Mo, 08.10.2012Liebeserklärung an Gott

Themengottesdienst und Werkschau in der Oldenburger Garnisonkirche

„Frauen reden von Gott“: Die Auseinandersetzung mit Sprache belegten die Beispiele, die im Gottesdienst an einer Wäschespinne angebracht wurden. Fotos: Annnette Denker

Mit einem Gottesdienst unter dem Titel: „Frauen reden von Gott“ ging am 7. Oktober ein zweijähriger Fernkurs Feministische Theologie zu Ende. Zwei Jahre lang haben sich die Teilnehmerinnen mit Theologie und Religion aus Sicht von Frauen auseinandergesetzt.

„Frauen reden von Gott“ lautete der Titel eines Gottesdienstes, mit dem am 7. Oktober ein zweijähriger Fernkurs Feministische Theologie zu Ende ging. In der Oldenburger Garnisonkirche wurden Werkstücke von acht Absolventinnen präsentiert. Auch die Liturgie wurde um Elemente aus Frauensicht erweitert.

 

Zwei Jahre lang hatten sich mehr als 20 Teilnehmerinnen mit Theologie und Religion aus Sicht von Frauen auseinandergesetzt. Ein wichtiges Ziel war es, eine veränderte Sprache zu finden, die das althergebrachte Gottesbild um weibliche Elemente ergänzt. Anschaulich und kreativ umgesetzt wurde dies in Texten und Kunstwerken zum Abschluss des Studiums.

 

„Eine reiche Zeit war es“, so begann Christine Oppermann ihre feierliche Ansprache während des Gottesdienstes. Sie hätten viel diskutiert auf den Treffen, die regelmäßig im Wechsel in Oldenburg und Bremen sowie auch in kleineren Regionalgruppen stattfanden.

 

Mit Gott reden, aber wie ihn anreden, war eine zentrale Frage, während des Kurses. „Gott hat viele Namen“, so das Credo der Teilnehmerinnen. Sich in Gott gespiegelt sehen und ihn auf Augenhöhe zu erleben, war hier ein großes Anliegen der Frauen.

 

„Als Kind habe ich mir Gott als alten Mann vorgestellt“, berichtete Oppermann. Er bzw. sie sei aber für sie mehr als „Herr“ und „Vater“. Gott könne auch als Mutter erfahren werden.

 

Der Prophet Jesaja spricht im 46. Kapitel vom „Mutterschoߓ. „Hüterin des Lebens“ oder auch „Freundin“ hieß es in einem Psalm, den eine Kursteilnehmerin in ihrer Abschlussarbeit vor der Gemeinde vorstellte.

 

In der Werkschau in der Oldenburger Garnisonkirche veranschaulichte eine Wäschespinne den Treffpunkt der Gespräche mit und über Gott und den Alltag, in den sie nun einfließen. Die Teilnehmerinnen hatten an dieser Wäschespinne ihre neuen Namen angebracht. Vom „Wasser“ und vom „unfassbaren und unverfügbaren, aber spürbaren Wind“ war die Rede. Pfarrerin Brigitte Gläser, Leiterin der Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, sprach von „Windhauch“ und nahm damit Bezug auf die Namensbedeutung von Abel. Gott ist „Mitreisende“ auf den neuen Wegen, die sich den Absolventinnen eröffnet haben. Eine Erfahrung, die schon Hagar in der Wüste gemacht hatte.

 

„Die Arbeit an den biblischen Themen habe ich als Befreiung und Freiheit empfunden“, so Mechthild Knipping, die für die Treffen vom Niederrhein anreiste. „Ich wollte wissen, wo ich auf dem Glaubensweg stehe.“ Sie habe viel gelernt und viele für sie unbekannte Geschichten erfahren. Das Übersehen von Frauen habe eine lange Tradition. „Im Kurs war ein Austausch darüber möglich“, berichtete Christa Meyer, die in einem Pastorenhaushalt aufwuchs und sehr lange in der Kirche als Organistin arbeitete.

 

Der Satz „Gott, sie ist wie ein Vater“, hörte sich in diesem atmosphärisch dichten und fast poetischen Gottesdienst wie selbstverständlich an. Er ist aber auch als eine Art Fazit für die mehr als 20 Teilnehmerinnen und ihre zweijährige Auseinandersetzung mit Theologie und Religion aus Sicht von Frauen zu verstehen.

 

Der Fernkurs „Feministische Theologie“ wandte sich speziell an Frauen aus allen, auch nichtakademischen Bereichen. Er war ein Gemeinschaftsprojekt der Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, der Evangelischen Frauenarbeit in Bremen e.V. und des Evangelischen Bildungswerkes Bremen. Biblische Texte und kirchliche Themen wurden auf der Grundlage feministischer Theologie erarbeitet. Das Konzept ist wissenschaftlich fundiert und wurde vom Frauenstudien- und Bildungszentrum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entwickelt.

 

Die Kollekte des Gottesdienstes ist bestimmt für die Vertrauensstelle Benjamin vom Kinderschutz-Zentrum Oldenburg sowie die Anlauf- und Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen Wildwasser Oldenburg e.V.

 

Ein Beitrag von Iris Klimmek.


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