Ein Friedenskongress hat sich kritisch mit der Friedensdenkschrift der EKD auseinandergesetzt. Der aktuelle und der frühere Friedensbeauftragte der EKD sehen darin den Pazifismus an den Rand gedrängt.
Uelzen/Bonn (epd). Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, und sein Vorgänger Renke Brahms haben eine zu geringe Rolle des Pazifismus in der EKD-Friedensdenkschrift beklagt. Pazifismus werde in der Denkschrift mehr in den privaten Bereich überführt, kritisierte Kramer auf einem Friedenskongress in Uelzen nach Angaben der Evangelischen Friedensarbeit im Raum der EKD von Samstag.
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die UN in ihrer Charta eine pazifistische Weltordnung entworfen, in der Gewalt und Krieg generell verboten werde und nach gewaltfreien Lösungen gesucht werden solle, erklärte Kramer. Auch wenn diese Weltordnung von den Mächtigen infrage gestellt werde, bedeute das nicht, dass diese nicht mehr gelte, sagte der mitteldeutsche Landesbischof. Gerade angesichts aktueller Kriege brauche es Menschen, die Nein sagten.
Auch der frühere EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms bemängelte, dass in der Denkschrift Pazifismus als Ausdruck gelebter Frömmigkeit ins Private verschoben werde. Indem es keine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Pazifismus-Formen gebe, lasse die Denkschrift eine Riesenchance aus. Zivile Konfliktbearbeitung fehle völlig in der Denkschrift. In der Frage der Nuklearwaffen sei die Denkschrift zudem widersprüchlich und inkonsequent.
Die frühere Präsidentin von «Brot für die Welt», Cornelia Füllkrug-Weitzel sprach von einem «totalen Bruch der internationalen Ordnung», auch eine neue Weltfriedensarchitektur sei nicht erkennbar. Es herrsche wieder Großmachtdenken, die Vereinten Nationen würden zerstört und der Multilateralismus sei am Ende. Hier brauche es neue Allianzen und auch Kooperationen unter Einbindung des globalen Südens zur Lösung dringender Probleme der Welt.
Die von der EKD im November 2025 veröffentlichte Friedensdenkschrift rechtfertigt den Einsatz militärischer Mittel zum Schutz vor Gewalt und äußert damit Verständnis für den Ausbau militärischer Kapazitäten zum Zweck der Verteidigung. Ausgangspunkt für das neue Papier war eine kontroverse Debatte innerhalb der evangelischen Kirche über die Legitimität von Waffenlieferungen an die von Russland angegriffene Ukraine.
Unter dem Titel «'Böse von Jugend auf' - Realismus in der Friedensfrage?» befasste sich der dreitägige Friedenskongress in Uelzen mit der EKD-Friedensdenkschrift. Veranstalter waren die Tagungsstätte «Woltersdorfer Mühle» in Kooperation mit der Evangelischen Friedensarbeit im Raum der EKD.