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Die Kulisse ist besonders, der Rahmen festlich, der Aufwand für die Paare gering: Am Schnapszahldatum 26.06 bietet die evangelische Kirche an rund 350 Orten bundesweit besondere Trauungen an. In Bayern war «einfach heiraten» schon ein Erfolg.

Lüneburg/Hannover (epd). Von der Terrasse des Museums in Lüneburg fällt der Blick über das Flüsschen Ilmenau auf die historische St. Johanniskirche. Der Ort ist wie aus einer Telenovela entsprungen, Szenen der ARD-Soap «Rote Rosen» spielen dort regelmäßig. Am Schnapszahldatum 26.06.2026 will Pastorin Dorothea Noordveld gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen unter den Sonnenschirmen der Terrasse Paare trauen und segnen. «Es ist auch ein Zeichen dafür, dass wir nach draußen gehen und nicht an Kirchengebäude gebunden sind mit Gottes Segen», sagt sie.

«Einfach heiraten» lautet Ende Juni nicht nur in Lüneburg, sondern an bundesweit weiteren rund 350 Orten das Motto einer Aktion der evangelischen Kirche. Die Website «einfachheiraten.info» bietet eine Übersichtskarte. Das Projekt wendet sich an standesamtlich bereits verheiratete Paare, die sich kirchlich trauen lassen wollen. Und es lädt alle weiteren Paare dazu ein, einen Segen zu empfangen. In Niedersachsen und Bremen ist das zum Beispiel am Nordsee-Strand von Bensersiel möglich, an der Weser, in Klostergärten wie Coppenbrügge-Marienau oder in historischen Kirchen und Kapellen.

Teils ist die Kulisse ausgefallen: Eine Kneipe in Hannover oder eine historische Schwebefähre im Landkreis Cuxhaven gehören dazu. In anderen Bundesländern locken unter anderem eine Schäferwagenkirche im schleswig-holsteinischen Eckernförde, ein Riesenrad in Mainz, der Schanzenturm der Skisprungschanze Oberstdorf oder der Tegelberg unweit von Schloss Neuschwanstein mit besonderen Aussichten. «Doch auch in Dorfkirchen kann einfach geheiratet werden», sagt Pastor Richard Gnügge von den Koordinatoren in der hannoverschen Landeskirche. So manche Gemeinde habe liebevoll aufwendige Begleitprogramme entwickelt.

Dabei fällt die Aktion in eine Zeit, in der nicht nur kirchliche Trauungen, sondern Eheschließungen insgesamt zurückgehen. 2025 heirateten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 348.700 Paare, 2019 waren es noch rund 416.300. Knapp 50 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren sind aktuell verheiratet. Vor gut 30 Jahren waren es noch 60 Prozent aller Erwachsenen.

Die evangelischen Landeskirchen trauten 2023 rund 28.000 Paare kirchlich, 2022 waren es noch rund 35.400. In der katholischen Kirche gaben sich 2025 knapp 19.500 Paare das Ja-Wort, dort waren es ein Jahr zuvor noch gut 22.500. In der hannoverschen Landeskirche als größter evangelischer Kirche in Deutschland sanken die Zahlen von knapp 3.860 im Jahr 2023 auf rund 3.200 ein Jahr später. Sie lagen damit deutlich unter dem Wert vor dem Einschnitt durch die Corona-Pandemie mit mehr als 5.200 Trauungen im Jahr 2019.

«Die Funktion der Ehe hat sich in den letzten 50 Jahren sehr verändert», sagt die Oldenburger Familien-Soziologin Rosemarie Nave-Herz. «Die Ehe war eine Versorgungsinstitution, in der Regel für die Frauen.» Ehepaare, die 1950 geheiratet haben, hätten an erster Stelle eine Schwangerschaft als Grund angegeben und an zweiter Stelle Wohnungsprobleme oder andere materielle Erwägungen genannt. «Die emotionale Beziehung, die heute das Hauptmotiv ist, war selten der einzige Grund.» Heutzutage seien dagegen auch nichteheliche Lebensgemeinschaften sozial anerkannt.

Dennoch habe die Ehe einen eigenen Stellenwert behalten, sagt die Soziologin und Autorin des Buches «Die Ehe in Deutschland». Wer heute heirate, wolle damit öffentlich den Wunsch beschwören, auf Dauer zusammenzubleiben. Auch deshalb würden Hochzeiten oft sehr festlich und mit großem Aufwand begangen.

Die Aktion «einfach heiraten» verbindet einen festlichen Rahmen mit geringem Aufwand für die Paare selbst. Wer möchte, kann an vielen Orten sogar spontan vorbeikommen. In Bayern läuft die Aktion schon seit 2023, mit zunehmendem Erfolg. Kamen dazu bei der Premiere noch 251 Paare an 13 Orten zu Segnungen und Trauungen zusammen, waren es im vergangenen Jahr schon, 808 Paare an 56 Orten.

Einige vergleichbare Feste sind auch in Niedersachsen in den vergangenen Jahren schon gut angenommen worden. In Celle zum Beispiel ließen sich am 25.05.2025 innerhalb von wenigen Stunden mehr als 50 Paare in der Stadtkirche den Segen für ihre Beziehung geben, 38 von ihnen wurden kirchlich getraut, einige sogar auf dem Kirchturm. «Es war ganz viel Segen und Liebe zu spüren», sagt Pastorin Franziska Baden von den Organisatoren. In diesem Jahr sollen sogar 60 Zeremonien möglich sein. Mit Heiraten am Fließband habe das aber nichts zu tun, betont Baden: «Es sind ganz viele intensive Momente.»