Die ostfriesische Teekultur ist ein Sinnbild für Ruhe und Gelassenheit. Täglich gibt es in der Region an der niedersächsischen Nordseeküste bis zu sechs Teezeiten, jeweils nach einem festen Ritual.
Norden (epd). Seit 2016 gehört die ostfriesische Teezeremonie zur deutschen Liste des immateriellen Weltkulturerbes. Sie folgt einem festen Ablauf, erklärt die Leiterin des ostfriesischen Teemuseums in Norden, Mirjana Culibrk: Zunächst kommt loser Tee in eine vorgewärmte Kanne. Mit sprudelnd heißem Wasser den Tee bedecken, drei bis fünf Minuten ziehen lassen. Erst dann die Kanne auffüllen. In jede Tasse wird nun ein Stück weißer Kandiszucker gelegt, der in Ostfriesland «Kluntje» heißt. Knistert der Kandis beim Einschenken, war der Tee heiß genug.
Zuletzt legt man mit dem Sahnelöffel etwas Sahne am Rand der Tasse auf dem Teespiegel ab. «Gerne geschieht dies gegen den Uhrzeigersinn, um symbolisch während des Teetrinkens die Zeit anzuhalten», erklärt Culibrk. Die Sahne sinkt zunächst nach unten und steigt dann nach oben. Dabei entsteht ein wolkenähnliches Gebilde, das Wulkje. Der Tee wird nicht umgerührt, um mit jedem Schluck einen anderen Geschmack zu genießen: zunächst die Milde der Sahne, dann den kräftigen Tee und zum Schluss die Süße des Kandis.
Ist der Tee getrunken, wird ohne Aufforderung nachgeschenkt. Dabei gilt: «Dree is Ostfreesenrecht», drei Tassen trinkt man in der Regel also mindestens. Möchte man keinen Tee mehr, stellt man den Löffel in die Tasse. Zum Tee gibt es meist Teegebäck oder zu besonderen Anlässen Rosinenbrot mit Butter.
Für die Teezeremonie wird dünnwandiges Porzellangeschirr verwandt, traditionell mit dem Dekor Ostfriesische Rose oder mit dem Strohblumenmuster. Für alle Gerätschaften, vom Tüllensieb über die Zuckerzange bis zum Sahnelöffel, haben sich eigene Formen und Muster herausgebildet.