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Mit einer ökumenischen Festveranstaltung mit Podium und Andacht haben die christlichen Kirchen im Oldenburger Land den diesjährigen Reformationstag am Dienstag, 31. Oktober, in der Martin-Luther-Kirche in Nordenham gefeiert. Er freue sich, so der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit in seiner Begrüßung, dass der Reformationstag im Oldenburger Land seit 2018 zum sechsten Mal ökumenisch begangen werde. Dies empfinde er als „zukunftsweisend“.

 

Weihbischof Wilfried Theising, Bischöflicher Offizial für die katholische Kirche im Oldenburger Land, mahnte in seiner Predigt in der Martin-Luther-Kirche aktive christliche Nächstenliebe an. Wer Jesus Christus nachfolge, könne an der Not der Menschen von heute nicht achtlos vorübergehen. „Jesus Christus hat sich immer von der Not der Menschen berühren lassen und geholfen. Das ist unser Vermächtnis und unser Auftrag jeden Tag.“ Theising erinnerte auch daran, dass das 1966 begründete Oldenburger Ökumenische Gespräch der älteste ökumenische Arbeitskreis auf Kirchenleitungsebene in der Bundesrepublik sei.

 

Bischof Adomeit betonte, die Reformation habe die Menschen und die Welt verändert. Noch heute verändere die Reformation die Gemeinden und die Kirchen, deshalb stehe die Feier des Reformationstages der evangelischen Kirchen in Niedersachsen seit 2018 unter dem gemeinsamen Motto: „Reformation neu feiern“. „Auf dem Weg der EINEN Kirche Jesu Christi, war die Reformation ein großer Stolperstein. Brachte sie doch das Gefüge des 16. Jahrhunderts durcheinander“, so Adomeit. Heute könnten Schwestern und Brüder evangelischer, freikirchlich-baptistischer, katholischer und neuapostolischer Prägung miteinander den Reformationstag im Oldenburger Land bedenken – „und im Rückblick können wir vermutlich und hoffentlich davon sprechen, dass die Reformation nicht nur Stolperstein, sondern auch Meilenstein war.“

 

Mit dem Erbe der Reformation stünden die christlichen Kirchen zusammen: „Wir feiern unsere Rechte und Werte. Wir bedenken, wo sie in Gefahr sind. Wir ermutigen uns, für Freiheit, Menschenwürde und Toleranz einzutreten. Und dazu: Die Neue Reformation ist geprägt vom Willen, dass die Menschen auch in Zukunft Gottes Wort hören und bewahren. Vom Öffnen der Hoffnungsräume für uns Menschen.“

 

Die Festveranstaltung in Nordenham stand unter dem Motto „Mit Mut und offenen Augen!“. Angesichts der massiv zunehmenden Verunsicherung durch Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Energiekrise, die Auseinandersetzungen um die richtige Geschwindigkeit beim Einsatz gegen den Klimawandel, die enormen Preissteigerungen und die brutalen Angriffe radikalislamischer Terroristen in Israel standen in Nordenham ermutigende Momente, Entwicklungen und Projekte aus der Region im Mittelpunkt.

 

Podiumsgespräch zu sozialen Brennpunkten in Nordenham

In einem von dem Journalisten Norbert Hartfil moderierten Podiumsgespräch ging es um soziale Brennpunkte in Nordenham und Möglichkeiten, Unterstützung zu leisten. So kamen kreative Initiativen und Projekte in der Wesermarsch zu Wort, die sich mutig dem vermeintlichen Negativtrend entgegenstellen. Eine Einführung in das Thema gaben Pfarrerin Heike Boelmann-Derra von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Nordenham und Matthias Bühnemann, Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirche in Nordenham. Boelmann-Derra betonte, dass es einen frischen Wund brauche, dass Menschen mutig die bestehenden Probleme in den Blick nähmen. Bühnemann sagte, dass Mut und offene Augen nötig seien, anderen Menschen zu helfen oder auch selbst Hilfe anzunehmen.

