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Ein Arzt aus Hannover soll Patienten mit überdosierten Medikamenten getötet haben. Vor Gericht muss er sich wegen Mordverdachts verantworten. Patientenschützer fordern, die Kontrollen weiter zu verbessern, um solche Taten zu verhindern.

Hannover/Dortmund (epd). Anlässlich des Prozesses gegen einen Arzt aus Hannover, der zwei Patienten mit einer Überdosis von Medikamenten getötet haben soll, fordert der Patientenschützer Eugen Brysch, eine «Kultur des Hinschauens» zu etablieren. Pflege und Medizin in Deutschland machten es Serientätern immer noch viel zu leicht, solche Taten zu begehen, sagte Brysch in einem Interview des NDR (Sonnabend, Online): «Wir müssen lernen, mit solchen Serientätern umzugehen und sie möglichst früh zu identifizieren.»

Brysch ist Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. Ob es sich in dem konkreten Fall um die Linderung von Leid oder um eigenmächtiges Verhalten gehandelt habe und ob das Einverständnis der Patienten vorgelegen habe, müsse das Gericht klären, betonte er.

Grundsätzlich müsse die digitale Überwachung der Medikamenten-Ausgabe gestärkt werden, sagte Brysch. Nötig sei zudem funktionierendes «Whistleblower-System». Bei einem solchen System können Mitarbeitende von Einrichtungen vertraulich und sicher Hinweise auf Missstände und Rechtsverstöße melden. «Wir brauchen darüber hinaus auch Schwerpunktstaatsanwaltschaften in Deutschland», betonte der Patientenschützer: «Es gibt also noch einiges nachzuarbeiten.»

Den Angehörigen der Patienten fielen solche Taten in der Regel nicht auf, sagte Brysch dem Norddeutschen Rundfunk. Deswegen müssten die Teams in den Einrichtungen gestärkt werden. Dort seien die Mitarbeitenden jeden Tag mit schwerstkranken Menschen und ihren Leiden beschäftigt. «Jeden Tag erwartet man den Tod.» Und dann glaubten viele, alles habe schon seine Richtigkeit. «Zu glauben, bei uns in unserer Einrichtung kann das nicht geschehen, ist schon der größte Fehler», betonte Brysch.

Der Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover muss sich seit Freitag vor dem Landgericht Hannover unter anderem wegen Mordverdachts verantworten. Insgesamt geht es nach Gerichtsangaben um drei Todesfälle (Az.: 39 Ks 5/26). Die Staatsanwaltschaft wirft dem 1976 geborenen Mann vor, im Zeitraum von Mai 2019 bis März 2025 zwei schwer kranke Patienten durch die Verabreichung von Medikamenten getötet zu haben, obwohl diese selbst oder die Angehörigen sich für eine Weiterbehandlung ausgesprochen hätten.

In einem dritten Fall soll der Mann versucht haben, bei einem Einsatz als Notarzt in einer Wohngemeinschaft von Demenzkranken eine Patientin trotz medizinischer Notwendigkeit nicht in ein Krankenhaus einliefern zu lassen, sondern sie vor Ort mit Medikamenten zu töten. Sie starb jedoch erst in der folgenden Nacht.

Die Anwälte des Mediziners wiesen die Vorwürfe zurück, wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» (Sonnabend) berichtete. Den Patienten seien Qualen erspart worden, argumentierten sie. Alle drei seien am Ende ihres Lebens angekommen gewesen. Der Angeklagte habe sich nicht strafbar gemacht. Das Landgericht hat nach eigenen Angaben bis Mitte September 14 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Brysch sagte, offenbar hätten im konkreten Fall einige Sicherheitsmechanismen und Kontrollen bereits gegriffen: «Grundsätzlich bleiben das Einzelfälle, leider in den letzten Jahren gehäufte Einzelfälle.»