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Urlaub allein ist noch keine Garantie für Erholung. Entscheidend ist laut dem Arbeitspsychologen Oliver Weigelt das, was im stressigen Alltag zu kurz kommt. Dazu gehören Naturerlebnisse und Bewegung.

Groningen/Hannover (epd). Damit der Urlaub auch Erholung bringt, empfiehlt der Arbeitspsychologe Oliver Weigelt, bewusst einen Kontrast zum Arbeitsalltag zu schaffen. «Erholung hilft, die Akkus wieder aufzuladen», sagte der Erholungsforscher von der Universität Groningen im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Für eine erholsame Auszeit gibt es dem Forscher zufolge allerdings kein allgemeingültiges Rezept. Entscheidend sei, welche psychologischen Bedürfnisse im Alltag zu kurz kämen. Dazu zählten das Abschalten von der Arbeit, Entspannung, Selbstbestimmung, Kompetenzerleben, Sinnerleben und soziale Eingebundenheit.

Es gehe nicht darum, im Urlaub auf Krampf alle diese Bedürfnisse gleichzeitig zu bedienen. «Ziel der Erholung ist aus meiner Sicht, etwas für die Bedürfnisse zu tun, die im Alltag auf der Strecke bleiben.» Daran könnten sich die Aktivitäten ausrichten. Wer im Beruf viel sitze, könne sich in der Freizeit bewegen. Wer körperlich arbeite, könne den Kopf etwa durch Lesen, Rätseln oder das Lernen einer Sprache fordern. «Zwei Dinge fördern die Erholung unabhängig davon ziemlich universell: Zeit in der Natur und Bewegung oder Sport», sagte Weigelt.

Auch Schlaf spiele eine wichtige Rolle bei der Erholung. Verbesserungen der Schlafqualität können laut Weigelt mit mehr Vitalität einhergehen. Ausschlafen und ein ausgiebiges Frühstück steigerten für viele Menschen die Lebensqualität. Seine Empfehlung: Solche Möglichkeiten sollten möglichst nicht nur im Urlaub oder am Wochenende bestehen, sondern regelmäßig im Alltag vorkommen.

Auch Langeweile und Muße könnten erholsam sein. Eine Pause von der Dauerbeschallung etwa durch soziale Medien könne den Weg zur Achtsamkeit ebnen. «Der Fokus liegt dann auf dem Hier und Jetzt», sagte Weigelt. Meditation, Yoga, ein Spaziergang, Singen oder ein Konzertbesuch könnten dabei helfen.

Unter Stress schalte der Körper in einen besonderen Modus, erläuterte er. «Das Herz schlägt schneller, sogenannte Stress-Hormone wie Cortisol gehen hoch.» Das helfe dabei, Herausforderungen zu bewältigen. Nach der Belastung sollten die Systeme jedoch wieder herunterfahren. Dieser Prozess werde als Erholung bezeichnet.

Hält der Stress dauerhaft an, kann die Reaktion jedoch bestehen bleiben oder chronisch werden, warnte der Erholungsforscher. Das erhöhe den gesundheitlichen Verschleiß und langfristig etwa das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. «Die Erholung soll die Balance wieder herstellen.»