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Kirchenpräsident Kuschnerus ruft zur Stärkung der Demokratie auf. Angesichts autoritärer Entwicklungen, gesellschaftlicher Spannungen und rechter Parteien müsse die Kirche «ohne Abstriche» für Menschenwürde und demokratische Werte eintreten.

Bremen (epd). Der Bremer Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus hat angesichts der internationalen und gesellschaftlichen Entwicklungen zur Stärkung der Demokratie aufgerufen. Autoritäre Regime, gesellschaftliche Polarisierung und der Einfluss rechtspopulistischer Strömungen setzten die Demokratie unter Druck, warnte er am Sonnabend vor der Synode der Bremischen Evangelischen Kirche, dem sogenannten Kirchentag: «Ich bin der Meinung, als Kirche müssen wir im Blick auf Menschenfeindlichkeit und Demokratiegefährdung die Stimme erheben, klar und ohne Abstriche.»

Menschenwürde, Menschenrechte und der Rechtsstaat seien die Grundlage eines demokratischen Gemeinwesens, betonte Kuschnerus. Demokratie lebe von Pluralität, Vielfalt und fairen Aushandlungsprozessen. Für die Kirche sei die Demokratie aufgrund biblisch begründeter theologischer Einsichten und Glaubenshaltungen die überzeugendste Form des politischen Zusammenlebens. «Alle Menschen sind Gottes Geschöpfe und haben von Gott her Würde», unterstrich der Kirchenpräsident.

Kuschnerus hob hervor, dass die Kirche in «kritischer Solidarität» zur Demokratie stehe. Die Kirche wolle sich weder staatlich vereinnahmen lassen noch ihre Bedeutung aus besonderer Staatsnähe ableiten. Die Kirche müsse «klar und ohne Abstriche» gegen Demokratiegefährdung auftreten, dürfe aber nicht in politische Lagerlogiken geraten.

In der Aussprache mahnte Landesjugendpastorin Ragna Miller an, sich mit rechtsextremen Tendenzen unter evangelikalen Jugendlichen zu befassen. In anderen Landeskirchen gehörten diese rechtsextremen und nationalistischen Verbänden und der Jugendorganisation der AfD an. Es gelte deutlich zu machen, «dass solche Tendenzen in der Bremischen Evangelischen Kirche keinen Raum haben».

Eine geplante Selbstverpflichtung zur Achtung der freiheitlichen Demokratie nahmen die Delegierten zur Kenntnis, allerdings soll das Papier noch einmal konkretisiert werden. Das Schreiben mit grundlegenden kirchlichen Positionen zu gewalttätigen, rassistischen, diskriminierenden und sexistischen Verhalten soll künftig von neuen Mitarbeitenden der Kirche bei der Einstellung unterzeichnet werden. Ausdrücklich heißt es darin: «Wir tolerieren die Mitgliedschaft in einer Gruppierung, die dem Inhalt dieser Selbstverpflichtung widerspricht, nicht.»

Der bremische Kirchentag (Synode) tagt im St. Pauli-Gemeindezentrum. Zur Bremischen Evangelischen Kirche gehören 50 Gemeinden mit zusammen rund 145.000 Mitgliedern.