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Güner Yasemin Balci gilt als renommierte Journalistin. Als Integrationsbeauftragte in Berlin-Neukölln erlangte sie ebenfalls hohe Anerkennung. Für ihre Arbeit gebührt ihr nach Ansicht der Jury der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Preis.

Oldenburg (epd). Die Publizistin, Dokumentarfilmerin und Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, Güner Yasemin Balci, hat den Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg 2026 erhalten. Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) sagte am Donnerstagabend bei der Preisverleihung: «Wir ehren eine starke und mutige Stimme, die nicht davor zurückscheut, unbequeme Realitäten auszusprechen.» Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Der Publizist und Sozialwissenschaftler Jan-Philipp Reemtsma würdigte in seiner Laudatio Balci als Erzählerin gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Sie erzähle Geschichten über Chancen, Möglichkeiten und unterschiedliche Lebenswege in Deutschland. Die heutige Vielfalt an Lebensentwürfen, Religionen und Ansichten sei das Ergebnis gesellschaftlicher Kämpfe und Grundlage persönlicher Freiheit.

Reemtsma: Freiheit und Gleichheit sind bedroht
Reemtsma warnte vor zunehmenden Angriffen auf die offene Gesellschaft. Die Hoffnung, Freiheit und Gleichheit würden sich dauerhaft selbst behaupten, habe sich nicht erfüllt. Konkurrenzmodelle setzten weiterhin auf gesellschaftliche Enge, Kontrolle und Ausgrenzung.

Vorbild für Integrationspolitik
Die 1975 geborene Journalistin ist seit 2020 Integrationsbeauftragte in ihrem Stadtteil Neukölln. Dabei behaupte sie sich trotz vieler Widerstände und persönlicher Gefahren auch gegen islamistische Tendenzen und kulturelle Dominanzansprüche, hieß es in der Begründung der Jury. Das mache sie zu einem Vorbild für eine «konstruktive Integrationspolitik».

Nach ihrem Studium der Erziehungs- und Literaturwissenschaft arbeitete Balci den Angaben zufolge in sozialen Brennpunkten und war als Redakteurin für das ZDF-Magazin Frontal 21 tätig. Bekannt wurde sie durch ihre gesellschaftskritischen Bücher, darunter der Bestseller «Arabboy» (2008) und «Almanya» (2010). In ihren Werken thematisiert sie die Herausforderungen der Integration, Clankriminalität und religiösen Extremismus.

Der Carl-von-Ossietzky-Preis
Der Ossietzky-Preis erinnert an den Schriftsteller, Pazifisten und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938). Er wird von der Stadt Oldenburg alle zwei Jahre für Arbeiten, Gesamtwerke oder an Personen vergeben, die sich in herausragender Weise mit dem Leben und Werk Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder mit der demokratischen Tradition und Gegenwart befassen. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem der Pianist Igor Levit (2022), die Menschenrechtlerin Irina Scherbakowa (2014) und die Historikerin Anne Applebaum (2024).

Internet:www.ossietzky-preis.de