Höhere Steuern auf Tabak und hochprozentigen Alkohol und eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke sollen laut den Vorschlägen einer Kommission zu Einsparungen im Gesundheitswesen beitragen. Das ist sinnvoll, aber nicht ausreichend, sagt die Diakonie.
Hannover (epd). Die Diakonie in Niedersachsen hält höhere Steuern für Tabak und hochprozentigen Alkohol und eine Abgabe auf stark gezuckerte Getränke grundsätzlich für sinnvoll. Doch diese Vorschläge einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission griffen zu kurz, wenn es darum gehe, Menschen vor einer Abhängigkeit zu bewahren, sagte der Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke am Dienstag in Hannover auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Die Kommission hatte am Montag Empfehlungen zu Einsparungen im Gesundheitswesen vorgestellt. Dazu zählen unter anderem die höheren Abgaben.
Lenke sagte: «Wir begrüßen den Schritt der Kommission, das Gesundheitssystem entlasten zu wollen.» Alkohol und Tabak seien nach wie vor gesellschaftlich akzeptierte Suchtmittel, obwohl die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen - insbesondere des Alkoholkonsums - enorm seien. «Höhere Preise für alkoholische Getränke können gerade das Konsumverhalten von Jugendlichen beeinflussen und den Konsum reduzieren.»
# Prävention und Aufklärung
Wer das Gesundheitssystem langfristig entlasten wolle, müsse jedoch zudem konsequent in Prävention und Aufklärung investieren, betonte Lenke. Nötig seien eine flächendeckende Suchtberatung und nachhaltige Präventionsarbeit. «Sucht ist kein individuelles Versagen, sondern eine Krankheit», unterstrich er. Auch mit Blick auf die Einführung einer Zuckersteuer gelte, entscheidend sei eine frühzeitige Aufklärung, idealerweise bereits im Kindesalter.
Zuckerhaltige Lebensmittel förderten ebenfalls ein unterschätztes Suchtverhalten. Nicht nur Alkohol und Zigaretten schadeten der Gesundheit, auch Zucker trage zu Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ II bei. Neben der Steuer brauche es aber flankierende Maßnahmen und eine Strukturreform, die die gesundheitliche Versorgung und präventive Angebote stärkten, unterstrich Lenke.
In Niedersachsen gibt es nach Diakonie-Angaben 75 vom Land anerkannte Fachstellen für Suchtberatung, davon sind 35 diakonische Beratungsstellen, zu ihnen kommen verschiedene Nebenstellen. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen auch die Vermittlung in ambulante oder stationäre Therapien.
Internet:www.diakonie-in-niedersachsen.de