Verfehlt die Kirche ihren Auftrag, wenn sie gegen rechtsgerichtete Bewegungen Stellung bezieht? Dieser Vorwurf greife zu kurz, sagt der Landesbischof von Schaumburg-Lippe. Er warnt zudem vor einer erstarkenden christlichen Rechten.
Stadthagen (epd). Der schaumburg-lippische Landesbischof Oliver Schuegraf hat die scharfe Abgrenzung der evangelischen Kirche nach rechts verteidigt. Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien seien für Christen nicht wählbar - diese Überzeugung sei «kein politisches Statement, sondern eine theologische Notwendigkeit», sagte er am Sonnabend in Heuerßen bei Stadthagen vor der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe.
Der Vorwurf, die Kirche solle sich auf die Verkündigung ihrer Botschaft konzentrieren statt auf Politik, greife zu kurz, sagte Schuegraf laut Redemanuskript in seinem Bischofsbericht. Wer Ausgrenzung, Hass oder Antisemitismus propagiere, die freiheitlich-liberale Demokratie diffamiere oder Pluralismus als Bedrohung darstelle, stelle sich außerhalb der christlichen Tradition. Im Sinne des Gebots der Nächstenliebe müsse die Kirche Position beziehen. «Parteipolitische Neutralität heißt also mitnichten Wertneutralität.»
Der Bischof warnte zugleich vor einer erstarkenden christlichen Rechten, für die das Christentum oft nur als «Deckmantel» und «Identitätsmarker» funktioniere. Ihren Vertretern gehe es weniger um Glaubensfragen als um Politik, sondern eher «um den Versuch, christliche Werte für die eigenen Zwecke und eine ethnokulturell-homogene Demokratie umzudeuten».
Die Demokratie sei «weder heilig noch unantastbar», zitierte der Theologe aus einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme der lutherischen Kirchen zur Demokratie. «Aber sie ist diejenige politische Ordnung, die der christlichen Sicht vom Menschen in besonderer Weise entspricht.»
Zur schaumburg-lippischen Landeskirche an der Grenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehören 22 Gemeinden im nördlichen Landkreis Schaumburg. Mit rund 41.000 Mitgliedern ist sie die zweitkleinste der 20 Gliedkirchen Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).