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Zu Ostern haben sich über Jahrhunderte verschiedene Bräuche entwickelt. Der bekannteste ist das Ostereier-Suchen. Manch einer hat vom Osterlachen gehört. Eher selten ist jedoch der Brauch, ein schlichtes Holzkreuz mit bunten Blumen zu schmücken.

Osnabrück/Hildesheim (epd). Das nur 70 Zentimeter hohe Kreuz aus zwei ungehobelten Holzlatten, Moosgummi und krumpeligem Sechseck-Zaundraht wirkt im großen Kirchraum ein wenig verloren. Der Küster der Osnabrücker Markuskirche hat es für die anstehenden Feiertage bereits aus dem Keller geholt. «An Karfreitag wird das Kreuz so nackt und allein auf dem Altar stehen», erklärt Pastorin Jutta Tloka und fügt hinzu. «Da hat man doch das dringende Bedürfnis, es zu schmücken.»

Genau diesem Bedürfnis darf die Gemeinde drei Tage später an Ostern nachkommen. In einem feierlichen Gottesdienst sind alle eingeladen, das Symbol von Tod und Leiden mit vielfarbigen Frühlingsblumen zu verzieren. «Als wir das vor drei Jahren zum ersten Mal angeboten haben, war die Resonanz überwältigend», sagt Tloka. Statt nur der Kinder, die vor allem aufgefordert waren, hätten auch Eltern, Omas und Opas mitgemacht. «Das war eine wunderbare, feierliche Atmosphäre.»

# Trost in sorgenvollen Zeiten

Seitdem ist das Kreuzschmücken zu Ostern in der Markuskirche zu einer kleinen Tradition geworden. «Die Menschen fragen mich immer schon lange vorher, ob wir das wieder so machen», sagt die Pastorin.
Auch den 73-jährigen Siegfried Brennecke hat das neu eingeführte Ritual von Beginn an begeistert. «Es ist einfach schön, wenn aus einem Zeichen für das Leid ein buntes Zeichen für das Leben wird», meint der pensionierte Pädagoge, der sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert.

Die Pastorin betont vor allem den Gemeinschaftsaspekt des Schmückens. «Das Leiden tragen wir gemeinsam, und genauso feiern wir auch das aufblühende Leben gemeinsam.» Gerade in sorgenvollen Zeiten mit Kriegen, die immer näher rückten, sei die Erkenntnis wichtig, «dass wir unsere Hoffnung nicht nur auf das Leben nach dem Tod setzen, sondern dass wir schon im diesseitigen Leben auf Trost hoffen dürfen.»

# Herkunft des Brauches nicht eindeutig geklärt

Woher der Brauch des Kreuzschmückens stammt, lässt sich nicht eindeutig klären. Er wird heute in Westeuropa nur vereinzelt in einigen Kirchengemeinden gepflegt. Tloka hat die Idee aus einer Gemeinde in Österreich mitgebracht. Dort hat die Theologin und promovierte Kirchenhistorikerin einige Jahre gelebt und gearbeitet. Nach ihren Recherchen stammt «Flowering the cross» von den Methodisten in England und geht bis ins 6. Jahrhundert zurück.

Tloka sieht außerdem Anklänge an ein im 12. Jahrhundert entstandenes Apsis-Mosaik in der Kirche San Clemente in Rom. Dort wird das Kreuz als Baum des Lebens, umrankt von Weinreben dargestellt und mit dem Paradies aus der Schöpfungsgeschichte in Zusammenhang gebracht. Kunstgeschichtlich lasse sich diese Vorstellung bereits für das 5. Jahrhundert nachweisen.

# Möglicherweise ein früheres Siegeszeichen

Der katholische Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti hingegen sieht den Ursprung des Kreuzschmückens bereits im 4. Jahrhundert in der Schlacht an der Milvischen Brücke.
Ein geschmücktes christliches Monogramm habe damals Kaiser Konstantin als Siegeszeichen gedient. Dieses sei mit der Ausbreitung des Christentums durch das Kreuz ersetzt worden.

In späteren Jahrhunderten hätten christliche Gemeinden daran angeknüpft und zu Ostern Holzkreuze mit Blumen geschmückt, sagt Becker-Huberti. «Heute noch greifen katholische wie protestantische Gemeinden punktuell diesen Brauch auf.»

Dazu gehört auch die evangelische Gemeinde Benz auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern. Das aus dem Stamm eines Weihnachtsbaums gezimmerte und mit Draht umwickelte Kreuz misst dort
2,50 Meter, erzählt Pastorin Annegret Möller-Titel. Sie hat das Ritual 2010 von ihrem Vorgänger übernommen.

# Kirche wird zum Festraum

Nach dem Verlesen der Ostergeschichte am Ostersonntag werde es von Gottesdienstbesuchern mit hunderten Tulpen und Osterglocken verziert, schwärmt die Pastorin: «Aus der Kirche wird ein Fest- und Freudenraum. Vor allem die vielen Touristen sind nachher immer begeistert und berührt.»

Leyla Jahns aus dem Kirchspiel Lamspringe bei Hildesheim ist quasi mit dem Blumenkreuz groß geworden. «Ich kenne Ostern nicht anders als mit dem geschmückten Kreuz im Altarraum unserer Auferstehungskirche in Neuhof», erzählt die 23-jährige ehrenamtliche Küsterin.

Schon ihre Großmutter war Küsterin. Sie hat in jedem Jahr das Holzkreuz bereits vor Ostern mit grünem Buchsbaum bestückt. Im Ostergottesdienst steckte die Gemeinde dann die Tulpen und Osterglocken dazu. Heute ist die Vorbereitung des Kreuzes Aufgabe der Enkelin. Leider nehme der Besuch des Ostergottesdienst seit Jahren ab, sagt Jahns. «Aber für die alten Menschen gehört er selbstverständlich dazu. Und die freuen sich immer sehr darauf, das Kreuz zu schmücken.»

Ein Beitrag von Martina Schwager (epd)

Internet:
https://kslamspringe.wir-e.de 
https://www.nordwestgemeinde.de 
https://www.kirche-mv.de/benz-morgenitz