Konservativ-evangelikale Pastoren sehen sich angesichts einer pluraler werdenden Kirche und Gesellschaft unter Druck. Bei einem Studientag wollen sie juristische und kirchenrechtliche Grenzen ausloten. Die bremische Landeskirche distanziert sich.
Bremen (epd). Die Bremische Evangelische Kirche distanziert sich von einer Veranstaltung der evangelikalen St. Martini-Gemeinde, die unter der Überschrift «Christenverfolgung in Deutschland?!» steht. Das leitende Gremium «Kirchenausschuss» kritisierte am Mittwoch in einer Stellungnahme einen für den 25. April angekündigten «Studientag für kirchliche Mitarbeiter und Pfarrer unter Druck». Darin heißt es: Die bremische Kirche wende sich «gegen alle Versuche, den ausgrenzenden Kulturkampf eines christlichen Nationalismus insbesondere gegen Frauen- und LGBTQ-Rechte aus den USA zu importieren».
Der Kirchenausschuss unterstrich, dass sich die Landeskirche auch deutlich von entsprechenden Versuchen der Selbstviktimisierung, also einer Inszenierung als Opfer von Unrecht oder Verfolgung, distanziere. Dies lege bereits der Titel der Veranstaltung nahe. Die bremische Kirche stehe für ein respektvolles Miteinander in Vielfalt und für die Gleichstellung aller Menschen. «Sie tritt gegen jede Form von Diskriminierung ein und setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ein», hieß es.
Zu dem Treffen in der St. Martini-Gemeinde sind Vertreter des «Gemeindehilfsbundes» mit Sitz in Walsrode und der «ADF International» (Alliance Defending Freedom) in Wien eingeladen. Beide vertreten christlich-konservative Positionen und eine wörtliche Bibelauslegung. Unter anderem wenden sie sich gegen die Ausweitung von LGBTQ-Rechten. Die angekündigten Vorträge tragen Überschriften wie: «Was geht? Rechtliche Spielräume und mediale Strategien in der Praxis» oder «Darf ich das? Kirchengerichtsbarkeit, staatliche Instanzen und die Verantwortung des Einzelnen». Der St. Martini-Pastor Olaf Latzel soll den Tag mit einer Andacht beenden.
Die Kirchengemeinde St. Martini lässt seit Ende November 2024 ihre Rechte und Pflichten gegenüber der Bremischen Evangelischen Kirche ruhen. Dies ist nach der damals gültigen alten Kirchenverfassung möglich.
Die Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche hatte im vergangenen Jahr Latzel wegen queerfeindlicher Äußerungen das Gehalt gekürzt. Dies hatte Latzel akzeptiert. Der Vorstand seiner St. Martini-Gemeinde hatte anschließend mit schweren Vorwürfen gegenüber der Kirchenleitung reagiert.