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Aufgerufen, von Gottes Willen zu reden: von Menschenwürde, von Barmherzigkeit, von Wahrheit und von Frieden 

Zu Pfingsten seien Christinnen und Christen dazu aufgerufen, in der Welt von Gottes Willen zu reden: von Menschenwürde, von Barmherzigkeit, von Wahrheit und von Frieden, betonte der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit in seiner Predigt am Pfingstmontag, 25. Mai, in der Oldenburger St.-Lamberti-Kirche. Darum gehöre zum pfingstlichen Glauben auch die Prüfung der Worte. „Wir prüfen Worte an der Heiligen Schrift. Wir fragen: Dienen sie dem Nächsten? Achten sie die Würde jedes Menschen? Stärken sie den Zusammenhalt? Oder säen sie Verachtung, Ausgrenzung und Angst?“ Wer so unterscheide, müsse nicht jedem lauten Wort hinterherlaufen, so der Bischof der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg in seiner Predigt (Johannes 20,19–23).

Pfingsten erinnere die Menschen daran, dass eine Gesellschaft nicht von Lautstärke allein lebe. Sie lebe davon, dass Menschen einander noch verstehen wollen. Die Nachrichten aus der Welt ließen die Menschen dabei nicht los. „Kriege dauern an. Der Ton in unserem Land wird härter. Das Vertrauen wird kleiner. Wir erleben eine Zeit, in der manche sehr laut reden. Laut auf allen Kanälen. Laut in schnellen Sätzen. Laut mit einfachen Antworten,“ sagte Bischof Thomas Adomeit.

Lautstärke ist noch keine Wahrheit und auch noch keine Mehrheit
Aber Lautstärke sei noch keine Wahrheit und auch noch keine Mehrheit. Wer Angst verbreite, spreche darum noch nicht für das ganze Land. Wer andere herabwürdige, spreche noch nicht im Namen des Volkes, so Adomeit. Und wer den Zusammenhalt beschädige, dürfe nicht unwidersprochen behaupten, er allein wisse, was die Menschen wirklich wollten.

Noch sei das Kind nicht in den Brunnen gefallen, betonte Adomeit. „Wir haben es noch in der Hand. Wir können prüfen, was gesagt wird. Wir können unterscheiden, ob Worte dem Leben dienen oder es vergiften. Wir können widersprechen, wo Menschen verachtet werden. Wir können selbst anders sprechen: klar, nüchtern, menschenfreundlich.“

Frieden entsteht, wenn Christus in der Mitte steht
In die Wirklichkeit der Menschen sage Jesus Christus: Friede sei mit euch. „Vielleicht ist das einer der stärksten Sätze des christlichen Glaubens: Die Wunden bleiben sichtbar, aber sie herrschen nicht mehr“, so Bischof Thomas Adomeit. Frieden entstehe nicht dadurch, dass Verletzungen verschwiegen würden, sondern wenn Wahrheit ans Licht dürfe, ohne dass sie alles zerstöre. Frieden entstehe, wenn Schuld benannt werde und Vergebung möglich bleibe, wenn nicht die Angst regiere, sondern Christus in der Mitte stehe.

Darum sei der christliche Glaube kein Vertröstungsglaube. Er schaue hin auf Wunden, Schuld, Angst und Tod. Aber er bleibe dort nicht stehen. Pfingsten heißt laut Adomeit: „Gottes Geist macht Menschen nicht blind für die Welt. Er macht sie fähig, in dieser Welt nicht zu verzweifeln.“

Wir brauchen diesen Frieden
Jesus komme zu den Ängstlichen, den Zweifelnden, den Weggelaufenen, zu denen hinter verschlossenen Türen. „Darum dürfen auch wir heute neu anfangen. Als einzelne Menschen: mit dem, was uns belastet, was uns ängstigt, was wir nicht lösen können.“ Jesus spreche Frieden in einen Raum voller Angst, nicht, weil die Lage friedlich wäre, sondern weil er selbst der Friede sei. „Wir brauchen diesen Frieden. Wir brauchen ihn in einer Zeit, in der viele Menschen müde geworden sind.“ Die Kirche der Zukunft werde nicht dadurch stark, dass sie ihre Angst gut organisiere, sondern wenn sie sich von Christus senden lasse.

Vieles mache die Menschen atemlos: „die Geschwindigkeit der Nachrichten, die Gleichzeitigkeit der Krisen, die ständige Erwartung, sofort eine Meinung zu haben, die Sorge um den Frieden, um die Demokratie, um die Schöpfung, um die Kirche, um die Menschen, die uns anvertraut sind.“

Der Heilige Geist ist der Atem Gottes in einer atemlosen Welt
Der Heilige Geist sei kein Denkmalpfleger der Angst, sagte Adomeit in seiner Pfingstpredigt. „Der Heilige Geist ist Gottes Atem für die Zukunft, der Atem Gottes in einer atemlosen Welt.“ Darum sei Pfingsten so wichtig: „Der Geist Gottes macht aus Erinnerung Auftrag. Aus Trauer Hoffnung. Aus Angst Bewegung. Aus verschlossenen Türen Wege in die Welt.“

Hier finden Sie den vollen Wortlaut der Pfingstmontagspredigt von Bischof Thomas Adomeit im Format PDF.

Gottesdienst am Pfingstmontag mit Bischof Thomas Adomeit in der Oldenburger St.-Lamberti-Kirche.
Gottesdienst am Pfingstmontag mit Bischof Thomas Adomeit in der Oldenburger St.-Lamberti-Kirche.
Lektorin Dr. Kerstin Ebel
Lektorin Dr. Kerstin Ebel
Pfingsten erinnere die Menschen daran, dass eine Gesellschaft nicht von Lautstärke allein lebe. Sie lebe davon, dass Menschen einander noch verstehen wollen, betonte Bischof Thomas Adomeit in seiner Predigt.
Pfingsten erinnere die Menschen daran, dass eine Gesellschaft nicht von Lautstärke allein lebe. Sie lebe davon, dass Menschen einander noch verstehen wollen, betonte Bischof Thomas Adomeit in seiner Predigt.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Dr. Michael Jonas (Orgel).
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Dr. Michael Jonas (Orgel).