5. Tagung der 46. Synode

Synode in Rastede ging zuende          

Mit einem Dank an die 60 Synodalen schloss der Präsident der 46. Synode der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, Heinz Heinsen die fünfte Tagung am Sonnabendmittag. „Es ist ein großes gemeinsames Werk, das wir gemeinsam geschaffen haben“, würdigte der Synodalpräsident die ehrenamtliche Arbeit des Kirchenparlaments.

Bereits zum Auftakt der Synode am Donnerstag konnte Heinsen ein besonderes Publikumsinteresse verzeichnen. Für den Bischofsbericht und die Diskussionen und Beschlüsse um die Sparvorschläge interessierten sich über 50 Besucher. Sie mussten zum Teil auf der Erde sitzen. Einen solchen Zustrom hatte der Präsident in seiner über 20jährigen Synodenzugehörigkeit bisher noch nicht verzeichnet.

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Synode: Segen ja, aber keine Trauung

Mit deutlicher Mehrheit verabschiedete die 46. Synode auf ihrer 5. Tagung Leitlinien zur Geistlichen Begleitung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Danach soll der Segen für Menschen, die in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, unter be-stimmten Voraussetzungen möglich sein. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass das Zusammenleben in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft „als eigenständiger Lebensform“ nur ernst genommen werde, „wenn es sich nicht an anderen Lebensformen misst und von diesen her seine Bedeutung abzuleiten versucht“. Durch den Verzicht auf Ringwechsel und Traufrage soll eine Verwechselbarkeit mit der Trauung ausgeschlossen werden. Die Frage, ob eine gottesdienstliche Begleitung vorgenommen wird, ist in das seelsorgerliche Ermessen und die Verantwortung des einzelnen Pfarrers gelegt. Der Gemeindekirchenrat ist da-bei hinzu zu ziehen. Für gleichgeschlechtlich zusammenlebende Menschen kann eine gottes-dienstliche Begleitung in der Form eines Sondergottesdienstes angeboten werden. Sie stellt keine Amtshandlung dar wie die Trauung.

Damit präzisierte die Synode ihren Beschluss vom November 2003 und setzte damit den Schlusspunkt unter eine intensive und kontroverse Diskussion, deren Fronten quer durch die E-vangelisch-lutherische Kirche in Oldenburg verliefen. Der Beschluss war aus inhaltlichen und rechtlichen Gründen vom Oberkirchenrat beanstandet und in zwei Ausschüssen der Synode neu beraten worden.

Für den Oberkirchenrat begrüßte Bischof Peter Krug die Beschlussfassung, die eine „wesentliche Klärung des Verhältnisses zwischen einer Segnung zweier Menschen und der Trauung“ herbeige-führt habe. Diese Frage kirchlichen Handelns vor allem in die seelsorgerliche Verantwortung zu legen, sei ein gangbarer Weg, der „die evangelische Christenheit in ihrer Befürwortung und ihren Bedenken nicht auseinanderfallen“ lasse. Den Bedenken des Oberkirchenrats sei „in den wesent-lichen Punkten“ abgeholfen. Die Evangelisch-lutherische Kirche in Oldenburg bewege sich damit im Bereich der Evangelisch-lutherischen Kirche im Bereich einer „gemäßigten Linie“.

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Oldenburgische Kirche will Leitlinien für Seniorenarbeit erarbeiten            

„Kirchliche Angebote müssen sich an den tatsächlichen Bedürfnissen älterer Menschen orien-tieren.“ Dies forderte der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der 5. Tagung der 46. Synode am vergangenen Freitag in Rastede. Die Synode beschäftigte sich mit dem Schwerpunktthema „Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft“ und beauftragte den Ausschuss „Diakonie, Gesellschaft, Öffentlich-keit“, bis zum Herbst 2005 Leitlinien für die Seniorenarbeit vorzulegen. Zuvor hatte Oberkir-chenrat Olaf Grobleben deutlich gemacht, dass sich die Phase des Alters in den vergangenen Jahrzehnten bis heute erheblich gewandelt hat. „Alte Menschen haben heute in der Regel eine Menge an Möglichkeiten, Ressourcen und Kompetenzen, die sie aktiv einsetzen wollen“, sag-te der Oberkirchenrat.

