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Wilhelmshaven (epd). Durch die Nase bis tief in den Rachen hinein schiebt Kerstin Fürst dem Oldenburger Bischof Thomas Adomeit das Teststäbchen, um es dort vorsichtig zu drehen. «Das treibt einem Mann schon Tränen in den Augen», gesteht der Bischof. Die mit einem Vollschutzanzug, FFP2-Maske und Visier gesicherte Testerin nimmt es gelassen. Denn wer einen Antigen-Schnelltest machen lässt, darf nicht zimperlich sein. Eine knappe Viertelstunde später vibriert der SMS-Alarm auf dem Handy des Bischofs mit dem Testergebnis. Sein Kommentar: «Der Bischof ist negativ.»

 

Kerstin Fürst gehört zu den mehr als 90 geschulten Ehrenamtlichen, die in einem Wilhelmshavener Sportlerheim freiwillig für ein Schnelltestzentrum arbeiten. Wenn sie nicht gerade Testwilligen ein Wattestäbchen durch die Nase führt, leitet sie einen evangelischen Kindergarten. Dieses Zusammentreffen ist kein Zufall: Das Zentrum wird getragen von der evangelischen Christus- und Garnison-Kirchengemeinde und der Evangelischen Familienbildungsstätte in Wilhelmshaven. Eine solche Trägerschaft ist zumindest in Niedersachsen einmalig.

 

Dass nun auch die Kirche Menschen auf Coronaviren testet, ist für Bischof Adomeit nur konsequent. «Kirche ist eine Ansammlung von Menschen. Wir haben den Auftrag, Menschen zusammenzubringen und Begegnungen zu ermöglichen.» Wer in dem Zentrum negativ gestestet wird, erhält mit der Nachricht auf dem Handy auch einen QR-Code zum Ausdrucken. Damit können die Menschen drei Tage lang ihre Angehörigen in Altenheimen und Krankenhäusern besuchen. «Von daher ist dieses Zentrum kein Ersatz für kirchliches Handeln, sondern seine Grundlage», betont Adomeit.

 

Bis zu sechs Menschen können binnen fünf Minuten getestet werden, erläutert der Chef der Familienbildungsstätte, Rüdiger Schaarschmidt. Das sei auch deshalb möglich, weil sich so viele Menschen in dem Zentrum engagierten: «Wir haben alles dabei. Junge und alte Menschen, Pastorinnen und Pastoren, Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und viele mehr.»

 

Getestet wird nur nach Anmeldung über das Internet unter www.whvtestet.de. Doch damit auch Senioren ohne Handy und Internet die Testmöglichkeiten nutzen kann, hilft die Familienbildungsstätte als Servicezentrum am Telefon aus, sagt Schaarschmidt.

 

Das Zentrum hat vor gut zwei Wochen seine Arbeit aufgenommen und seitdem rund 1.000 Menschen getestet, berichtet Pastor Bernhard Busemann. Nur etwa ein Dutzend Mal sei der Test bisher positiv ausgefallen. In solchen Fällen wird das Gesundheitsamt verständigt, und die Gesteteten werden aufgefordert, mit dem Amt Kontakt aufzunehmen.

 

Der Test kostet nur fünf Euro. «Uns ist es wichtig, dass sich wirklich jeder und jede den Test leisten kann», sagt Busemann. Der komplette Test koste zwar tatsächlich 12,50 Euro, doch die Differenz könne durch Spenden gedeckt werden.

 

Die Kundschaft ist vielfältig, weiß Busemann. «Mal kommt die gesamte Belegschaft eines Kindergartens, mal kommen die Beschäftigten aus einem Autohaus.» Vor ein paar Tagen seien zwei Freundinnen erschienen - beide deutlich älter als 80 Jahre. «Die haben erzählt, dass sie sich nun gemeinsam testen lassen wollen, weil sie sich ein ganzes Jahr lang nicht mehr umarmt haben.» Beide Tests seien negativ ausgefallen. Der Umarmung stand nichts mehr im Weg.

 

Getestet wird montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, zusätzlich montags bis mittwochs von 7 bis 9 Uhr. Die größte Nachfrage gebe es am Freitag, weil viele Menschen ihre älteren und gefährdeten Angehörigen am Wochenende besuchen wollen. So auch die 21-jährige Emma Wickel, die mit dem Handy in der Hand auf ihr Testergebnis wartet. «Ich arbeite im Krankenhaus und will meine Oma und meinen Opa besuchen. Und dabei will ich kein Risiko eingehen.»