Aus den Kirchenkreisen

Di, 04.08.2020Ökumenische Sommerkirche Horumersiel-Schillig gestartet

Erster kultureller Abend nach Corona-bedingtem Lock-Down

Wunderbare Mimik: Sibylle Hellmann präsentierte Lyrik von Mascha Kaléko, gesprochen und gesungen. Alle Fotos: ELKiO/Annette Kellin

Im Dialog dazu: Thomas Denker mit Akkordeon und Gesang.

Nach dem wochenlangen Corona-bedingten Lock-Down ist nun die ökumenische Sommerkirche Horumersiel-Schillig / Landkreis Friesland mit kulturellen Angeboten angelaufen. Es ging beim ersten Abend um die Spielarten der Liebe, romantisch und zärtlich, sehnsuchtsvoll, melancholisch und träumerisch, zweifelnd, drängend und fragend. Sibylle Hellmann, Schauspielerin an der Landesbühne in Wilhelmshaven, und der Musiker Thomas Denker präsentierten einen Abend mit Gedichten von Mascha Kaléko und jiddischen Liedern. Eingeladen hatten Pastorin Sabine Kullik (evangelisch-lutherisch) und Pfarrer Lars-Jörg Bratke (römisch-katholisch) im Rahmen der ökumenischen Sommerkirche Horumersiel-Schillig / Landkreis Friesland. 

 

Man habe in den vergangenen Wochen regelrecht gehungert nach den kulturellen Veranstaltungen, die Corona-bedingt hatten ganz ausfallen müssen, sagte Kullik bei ihrer Begrüßung. Das passte es auf den Punkt, dass sie mit „Grundlos vergnügt“ gleich ein Kaléko-Gedicht präsentierte, das sich dem täglichen Einerlei widmet und der daraus gewonnen Freude – wenn denn die persönliche Einstellung entsprechend ist.    

 

Obwohl Mascha Keléko zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gehört, ist sie wohl den wenigsten bekannt. Geboren 1907 im österreich-ungarischen Galizien mit jüdisch-russischen Wurzeln, war ihr von Anfang an ein Emigranten-Dasein bestimmt, so berichtete es Hellmann. Als Kind und Jugendliche erlebte sie gleichwohl glückliche Jahre in Berlin, wurde von Hermann Hesse als „Dichterin der Großstadt“ bezeichnet und schuf eine Unmenge von Gedichten: „Lyrik aus dem Alltag und für den Alltag“. Kaléko kam Ende der 1920er Jahre mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt, unter anderem mit Elke-Lasker-Schüler und mit Joachim Ringelnatz, dessen Einfluss in ihren Gedichten deutlich zu spüren ist. 

 

Hellmann und Denker stellten unter dem Titel „Zur Heimat erkor ich mir die Liebe“ speziell die Liebelyrik Kalékos vor. Verse, die frisch und fröhlich, manchmal frivol, blumig und mit leicht satirischem Blick dieses seltsame Gefühl beschreiben: „Gestern warst du mir ein Irgendwer / Gestern morgen noch. Das waren Zeiten...! / Heute sind ohne dich Musik und Meer,/ Wein und Landschaft Überflüssigkeiten. //Lohnt sich das, nichts andres mehr zu denken? / Frühstück, Mittag, Abendessen: Du. / Schwindel ist's, dass wir das Herz verschenken. / Uns verschenkt es. Und wir sehen zu.“, heißt es da zum Bespiel in der „Reisebekanntschaft“. 

 

Und wenn Sibylle Hellmann mit ihrer ausdrucksstraken Mimik und Gestik „Mir ist so cognacfroh zumut, schon tanzen Tisch und Schränke“, zu rezitieren beginnt, spätestens dann geht ein dickes Schmunzeln durch den Raum – auch wenn die Stühle Corona-bedingt in weitem Abstand aufgestellt waren. 

 

Mit Thomas Denker und seinem Akkordeon entstand ein wunderbarer Dialog über die Verrücktheiten der Liebe und all ihrer Spielarten bis hin zur würdevollen Trennung, mal als instrumentale Untermalung, mal als Lieder in jiddischer Mundart. 

 

Ein Beitrag von Annette Kellin
 


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