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Mi, 26.12.2012Bischof Manzke ruft Gewerkschaft ver.di zur Mitarbeit auf

epd-Gespräch: Michael Grau

 

Bückeburg (epd). Der evangelische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke aus Bückeburg sieht nach dem Urteil des Erfurter Arbeitsgerichtes gute Chancen, die Tarif- und Arbeitsrechtsregelungen in Diakonie und Kirche weiterzuentwickeln. Das müsse und könne auch in Partnerschaft mit der Gewerkschaft ver.di geschehen. Das Erfurter Urteil verpflichte alle Partner, Kirchen und Gewerkschaften, Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Diakonie und Kirche zur Zusammenarbeit, sagte der Theologe am Mittwoch in Bückeburg im epd-Gespräch.

Insofern sehe er die Notwendigkeit, dass auch ver.di bei der Weiterentwicklung des kirchlichen Arbeitsrechtes aktiv und konstruktiv mitwirkt, sagte Manzke. «Wir müssen jetzt alle über unseren Schatten springen.» Auch Kirche und Diakonie hätten in dem Konflikt Fehler gemacht, die nun ausgeräumt werden müssten.

Die Gewerkschaft hatte den «Dritten Weg» von Kirche und Diakonie, der unter anderem Streik und Aussperrung ausschließt, bisher strikt abgelehnt. «Aber auch diakonische Einrichtungen haben von sich aus bisweilen den Dritten Weg durch ihr Handeln infrage gestellt», sagte Manzke. So seien mancherorts die Mitarbeiter bei Entscheidungen nicht sorgfältig genug beteiligt worden. Und diakonische Einrichtungen hätten zu stark nur die Arbeitgeberseite gesehen.

Manzke hob dennoch die Vorzüge des «Dritten Weges» hervor: «Er ist ein Vorteil für unsere Betriebs- und Unternehmenskultur, denn er verpflichtet uns zu einvernehmlichen Lösungen.» Zugleich führe er zu guten Ergebnissen. Nach dem Sonderweg werden die Entgelte in einer paritätisch besetzten Kommission von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam ausgehandelt.

Das Bundesarbeitsgericht hatte den «Dritten Weg» im Grundsatz bestätigt. Zugleich seien jedoch Streiks nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Gewerkschaften müssen an den Verhandlungen beteiligt werden. «Wir Kirchen sind verpflichtet, uns jetzt mit ver.di zu verständigen», sagte Manzke. Er steht an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, der kleinsten von fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen.


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