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Die Krankenhauslandschaft in Niedersachsen steht nach Ansicht der freigemeinnützigen Krankenhäuser vor einer Zerreißprobe. Sie kritisieren: Die aktuelle Finanzierungspraxis führe zu Wettbewerbsverzerrungen, die manche Häuser in Existenznot bringe.

Hannover (epd). Mehr als 50 freigemeinnützige Krankenhäuser prangern eine nach ihren Angaben existenzbedrohende Wettbewerbsverzerrung in der Finanzierung von Kliniken in Niedersachsen an. Während die Häuser einzig mit ihren knappen Mitteln haushalten müssten, würden Defizite von kommunalen oder Landeskliniken häufig von der jeweiligen Kommune oder dem Land ausgeglichen, sagte der Vorstand des Evangelischen Krankenhauses in Oldenburg, Alexander Poppinga, am Donnerstag in Hannover. Er betonte, der gesetzliche Versorgungsauftrag für alle Kliniken - unabhängig von ihrer Trägerschaft - sei identisch, dennoch klaffe durch diese Praxis bei der Finanzierung eine Lücke, die die Existenz vieler freigemeinnütziger Häuser massiv gefährde.

Gemeinsam mit weiteren Krankenhausvertretern aus ganz Niedersachsen startete Poppinga im hannoverschen Henriettenstift die Kampagne «Klinikfinanzierung fair Niedersachsen». Der Aufsichtsratsvorsitzende des Gesundheitskonzerns Diakovere, Hans Ulrich Anke, sagte, es gehe bei der Kampagne nicht darum, den anderen Kliniken Gelder streitig zu machen. «Wir fordern schlicht faire Behandlung und die gleichen Rahmenbedingungen für alle Krankenhäuser.» Aktuell werde «hoch anerkannte Pflege in Trägervielfalt voll vor die Wand gefahren», sagte Anke.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen Ankes Angaben zufolge 163 Krankenhäuser, von denen 54 sogenannte freigemeinnützige Kliniken etwa in Trägerschaft von Kirchen, Verbänden oder Stiftungen sind. Im Unterschied zu privaten Kliniken hätten die gemeinnützigen Häuser keine privatwirtschaftlichen Gewinnziele und investierten Überschüsse zurück in das eigene Krankenhaus. 52 dieser Kliniken «zwischen Leer und Lüchow-Dannenberg» hätten sich der Kampagne angeschlossen, betonte Anke: «Dass wir in all unserer Vielfalt so zusammenstehen, ist eine Premiere, macht aber auch den Ernst der Lage deutlich.»