Die niedersächsische Landesarmutskonferenz fordert entschlossene Maßnahmen gegen Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit. Landesweit fehlten mehr als 100.000 Sozialwohnungen.
Hannover (epd). Mit einer Protestaktion unter einer Brücke in Hannover hat die Landesarmutskonferenz Niedersachsen auf eine zunehmende Wohnungsnot aufmerksam gemacht. Landesweit fehlten mehr als 100.000 Sozialwohnungen, erklärte Bündnis am Montag in Hannover. Unter dem Motto «Wohnungsnot? Nein danke!» forderte die Initiative mehr bezahlbaren Wohnraum sowie ein entschlossenes Handeln von Kommunal- und Landespolitik. Unter der Brücke hatten die Initiatoren ein symbolisches Obdachlosen-Camp mit Zelt, Schlafsack und Isomatte aufgebaut.
Die Lage auf dem Wohnungsmarkt habe sich drastisch verschärft, kritisierte die Armutskonferenz. Während 2011 auf dem hannoverschen Wohnungsmarkt noch rund 72 Prozent der Wohnungen für weniger als sieben Euro pro Quadratmeter angeboten worden seien, habe dieser Anteil vor zwei Jahren bei nur noch drei Prozent gelegen. Wer wenig Geld habe, werde zunehmend aussortiert, kritisierte Sprecherin Laura Syska: «Wohnen ist ein Grundrecht und darf kein Privileg für Menschen mit hohem Einkommen sein.»
Wie ernst die Situation sei, zeige sich auch bei der Wohnungslosigkeit, unterstrich die Landesarmutskonferenz. Zum Stichtag 31. Januar 2024 seien in Niedersachsen rund 33.000 Menschen offiziell als wohnungslos und untergebracht erfasst woren, darunter mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche. In Hannover habe sich die Zahl der in städtischen Unterkünften untergebrachten Menschen von rund 510 im Jahr 2013 auf etwa 1.080 im Jahr 2025 mehr als verdoppelt.
Wohnungslosigkeit sei das Ergebnis politischen Versagens, erklärte Sprecherin Wiebke Humrich für die Armutskonferenz. Das Bündnis verlangte unter anderem eine Anhebung der Sozialquote bei Neubauten auf mindestens 50 Prozent, mehr Investitionen in gemeinwohlorientierten Wohnungsbau sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Mietwucher und spekulativen Leerstand. Zudem müsse das Konzept «Housing First» zur direkten Versorgung wohnungsloser Menschen mit eigenem Wohnraum ausgebaut werden, forderte Co-Sprecher Lars Niggemeyer.