Wie Dr. Cornelia Wienken vom Institut für Interdisziplinäre Gerontologie der Hochschule Vechta ausführte, sei das Alter von dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben im Alter von rund 60 Jahren an bis zur „Hochbetagtheit“ etwa ab dem 80. Lebensjahr von ganz unter-schiedlichen Bedürfnissen geprägt. Ältere Menschen seien dabei über lange Jahre keineswegs „die passiven Empfänger von gesellschaftlichen wie privaten Unterstützungsleistungen“ son-dern über Nebenerwerbstätigkeiten, ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten in der nachbe-ruflichen Phase, Hilfen für die Familien der Kinder „aktive Produzenten sozialer Wohlfahrt“. Die Erkenntnis, dass eine nur jugendzentrierte Personalpolitik den Interessen einer sozialver-träglichen Gestaltung der demographischen Entwicklung nicht dient“, setze sich dabei in un-serer Gesellschaft erst allmählich durch.

Als eine „Riesenchance“ für eine Institution, „die Brücken schlagen will zwischen den Gene-rationen“ bezeichnete Diakoniepräsident Gohde diese Situation. Kirche habe hier eine „hohe Kompetenz“, denn sie sei immer für alte und pflegebedürftige Menschen eingetreten, „ohne Kinder und Familien aus dem Blick zu verlieren“, sagte er. Das Leben im Alter sei eingebun-den in die Gemeinschaft der Generationen, stellte der Präsident fest. Künftig werde es darum gehen, „für mehr Generationengerechtigkeit und den Schutz des Lebens einzutreten. Dabei machten längere Arbeitszeiten für Ältere „durchaus Sinn, wenn sie jungen Eltern Zeit zum Leben mit Kindern einräumen, Pflegeurlaube möglich machen und so Lasten gerechter vertei-len, die sonst nur auf den Schultern einer bedrängten Frauengeneration liegen“. Aus Betroffe-nen – die alt werden- müssten Beteiligte werden, die Altern als eine Querschnittsaufgabe kirchlichen Handelns erkennen und zielgerichtet angehen, forderte der Diakoniechef. 

 

 

Synode fordert Konzeption für Sparvorschläge            

Die 46. Synode hat auf ihrer 5. Tagung am Donnerstag in Rastede beschlossen, für die Um-setzung notwendiger Einsparungen eine „Steuerungsgruppe“ aus fünf Synodalen und zwei Oberkirchenräten einzusetzen. Diese neue Gruppe soll bis zur Frühjahrssynode 2005 mit Hilfe von Projektgruppen Konzepte für Sparmaßnahmen in den kirchlichen Arbeitsfeldern vorle-gen. Die Synode folgte dabei einem Beschlussvorschlag des Synodalen Pfarrer Dieter Qual-mann und relativierte damit gleichzeitig den 43seitigen Endbericht, den die 2001 eingesetzte Perspektivgruppe erarbeitet hatte, in weiten Teilen.

In ihrem fünfteiligen Beschluss stimmte die Synode lediglich den „Grundaussagen“ der Per-spektivgruppe zu und sprach sich dafür aus, dass „im Rahmen der notwendigen Einsparungen und Umstrukturierungen der Charakter einer einladenden und vielgestaltigen Volkskirche in allen Handlungsfeldern deutlich“ bleibt. In seinem Beschluss bezeichnete das Kirchenparla-ment gleichzeitig das von der Perspektivgruppe vorgeschlagene Einsparvolumen in Höhe von 12,5 Millionen Euro als „realistisch und verantwortlich“. Im Gegensatz zu den Vorschlägen der Perspektivgruppe, die die einzusparenden Teilsummen für bestimmte kirchliche Arbeits-felder bereits konkret beziffert hatte, forderte die Synode für die Umsetzung der Sparmaß-nahmen jedoch begründete Konzepte, in denen auch die Konsequenzen für die jeweiligen Arbeitsbereiche bedacht würden. Erst danach könne die Synode über die einzusparenden Teil-summen in den Arbeitsfeldern der Kirche entscheiden.

In der mehrstündigen Debatte des ersten Verhandlungstages hatten mehrere Synodale zuvor „Brüche und Widersprüche“ in dem Endbericht der Perspektivgruppe bemängelt und eine breite Diskussion über Prioritäten mit nachvollziehbaren Ergebnissen gefordert. Insbesondere die hier vorgeschlagene Streichung von 40 Pfarrstellen und die verringerten Zahlen bei den Vikarsausbildungen erregten den Widerspruch der Synodalen. Sie äußerten auch Sorge um die öffentliche Akzeptanz von Kirche, wenn gesellschaftlich wichtige und nachgefragte Ar-beitsbereiche wie Familienbildungsstätten, Kindergärten oder das Diakonische Werk von un-verhältnismäßig hohen Kürzungen betroffen seien. Nicht zuletzt war der Vorschlag einer kirchlichen Verwaltungsstrukturreform mit drei Verwaltungsämtern in Kirchenverbänden in der Synode auf wenig Zustimmung gestoßen. In ihrem Beschluss begrüßte die Synode ledig-lich eine Strukturreform der Kirchenverwaltung, ohne sich dabei auf konkrete Vorgaben fest-zulegen. Neu ist, dass die Strukturreform nach dem Willen der Synode bei den „Strukturen der Leitungsorgane, einschließlich des Oberkirchenrats“ einsetzen soll. Gleichzeitig waren sich die Synodalen darin einig, im Rahmen der Beratungen auch zu prüfen, „welche Vor- und Nachteile die Integration in eine andere oder der Zusammenschluss mit einer anderen Lan-deskirche“ hätten.

