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Vorstand und vorläufiger Insolvenzverwalter erläutern Hintergründe und die nächsten Schritte

Nach dem am Mittwoch, 2. Juni, gestellten Insolvenzantrag für die Diakonisches Werk Oldenburg Fachklinik Oldenburger Land gGmbH hat der Vorstand des Diakonischen Werks der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg e. V., Mario Behrends, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, Berend Böhme, am Freitag, 3. Juli, über die Hintergründe des Verfahrens und die nächsten Schritte informiert.

Die gGmbH ist eine bundesweit einmalige Diakonie-Fachklinik mit 99 Mitarbeitenden an zwei Standorten in Oldenburg und Neerstedt südlich von Oldenburg und behandelt suchtkranke Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Am Standort Neerstedt stehen 48 Behandlungsplätze zur Verfügung, am Standort Oldenburg weitere 100. Beide Standorte werden während des Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt.

Auslöser für den Insolvenzantrag ist die wirtschaftliche Schieflage des Standorts Neerstedt. Ursächlich hierfür ist insbesondere der anhaltende Fachkräftemangel. Aufgrund personeller Engpässe konnten die von den Kostenträgern vorgegebenen Personalschlüssel zeitweise nicht eingehalten werden. Dies machte eine Reduzierung der Belegung erforderlich, um die hohen Qualitätsstandards der medizinischen Rehabilitation weiterhin sicherzustellen.

Die daraus resultierenden Einnahmeausfälle führten zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen. Zeitweise entstand am Standort Neerstedt ein monatliches Defizit von rund 160.000 Euro, das durch das Diakonische Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg e. V. ausgeglichen wurde. Da sich auch für die kommenden Monate keine tragfähige wirtschaftliche Perspektive abzeichnete, wurde der Insolvenzantrag notwendig.

Gleichzeitig unterstrich Mario Behrends die besondere Bedeutung des Standorts Neerstedt. Die Fachklinik Oldenburger Land verfügt über ein bundesweit seltenes Behandlungskonzept für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und kognitiven beziehungsweise intellektuellen Beeinträchtigungen. Mit ihrem spezialisierten therapeutischen Angebot schließt sie eine Versorgungslücke und leistet einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitation dieser besonders vulnerablen Patientengruppe.

Die 99 Mitarbeitenden der beiden Standorte sowie die Mitarbeitervertretung wurden über den Insolvenzantrag informiert. Die Gehaltszahlungen sind über das Insolvenzgeld für zunächst drei Monate gesichert.

„Die Entscheidung, einen Insolvenzantrag zu stellen, ist uns außerordentlich schwergefallen. Unser Ziel ist es, beide Standorte zu erhalten und ihnen tragfähige Zukunftsaussichten zu eröffnen. Die hohe Motivation unserer Mitarbeitenden zeigt uns, dass wir gemeinsam die Chance haben, diesen Weg erfolgreich zu gehen“, so Mario Behrends.

Bereits in der kommenden Woche sollen erste Gespräche mit der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen stattfinden. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, den Krankenkassen und weiteren Kostenträgern werden die Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Sanierung geprüft. Parallel dazu wird die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte weiter vorangetrieben, um insbesondere den Standort Neerstedt personell zu stärken.

Ziel des Verfahrens ist es, beide Standorte dauerhaft zu erhalten und nach erfolgreicher Sanierung wieder in die Eigenverantwortung des Diakonischen Werks der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg e. V. zu überführen.

Ein Beitrag von Sabine Müller, Pressereferentin des Diakonischen Werks der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg e. V.
 

Zu sehen ist die Fachklinik Oldenburger Land gGmbH, Standort Neerstedt
Fachklinik Oldenburger Land gGmbH, Standort Neerstedt