Kleine Wespen, Gallmücken, Fliegen, Käfer und andere Insekten - sie stehen für die Vielfalt, die Forschende in Grashalmen entdeckt haben. Die Experten fordern Konsequenzen für die Bewirtschaftung von Grünland.
Göttingen (epd). Forschende der Universität Göttingen haben gemeinsam mit Kollegen aus Ungarn die Vielfalt von Insekten untersucht, die sich in einem Grashalm verbergen. Sie haben mehr als 23.000 Grashalme vermessen, seziert und nach Insekten abgesucht, wie die Universität am Freitag mitteilte. Dabei fanden sie in zehn mehrjährigen Gras-Arten wie etwa Knäuelgras und Quecke 255 Arten von Insekten, in fünf einjährigen Gras-Arten wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm keine einzige.
Je länger die Halme einer mehrjährigen Gras-Art sind, desto größer ist laut der Studie die Artenvielfalt der darin nachgewiesenen Insekten. Nahezu zwei Drittel der Insekten sei spezialisiert auf Gräser, die Hälfte davon auf einzelne Gras-Arten. Rund ein Drittel der Insekten-Arten ernähre sich dabei direkt vom Gras. Die übrigen, vor allem Wespen, lebten parasitisch von den pflanzenfressenden Insekten. Das räumlich und zeitlich weniger vorhersehbare Vorkommen einjähriger Gräser war laut der Studie offenbar die Ursache dafür, dass sich darauf nur wenige Insekten spezialisiert haben.
Die Forschenden empfehlen, Teile des Grünlands mehrere Jahre nicht zu mähen, um den Insekten ungestörte Refugien mit intakten Grashalmen zu bieten. «Der versteckte Reichtum an Insekten-Arten in Grashalmen wird von der Grünlandbewirtschaftung leider weitgehend ignoriert, obwohl die meisten Arten auf die ungestörte Entwicklung von Gräsern angewiesen sind», sagte der Göttinger Agrarökologe Teja Tscharntke. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Basic and Applied Ecology veröffentlicht.