Das Ehrenamt ist das Rückgrat der Gesellschaft, bekräftigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag auf dem Katholikentag in Würzburg. Er warnte eindringlich vor dem Verlust dieser unersetzlichen Säule des sozialen Zusammenhalts.
Würzburg/Hannover (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf dem Katholikentag in Würzburg vor einem Rückgang des ehrenamtlichen Engagements gewarnt. Ohne das Ehrenamt wäre die Gesellschaft kälter und ärmer, dies wäre auch eine Gefahr für die Demokratie, sagte das Staatsoberhaupt am Donnerstag unter großem Applaus auf einem Podium des Christentreffens vor mehreren Hundert Teilnehmern. Das Ehrenamt beginne da, wo jemand an «mehr denkt, als an sich selbst».
Steinmeier warb mit Blick auf die Debatte um den neuen Wehrdienst erneut für seinen Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit. Er räumte zudem ein, dass sich die Arbeitswelt inzwischen so geändert habe, dass vor allem junge Menschen ein Ehrenamt oft nicht mehr mit ihrem Beruf in Einklang bringen könnten. Er warb daher für eine größere Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf.
Mangelnde Anerkennung
Steinmeier verurteilte Angriffe etwa auf Feuerwehrleute und Rettungssanitäter: Das sei «die eigentliche Schande», dass der Wert der ehrenamtlichen und gemeinnützigen Tätigkeit nicht anerkannt werde. Dabei berichteten ihm viele Ehrenamtliche, dass sie von ihrer Tätigkeit mehr zurückerhielten, als sie geben.
Der Bundespräsident hatte jüngst die Kampagne zu seiner Initiative «Der Ehrentag» gestartet. Unter seiner Schirmherrschaft soll der Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai zum ersten Mal als deutschlandweiter Mitmachtag gewürdigt werden.
Am Donnerstag ging es bei dem Podium «Kann der Täter Richter sein?» um kirchlichen Missbrauch und darüber, wie Aufarbeitung gelingen kann. Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, betonte: Das Strafrecht greife nur begrenzt, weil es etwa durch Verjährung eingeschränkt sei. Aufarbeitung müsse vor allem dazu führen, dass Betroffene «nachholende Gerechtigkeit» erfahren und Verantwortung klar übernommen werde - durch den Staat und durch die kirchlichen Strukturen.
Gegenseitige Unzufriedenheit
An den Würzburger katholischen Bischof Franz Jung gerichtet, beklagte Claus dass die Kirchen bei den Bundesländern zu wenig auf unabhängige Landesaufarbeitungskommissionen drängten. Laut Jung sind auch die Kirchen unzufrieden damit, dass sich der Staat nicht stärker engagiere.
Weiterer Schwerpunkt auf dem Katholikentag war das Thema Zusammenarbeit der Religionen. Die Bischöfe Kirsten Fehrs und Bertram Meier forderten mehr Anstrengungen im interreligiösen Dialog. «Religionen haben Ressourcen für Verständigung und Resilienz», sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Fehrs, am Donnerstag auf einem Podium hinsichtlich einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft und internationaler Konflikte.
Plädoyer für Verständnis zwischen den Religionen
Der Augsburger Bischof Meier warnte vor Formen der Abschottung zwischen den Religionen. Religionen müssten sich zutrauen, «einander zu verstehen», so Meier, der auch für den Interreligiösen Dialog und die Ökumene in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zuständig ist: «Der andere ist kein Fremder, sondern ein Gegenüber.»
In Würzburg war am Mittwochabend der 104. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Bundespräsident Steinmeier hatte die Christen dabei zu mehr Zusammenarbeit gemahnt. Zu dem fünftägigen Treffen werden bis Sonntag Zehntausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu rund 900 Veranstaltungen erwartet.
Ein Beitrag von Stephan Cezanne (epd).
Internet:
104. Deutscher Katholikentag in Würzburg: https://s.epd.de/2ik7