Taufpate oder Taufpatin zu sein, ist eine oft unterschätzte Aufgabe in der evangelischen oder katholischen Kirche. Dabei spielen sie im Leben der Familien häufig eine wichtige Rolle und haben eine prägende Beziehung zu den Kindern.
Hannover (epd). Jedes Jahr werden in Deutschland zahlreiche Kinder und auch Erwachsene getauft und dabei von Patinnen und Paten begleitet. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nennt nach ihren jüngsten Zahlen für das Jahr 2023 rund 136.000 Taufen, die katholische Deutsche Bischofskonferenz für 2024 rund 116.000. Entsprechend haben über die Jahre gerechnet trotz sinkender Taufzahlen Millionen Menschen in Deutschland schon einmal ein Patenamt übernommen. Der Evangelische Pressedienst (epd) erläutert, was es mit dieser besonderen Aufgabe auf sich hat.
Was ist überhaupt ein Pate?
Ein Pate oder eine Patin ist jemand, der dem getauften Kind im Kinder- und Jugendalter besonders zur Seite steht und es in der christlichen Erziehung begleitet, erläutert die evangelische Pastorin Claudia Maier von der Segensagentur «Sozusegen» in Hannover. Meist hat ein Kind zwei Paten, die der Familie nahestehen. Bei der Tauffeier wird das Patenamt besonders sichtbar, weil einer der Paten in der Regel den Täufling über den Taufstein hält, während dieser symbolisch mit Wasser besprengt wird. Paten können sich beim Taufritus auch sonst auf vielfältige Weise einbringen: Sie können eine Lesung übernehmen, ein Musikstück beitragen, die Taufkerze gestalten oder das Taufwasser eingießen.
Wer entscheidet, wer Pate wird?
Bei Babys, die getauft werden, entscheiden die Eltern, wer Pate oder Patin wird, sagt Pastorin Maier: «Oft wählen sie jemanden, von dem sie sich wünschen, dass er oder sie mit auf das Kind Acht gibt, ansprechbar ist, wenn es Sorgen hat und die Eltern mal nicht die richtigen sind.» Ältere Kinder können selbst mitentscheiden, wer Pate werden könnte. Jeder Pate bekommt vom Pastor oder der Pastorin einen Patenschein ausgestellt.
Wer kann Pate werden?
In der evangelischen Kirche können alle Menschen Pate werden, die Mitglied in einer Kirche sind, die zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gehört. Es ist also auch bei einer evangelischen Taufe möglich, dass Paten katholisch oder orthodox sind oder einer Freikirche angehören. Eine besondere Rolle erhalten die Paten, wenn beide Elternteile nicht zur Kirche gehören. Dann kommt auf sie die Aufgabe zu, das Kind auf seinem Glaubensweg zu begleiten. In der katholischen Kirche müssen die Paten mindestens 16 Jahre alt, katholisch getauft und gefirmt sein sowie die Erstkommunion empfangen haben.
Wie können Paten an der christlichen Erziehung mitwirken?
Sie können etwa mit kleinen Kindern in der Kinderbibel lesen, ihnen Geschichten erzählen oder einen Familiengottesdienst besuchen, empfiehlt Pastorin Kristin Köhler, die ebenfalls für die Segensagentur tätig ist. Bei älteren Kindern sind sie Gesprächspartner und Ratgeber in Glaubens- und Lebensfragen. Das Patenamt begründet aber keine Betreuungspflichten - auch nicht, wenn beide Elternteile sterben. Alles geschieht freiwillig.
Kann ich auch Pate werden, wenn ich nicht in der Kirche bin?
Nein. Weil Patinnen und Paten eine Urkunde bekommen und ins Kirchenbuch eingetragen werden, müssen sie einer Kirche angehören. Oft gibt es in Familien Menschen, die diese Anforderung nicht erfüllen, weil sie ausgetreten sind, aber trotzdem eine wichtige Rolle für die Kinder haben. «Dann können die Familien überlegen, wie diese Personen auch ohne offizielles Patenamt eingebunden werden können», rät Kristin Köhler. Sie könnten dann etwa im Taufgottesdienst den Taufspruch sprechen oder die Kerze anzünden. Oder die Familie überreicht der Person während der Feier symbolisch einen Brief, den sie zuvor geschrieben hat.
Muss ein neuer Pate benannt werden, wenn der bisherige aus der Kirche austritt?
Nein, kirchenrechtlich ist es nicht möglich, Paten zu streichen oder neue zu benennen. Die Urkunde und der Eintrag im Kirchenbuch können nicht mehr nachträglich verändert werden. Sie dokumentieren die Ereignisse zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Was macht einen guten Paten oder eine gute Patin aus?
Ein gutes Patenamt zeichnet sich dadurch aus, dass die Paten Interesse und Neugier an dem Kind haben, das ihnen anvertraut wird, sagt Pastorin Maier. Es ist hilfreich, wenn die Paten dies mit den Eltern besprechen, damit keine falschen Erwartungen entstehen. Im Grund gehe es darum, für alle Fragen, Sorgen und Wünschen der Kinder und Jugendlichen ein offenes Ohr zu haben: «Manche wünschen sich vielleicht einen Ausflug ins Stadion, und andere fragen ihre Paten, ob sie wissen, wo Gott wohnt.»
Muss ich als Pate teure Geschenke machen?
Nein, da gibt es keine Vorgaben. Auch hier gilt: Es ist gut, wenn Erwartungen zwischen Paten und Eltern angesprochen werden.
Wann endet das Patenamt?
Das Patenamt endet aus evangelischer Sicht mit der Konfirmation. «Dann sind die Jugendlichen selbst religionsmündig und brauchen die Paten kirchenrechtlich nicht mehr», sagt Pastorin Köhler. Berührend könne es sein, wenn dieser Abschluss noch einmal sichtbar wird, etwa indem die Jugendlichen ihren Paten im Konfirmationsgottesdienst eine Blume überreichen. Für viele bleibt die Beziehung zu ihrem Patenonkel oder ihrer Patentante aber lebenslang eine besondere Beziehung - so ist es auch in der katholischen Kirche gedacht.