „Haltepunkt“ und „Pause“ schöpferisch zu beleben.

Blick auf die Haltepunkte im Alltag
„Haltepunkte“ bildeten während des 10. Frauentages im Kulturzentrum PFL in Oldenburg auch kurze Übungen, um sich zu erden oder das Herz zu weiten, Gesang und Bewegung, Gebete, Austausch und Pausen. „Haltepunkte“ gibt es überall, zu jeder Zeit – wie für die Gastgeberinnen vom AGFA etwa „eine gute Tasse Kaffee“, „ein Gang durch den Garten“, „Stillwerden, wenn alle schlafen“, „ein Blick in den Himmel“, „Laufen am frühen Sonntagmorgen“. Und hin und wieder: beim Frauentag dabei sein. „Ich bin danach so aufgefüllt“, sagt eine Teilnehmerin aus Delmenhorst, „das hält eine ganze Woche an.“

Ein Beitrag von Laelia Kaderas.


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