Obwohl die großen Kirchen seit Jahren Mitglieder verlieren, sieht der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, in den Christen in Deutschland eine wesentliche Stütze der Gesellschaft.
Hildesheim/Köln (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hat die Bedeutung von Christen für das Funktionieren des Landes betont. Die Christen in Deutschland seien eine wesentliche Stütze der Gesellschaft, sagte er im «Interview der Woche» des Deutschlandfunks, das am Karfreitag veröffentlicht wurde. «Gäbe es die Christen nicht mehr, bräche unsere Gesellschaft in sich zusammen», sagte der scheidende Bischof von Hildesheim. Angesichts des Mitgliederrückgangs der katholischen Kirche lasse man sich «nicht Bange machen», ergänzte er.
Im ersten ausführlichen Interview seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und der Ernennung zum Bischof von Münster sagte Wilmer: «Beide Wahlen haben mich sehr überrascht. Ich habe anfangs schon unruhig geschlafen. Inzwischen bin ich ruhig.» Wilmer, der Anfang der Woche in Rom war, fügte hinzu, auch das Gespräch mit Papst Leo XIV. stimme ihn zuversichtlich, was die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland betrifft.
# Das Evangelium ist «Politik pur»
Mit Blick auf seine Rolle in der Öffentlichkeit sagte der Bischof: «Ich kann nicht unpolitisch sein, ich bin ein durch und durch politischer Mensch, weil das Evangelium Jesu Christi Politik pur ist.» Es gehe darum, «im Namen Gottes an der Seite der Menschen zu stehen, vor allem an der Seite jener, die schwach sind». Das bedeute aber nicht, dass seine Kirche sich in tagespolitische Debatten einmischen oder sich parteipolitisch äußern sollte. «Gott ist politisch, weil es ihm um das Heil aller Menschen geht - und nicht nur um das Heil einer Elite, die sich auf schöne Inseln zurückzieht», betonte Wilmer.
Zur Legitimität des Krieges der USA und Israels gegen den Iran sagte Wilmer mit Blick auf die Rolle Israels: «Legitim ist auf jeden Fall, dass ein Land sich verteidigt.» Zugleich sei die Frage berechtigt, «inwieweit die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt» sei. Seine Bitte sei «ganz klar: Der Krieg muss aufhören, sofort!» Zugleich gelte: «Unser christliches und katholisches Herz ist an der Seite der jüdischen Menschen, Israel hat ein Recht auf Existenz, unsere Solidarität ist bei allen Menschen, die leiden.»
Info:
Der Deutschlandfunk sendet das Interview am Ostersonntag um 11.05 Uhr.
Internet:
Interview zum Hören: https://s.epd.de/2mb8