Eine hölzerne Montagekirche aus Bremen-Nord bekommt im Museumsdorf Cloppenburg ein neues Zuhause. Bis 2027 soll sie dort wieder aufgebaut werden und Besuchern einen Eindruck von der Nachkriegszeit vermitteln. Am Mittwoch hat der Abbau begonnen.
Cloppenburg/Schönebeck (epd). Eine Kirche zieht um: In Schönebeck bei Bremen hat am Mittwoch der Abbau einer aus Holzteilen montierten «Notkirche» aus der Nachkriegszeit begonnen. Sie soll im Museumsdorf Cloppenburg einen neuen Platz finden. In einem ersten Schritt nahm eine Fachfirma mit einem Kran die Dachplatte und weitere große Bauteile der Kirche ab, wie ein Sprecher des Museumsdorfes mitteilte. Handwerker des Museums hatten bereits das Innere der ehemals evangelischen Kirche abgebaut.
Der Abbau soll den Angaben zufolge in den nächsten Tagen weitergehen. Die dreieckige, zeltförmige Kirche aus dem Jahr 1964 wird zunähst in einem Depot eingelagert und im Frühjahr 2027 im Museumsdorf wiederaufgebaut - direkt gegenüber der Landdiskothek «Zum Sonnenstein». Die Besucher können den Aufbau dann vor Ort mitverfolgen. Im Museumsdorf soll die Kirche das Ensemble historischer Gebäude aus dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert ergänzen.
Der Umzug der Kirche sei ein wichtiger Schritt im Vorhaben des Museums, den Alltag der Menschen im Niedersachsen in der Nachkriegszeit erlebbar zu machen, sagte Museumsdirektor Torsten Müller. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 500.000 Euro.
Die Notkirche diente ursprünglich der evangelischen St.-Magni-Gemeinde im Bremer Ortsteil Schönebeck. In der Nachkriegszeit habe in dem aufstrebenden Stadtteil eine Kirche gefehlt, hieß es. Die Bremische Evangelische Kirche finanzierte den Bau damals über ein Notkirchen-Programm. Der Entwurf stammte von dem Düsseldorfer Architekten Helmut Duncker. Er hatte Anfang der 1960er-Jahre den Typ einer schnell auf- und abzubauenden Montagekirche aus Holzfertigteilen entwickelt, der auch als «Schwedenkirche» bekannt ist.
Die Kirche wurde 2023 entwidmet und der Johanniter-Seniorenhäuser GmbH übertragen, die dem Museumsdorf nun die Kirche samt Inventar zur Verfügung stellt. Das Museumsdorf will Müller zufolge mit der Kirche unter anderem Themen wie die Integration der Heimatvertriebenen im ländlichen Niedersachsen sowie die Bedeutung der Konfessionen für die junge Bundesrepublik ansprechen. Das Gebäude werde als Ausstellungsfläche und als Veranstaltungsraum für Lesungen und Vorträge dienen.