Organspende kann Leben retten. Doch der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier mahnt, dass die Debatte weit über medizinische Fragen hinausreicht.
Osnabrück (epd). Der katholische Osnabrücker Bischof Dominicus Meier hat sich angesichts des Tags der Organspende (6. Juni) gegen die sogenannte Widerspruchsregel ausgesprochen. «So nachvollziehbar der Wunsch nach mehr verfügbaren Organen auch ist: Organspende bleibt eine Spende», sagte der Theologe der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Sonnabend). Es brauche einen offeneren, ruhigen und ehrlichen gesellschaftlichen Dialog, ohne moralischen Druck.
Am Ende gehe es nicht nur um Medizin, sondern um die Frage, wie Menschen einander in existenziellen Situationen zur Seite stünden, mahnte Meier. Organspende sei nicht nur lebenswichtig, sondern auch für das gesellschaftliche Miteinander bedeutsam: «Solidarität wird konkret, wo ein Mensch bereit ist, einem anderen Hoffnung zu schenken.»
Die Bereitschaft zur Organspende sei in christlicher Tradition ein besonderer Ausdruck der Nächstenliebe, sagt Meier. Dennoch gehe es um eine sehr persönliche Entscheidung, die an die Grenzen des eigenen Lebens führe. «Wer über Organspende nachdenkt, denkt immer auch über die eigene Endlichkeit nach.»
Aus menschlicher und christlicher Sicht spreche vieles für die Organspende, sagte der Theologe. «Vor allem aber sollte sie eines bleiben: eine freie Entscheidung.» Verantwortung entfalte ihre größte Kraft, wenn sie freiwillig übernommen werde und zeige sich vielleicht gerade darin zutiefst menschlich.