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Krug warnt vor Rückzug aus der Gesellschaft

„Mehr oder weniger harte Einschnitte“ erwartet Peter Krug mittelfristig für die Evangelisch-lutherische Kirche in Oldenburg. Dies sagte der Bischof in seinem Bericht vor der 46. Syno-de, die am Donnerstag zu ihrer fünften Tagung zusammen kam. Mit Bezug auf den Titel des Endberichts der Perspektivgruppe „Volkskirche bleiben“, in dem Sparmaßnahmen bis 2010 in Höhe von 12, 5 Millionen Euro vorgeschlagen werden, wandte Krug sich gegen den dort ent-stehenden Eindruck, „alles könne und solle beim Alten bleiben“. Denn schon der Begriff „Volkskirche“ müsse mit Blick auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts differenzier-ter betrachtet werden. Bundesweit betrage der Anteil an der deutschen Bevölkerung inzwi-schen 65,7 Prozent. In der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg sinke die Gesamt¬mitgliederzahl von derzeit 473.000 jährlich um etwa 3.000 Männer, Frauen und Kinder. Unter diesen Voraussetzungen könnte und wolle „die evangelische Christenheit Kirche im Volk und als solche auch Kirche für das Volk sein und werden“, so der Bischof.

Bezüglich der anstehenden finanziellen Weichenstellungen bezog Krug klar Position: „Wir dürfen keine Schulden für die laufende Arbeit machen, und wir können es auch nicht wollen, den nächsten Generationen die Arbeit durch Schuldenabbau zu er¬schweren.“ Deshalb müsse bezahlte Arbeit „leider auch in der Kirche“ reduziert werden. Der Bischof ging dabei direkt auf die Sparmaßnahmen ein:„Ich will deutlich sagen, dass ich der von der Perspektivgruppe vorgelegten finanziellen Zielprojektion zustimmen muss, weil ich keine tragfähige Alternative sehe.“ Dabei erwarte er jedoch noch Umschichtungen in der „Feinabstimmung“, sagte Krug vor der Aussprache über die Sparvorschläge der Perspektivgruppe am Donnerstag. Dabei komme es seiner Ansicht nach jedoch entscheidend darauf an, ob die Beschlüsse der Synode „einigermaßen auswogen sind und nachvollziehbar vermittelt“ werden könnten, und zwar „von allen Beteiligten in ihrer jeweiligen Leitungsverantwortung.“

Trotz der Spardebatte müssten Verkündigung und Seelsorge „Schwerpunkte pastoralen Diens-tes“ bleiben, und zwar nicht nur im Krankenhaus oder Gefängnis, sondern in allen Bereichen kirchlicher und ge¬meindlicher Verantwortung. In seinem Bericht warnte Krug davor, im Bil-dungsbereich der Schule, der Jugendarbeit und der Gesellschaft insgesamt den Rückzug
“ anzutreten und „das Feld scheinbar wertneutralen Philosophien, Sekten oder anderen Reli-gionen über¬lassen.“ Kirche werde gesellschaftlich an ihrem diakonisch-sozialen Engagement gemessen, so Krug in seinem Bericht weiter. Daher gehe es auch darum, „bei veränderten Finanzierungsanteilen von Gemeinschaftsaufgaben die geistlich-geistige und diakonisch-soziale Ver¬antwortung zusammenzuhalten.“ Jedoch seien die freiwilligen persönlichen Res-sourcen begrenzt, und das nicht nur weil immer mehr Initiativen vom Spendenmarkt profitie-ren wollten.

Der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg kritisierte in diesem Zusam-menhang auch, dass „Regierung und Opposition sich in den wichtigen Entscheidungen blo-ckieren, die freie Marktwirtschaft wieder enger mit sozialer Verantwortung zu verbinden.“ Solange ohnehin schon sehr reiche Leute vor aller Öffentlichkeit immer reicher würden und möglicherweise der Spitzensteuersatz noch weiter gesenkt werde, sei es der großen Masse der Bevölkerung mit mittlerem oder kleinen Ein¬kommen weder sachlich noch psychologisch zu-zumuten, die notwen¬digen Einschnitte in unserem Sozialsystem klaglos hinzunehmen oder gar mit weitsichtiger Vernunft zu bejahen.

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