Die Preise für landwirtschaftliche Flächen und Pachten steigen seit Jahren stark an. Gerade für die extensive Öko-Landwirtschaft ist das ein Problem. Die Kulturland-Genossenschaft kauft bundesweit Agrarland, um es an Bio-Bauern zu verpachten.
Bramsche/Göttingen (epd). Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem Bio-Bauernhof Pente im niedersächsischen Bramsche bei Osnabrück ruhen in der wärmenden Frühlingssonne. Die Folien der Gewächshäuser glitzern. Landwirt Timo Funke führt in den zu allen Seiten offenen Stall. Etwa 80 Pommern- und Wallachenschafe blöken ihm entgegen. «Sie sind aufgeregt, weil sie gleich erstmals nach dem Winter auf die Weide dürfen», erklärt der 34-Jährige.
Lautes Schnattern lässt ihn herumfahren. «Hey, schau mal, die Enten sind ausgebrochen», ruft Funke einem der Lehrlinge zu und lacht schallend. Schon stürzt sich die Horde Lege-Enten in ein Beet mit Feldsalat. Der Bauer nimmt es gelassen. Doch die Zukunft seines Betriebes war bis vor kurzem ungewiss.
Wie vielen kleinen Höfen in Deutschland drohte auch dem Hof Pente der Ausverkauf seiner Flächen. Der Eigentümer will einen großen Teil des Landes verkaufen, das die Landwirtsfamilien Hartkemeyer und Funke gepachtet haben: 3,9 Hektar sollen 560.000 Euro kosten. «Solche Preise können wir uns nicht leisten», sagt Funke achselzuckend.
Mit weniger als der Hälfte ihrer Flächen hätten sie den Betrieb nicht weiterführen können. Nach der Idee der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) versorgt der Hof, der auch eine Kita und eine freie Schule beherbergt, das ganze Jahr über rund 350 Mitglieder mit Gemüse, Eiern, Brot und Fleisch von seltenen Nutztierrassen. Diese zahlen dafür einen festen monatlichen Beitrag. «Der ist so berechnet, dass wir davon leben und unsere Kosten decken können», sagt Funke. «Reich werden kann man damit nicht.»
Die Preise für landwirtschaftliche Flächen hätten sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht und seien damit für Öko-Bauern viel zu teuer, sagt Stephan Illi, Vorstand der Kulturland-Genossenschaft mit Sitz in Hitzacker an der Elbe. Sie kauft bundesweit Land auf, um es extensiv wirtschaftenden Bio-Betrieben zur Pacht zur Verfügung zu stellen, die weniger düngen und keine Pestizide verwenden, dafür aber mehr Flächen benötigen. Auch dem Penter Biohof hat die Genossenschaft nun unter die Arme gegriffen.
«Früher haben sich nur Landwirte für Äcker und Weiden interessiert», erklärt Illi. Die Preise seien jahrzehntelang stabil geblieben. Heute konkurrierten auch Betreiber von Biogas-Anlagen, Fotovoltaik-Anbieter sowie der Straßen- und Siedlungsbau mit den Landwirten um die begrenzt zur Verfügung stehenden freien Flächen. Das treibe die Preise nach oben.
Diese Entwicklung habe Investoren von außerhalb der Landwirtschaft auf den Plan gerufen, die Land kauften, um damit zu spekulieren, kritisiert Illi: «Für extensive Öko-Landwirte ist das ein Riesenproblem. Denn auch die Pachtpreise steigen extrem. Viele Pachtflächen verlieren sie ganz.» Der ehemalige Leiter des Demeter-Verbandes findet, Land sei wie Wasser und Luft ein Allgemeingut. «Damit sollte nicht spekuliert werden, um Rendite zu machen.»
Voraussetzung für die Hilfe durch die Kulturland-Genossenschaft ist, dass die Höfe ein soziales Umfeld haben, das sie unterstützt und Genossenschaftsanteile zeichnet. Kommt genug Geld für den Kauf der betreffenden Flächen zusammen, kauft die Genossenschaft sie und verpachtet sie dann weiter an die Landwirte.
Die Familien Hartkemeyer und Funke sowie die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft in Bramsche hatten im Januar eine Werbekampagne gestartet. Schon wenige Wochen später haben 144 Menschen Anteile für fast 570.000 Euro gezeichnet. Der Preis für die zum Verkauf stehenden Flächen ist also erreicht. Die Genossenschaft kann demnächst das Land erwerben. Sie seien immer optimistisch gewesen, sagt Julia Hartkemeyer (45). Aber dass es so schnell geht, hätten sie nicht gedacht: «Wir sind überwältigt.»
So wie den Hof Pente hat die Kulturland-Genossenschaft bundesweit bislang mehr als 50 Höfe gerettet. Rund 800 Hektar Land bleiben damit für eine naturnahe Landwirtschaft erhalten. Bei insgesamt rund 18 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche in Deutschland bleiben solche Initiativen dennoch eine Nische, sagt Professor Achim Spiller, Agrarökonom der Uni Göttingen. Der Trend zu steigender Produktivität sowie weniger und größeren Betrieben lasse sich kaum aufhalten.
Dennoch könne die Kulturland-Genossenschaft als Impulsgeber für neue Entwicklungen wirken. Denn ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft sei durchaus nötig, mahnt Spiller, ehemaliger Co-Vorsitzender der vom Bund initiierten Zukunftskommission Landwirtschaft. Zum Schutz von Klima, Gewässern, Boden und Artenvielfalt müsse der Umwelt- und Naturschutz stärker in die Breite der konventionellen Landwirtschaft integriert werden. Leider fehle es dafür bislang an wirksamen finanziellen Anreizen.
In Bramsche haben Bewohner, Mitglieder und Unterstützer unterdessen ihren Erfolg mit einem großen Fest auf dem Hof Pente gefeiert, berichtet Julia Hartkemeyer: «Für uns alle ist es die beste Rendite, zu erleben, dass wir mit unserer Arbeit und unserem Konsumverhalten zum Erhalt einer Kulturlandschaft beitragen können.»