Wissenswertes zur Kirchensteuer

78 Millionen Euro hat die oldenburgische Kirche im Jahr 2017 an Kirchensteuern bekommen. Wie dieser „Kuchen“ verteilt wird, ergibt sich auf Basis des Haushaltsplans, der jedes Jahr von der Synode – dem Kirchenparlament – auf Vorschlag des Oberkirchenrats beschlossen wird. Anhand des Haushaltsplanes legt die Synode fest, wie viel Geld jeweils an die Gemeinden und Kirchenkreise fließen soll. Ein Teil des Betrages ergibt sich anhand der Zahl der Gemeindemitglieder und der Kirchen im Kirchenkreis.

 

Zudem kann die Gemeinde oder der Kirchenkreis aufgabenbezogene Zuweisungen bekommen, beispielsweise für die Kirchenmusik. Stehen größere Projekte an – etwa Bau- oder Renovierungsmaßnahmen – werden auch diese in der Zuweisung berücksichtigt.

 

In welcher Höhe die flexiblen Zuweisungen fließen, legt der Kirchensteuerbeirat fest. Er berät auf der Grundlage von Vorschlägen des Oberkirchenrates, wie die Gelder verteilt werden sollten, ist in seinen Entscheidungen aber völlig unabhängig. Für das Jahr 2019 hat die Synode beispielsweise eine Zuweisung für Investitionen (Baumittel) an die Kirchengemeinden in Höhe von 1,1 Millionen Euro beschlossen.


Von den eingangs erwähnten 78 Millionen Euro Kirchensteuern werden sämtliche kirchliche Aufgaben bezahlt; mehr als die Hälfte des Geldes fließt in die Gemeindearbeit und somit auch in die Bezahlung der Pfarrerinnen und Pfarrer. Aber auch die Unterstützung der Diakonie, die Kindertagesstätten oder die Jugendarbeit werden mit diesem Geld finanziert. Die genaue Aufschlüsselung über die prozentuale Verteilung der Kirchensteuer finden Sie hier.


In Niedersachsen beträgt die Kirchensteuer neun Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer. Das bedeutet etwa für eine Familie mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 4.000 Euro eine Kirchensteuer von 8,20 Euro pro Monat. Dieses Geld lässt sich übrigens im Lohnsteuer-Jahresausgleich des folgenden Jahres steuermindernd geltend machen. Geringverdienende, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Rentnerinnen und Rentner bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze sowie Arbeitslose zahlen nichts.

 

Dass in Deutschland einerseits Kirche und Staat getrennt sind, der Staat gleichzeitig aber die Kirchensteuer einzieht, sorgt immer wieder für Irritationen. Dabei hat dies einen ganz praktischen Hintergrund: Jede Lohn- und Gehaltsveränderung oder familiäre Veränderungen haben Auswirkungen auf die Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer und somit auch auf die Kirchensteuer. Der Staat hat dies alles monatlich aktuell im Blick. Müsste er jede Veränderung erst an die Kirche melden, hätte dies Verzögerungen und hohen bürokratischen Aufwand zur Folge. Diesen „Service“ lässt sich der Staat durchaus etwas kosten: Vier Prozent der Kirchensteuereinnahmen führt die oldenburgische Kirche an den Staat ab.

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