 

Susanne Freels stellte auf dem Podium die Arbeit des Frauen- und Kinderschutzhauses für die Landkreise Wesermarsch und Ammerland vor. Das Frauen- und Kinderschutzhaus bietet laut Freels Platz für insgesamt zwölf Frauen und bis zu 21 Kinder. Es sei wichtig, so Freels, „in der heutigen Zeit mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und nicht wegsehen. Mut zu haben, Menschen, den es aus unterschiedlichen Gründen nicht gut geht, Hilfe und Schutz anzubieten.“ 

 

Kirsten Malle von der Hospizhilfe Nordenham und umzu e.V. betonte, „Sterbebegleitung heißt Lebensbegleitung.“ Wer sich mit dem Sterben beschäftige, beschäftige sich auch mit dem Leben. „Mutig hinschauen, da sein, da bleiben, miteinander aushalten mit dem Ziel eines würdevollen Lebens bis zuletzt, das geht nur zusammen“, so Malle. Die Hospizhilfe Nordenham feiere in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen und sie fuße auf dem Respekt vor der Würde und Selbstbestimmung des schwer kranken und sterbenden Menschen. Sie nehme sein Anliegen ernst und behalte eine ganzheitliche Sicht im Sterbeprozess bei. „Wir lassen nicht allein, wir sind da. Dies bezieht sich auch auf die Zugehörigen und auf Trauernde“, sagte Malle. Hierzu gehöre, wertfrei auf Sterbende und ihre Zugehörigen zuzugehen und den ganzen Menschen wahr- und anzunehmen.

 

Pfarrer Karl Jasbinschek von der kath. Kirchengemeinde St. Willehad in Nordenham berichtete von der Mut machenden Arbeit der Nordenhamer Tafel. Die Tafel Nordenham sei 2003 gegründet worden und habe vier Ausgabestellen: Brake, Burhave, Rodenkirchen und Nordenham und versorge mittlerweile 850 Haushalte. Die Tafel erhalte auch große Unterstützung aus der Bevölkerung. So finde die Idee großen Anklang, statt persönlicher Geschenke zu Geburtstagen, Jubiläen, besonderen Anlässen, aber auch Beerdigungen die Tafel mit einer Spende zu bedenken. Herausforderungen seien jedoch geringere Lebensmittelspenden von Geschäften und Supermärkten, die ihre Warenbestellungen im sorgfältiger planen würden, und die große Anzahl Geflüchteter aus der Ukraine, so Jasbinschek.

 

Franz-Josef Franke, Referent bei der Diakonie im Oldenburger Land, stellte die Schuldnerberatung des Kreisdiakonischen Werkes in der Wesermarsch vor. Es sei deutlich wahrzunehmen, dass bedingt durch den massiven Anstieg der Lebenskosten in den letzten Jahren auch die Zahl der Menschen, die in Not gerieten, deutlich zugenommen habe. Insbesondere die Zahl der Beratungen zur Haushaltzahlung sei deutlich angestiegen. Es brauche oft großen Mut, dass Menschen sich trauten, um Hilfe zu fragen.

 

An der ökumenischen Andacht mit Bischof Thomas Adomeit und Weihbischof Wilfried Theising im Anschluss an das Podiumsgespräch wirkten auch Vertreter und Vertreterinnen der baptistischen, der evangelisch-lutherischen, der katholischen und der neuapostolischen Gemeinden mit. Die musikalische Gestaltung der Andacht übernahmen Svetlana Weiß, Orgel und Chorleiterin des Chores „Magnificat“, und der Posaunenchor unter Leitung von Deerk Lübken.

 

Weitere Informationen zum Reformationstag 2023 finden Sie unter: https://www.reformation-neu-feiern.de/  

 

 

Ökumenischen Festveranstaltung zum diesjährigen Reformationstag in der Martin-Luther-Kirche in Nordenham. Foto: ELKiO/D.-M. Grötzsch
Ökumenischen Festveranstaltung zum diesjährigen Reformationstag in der Martin-Luther-Kirche in Nordenham. Alle Fotos: ELKiO/D.-M. Grötzsch
Bischof Thomas Adomeit bezeichnete es als „zukunftsweisend“, dass der Reformationstag im Oldenburger Land seit 2018 zum sechsten Mal ökumenisch begangen wurde.
Weihbischof Wilfried Theising mahnte in seiner Predigt aktive christliche Nächstenliebe an.
Pfarrerin Heike Boelmann-Derra von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Nordenham und Matthias Bühnemann, Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirche in Nordenham, führten in das Thema der Festveranstaltung „Mit Mut und offenen Augen!“ ein.
Susanne Freels, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses für die Landkreise Wesermarsch und Ammerland
Kirsten Malle, Vorsitzende der Hospizhilfe Nordenham und umzu e.V.
Pfarrer Karl Jasbinschek, Vorsitzender der Nordenhamer Tafel
Franz-Josef Franke, Referent bei der Diakonie im Oldenburger Land