Güner Yasemin Balci gilt als renommierte Journalistin. Als Integrationsbeauftragte in Berlin-Neukölln erlangte sie ebenfalls hohe Anerkennung. Für ihre Arbeit gebührt ihr nach Ansicht der Jury der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Preis.
Oldenburg (epd). Die Publizistin, Dokumentarfilmerin und Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, Güner Yasemin Balci, erhält den mit 10.000 Euro dotierten Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg 2026. Die 1975 in Berlin-Neukölln geborene Balci stehe für Freiheit und gegen Fundamentalismen und Rassismen jeglicher Art, hieß es in der Begründung der Jury. Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) werde ihr die Ehrung für Zeitgeschichte und Politik am 21. Mai überreichen.
Für Balci sei Deutschland das «beste Heimatland», das sich durch ein klares Bekenntnis zur Demokratie, Freiheit, Frauenrechten, Selbstbestimmung, Toleranz und universellen Menschenrechten auszeichne, hieß es. Sie setze sich authentisch und empathisch für die Freiheit und Selbstbestimmung vor allem von Frauen aus patriarchalen Gemeinschaften ein.
Die Journalistin ist seit 2020 Integrationsbeauftragte in ihrem Stadtteil Neukölln. Dabei behaupte sie sich trotz vieler Widerstände und persönlicher Gefahren auch gegen islamistische Tendenzen und kulturelle Dominanzansprüche. Nach Ansicht der Jury mache sie das zu einem Vorbild für eine «konstruktive Integrationspolitik».
Nach ihrem Studium der Erziehungs- und Literaturwissenschaft arbeitete Balci den Angaben zufolge in sozialen Brennpunkten und war als Redakteurin für das ZDF-Magazin Frontal 21 tätig. Bekannt wurde sie durch ihre gesellschaftskritischen Bücher, darunter der Bestseller «Arabboy» (2008) und «Almanya» (2010). In ihren Werken thematisiert sie die Herausforderungen der Integration, Clankriminalität und religiösen Extremismus.
Der Ossietzky-Preis erinnert an den Schriftsteller, Pazifisten und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938). Er wird von der Stadt Oldenburg alle zwei Jahre für Arbeiten, Gesamtwerke oder an Personen vergeben, die sich in herausragender Weise mit dem Leben und Werk Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder mit der demokratischen Tradition und Gegenwart befassen. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem der Pianist Igor Levit (2022), die Menschenrechtlerin Irina Scherbakowa (2014) und die Historikerin Anne Applebaum (2024).