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Die GEW stößt mit ihrer Forderung, wegen Corona notfalls die Abiturprüfungen zu streichen, auf deutlichen Widerstand. Die Kultusminister, aber auch andere Interessenvertreter der Lehrer wollen an regulären Prüfungen festhalten.

   

Hannover/Berlin (epd). Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, wegen der Corona-Pandemie die Abitur-Prüfungen in diesem Jahr notfalls ausfallen zu lassen. Als Grundlage der Notengebung könnten dann die mündlichen Leistungen dienen, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem «RedaktionsNetzwerk Deutschland» (Montag). Der Deutsche Lehrerverband und der Deutsche Philologenverband lehnten den Vorstoß ab. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), versicherte, es werde «mit Hochdruck» an sicheren Bedingungen für die Prüfungen gearbeitet.

   

Tepe erklärte: «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen». Sie betonte, die Kultusministerinnen und Kultusminister hätten erklärt, die Abiture mit verschiedenen Prüfungsformaten gegenseitig anzuerkennen. Diese Erklärung müsse eingehalten werden, sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen.

   

Der Chef des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, wies hingegen darauf hin, dass bereits in einem Bundesland die Abi-Prüfungen komplett abgeschlossen seien und in anderen Ländern schon liefen. Die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern würde durch einen Ausfall massiv erschwert, sagte Meidinger der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Dienstag). Er warnte vor einem «dauerhaften Negativstempel als Corona-Jahrgang».

   

Bereits im vergangenen Jahr habe die GEW diese Forderung erhoben, und es sei im Nachhinein gesehen absolut richtig gewesen, dass die Bundesländer dieser damals nicht gefolgt seien, sagte Meidinger. Die Abiturprüfungen hätten 2020 trotz ähnlich hoher Inzidenzen wie jetzt sicher und weitgehend problemlos stattgefunden. Viele Bundesländer hätten zudem auf die steigenden Inzidenzen reagiert und die Abiturprüfungen auf Termine im Mai und Juni verschoben.

   

Auch der Deutsche Philologenverband sprach sich für reguläre Abiturprüfungen aus. Die Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Die Schüler sollten die Chance auf ihre Abiturprüfungen bekommen, denn die Abschlussklassen haben im gesamten Pandemiejahr den meisten Unterricht von allen gehabt.» Die Politik müsse dafür sorgen, dass gute Infektionsschutzbedingungen herrschen.

   

Die brandenburgische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Ernst erklärte, niemand sollte die Jugendlichen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, zusätzlich zur normalen Prüfungsnervosität verunsichern. «Schülerinnen und Schülern sollen in diesem von der Pandemie geprägten Schuljahr keine Nachteile für ihre weitere Bildungsbiografie entstehen», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

   

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) erklärte, die Kultusministerkonferenz gehe davon aus, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr überall stattfinden. Eine Absage von Prüfungen wäre zum Nachteil der Schüler, sagte er dem «RedaktionsNetzwerk Deutschland». Dadurch würde den jungen Menschen ein «Malus» fürs Leben mitgegeben. «Das wären für immer diejenigen, die das Corona-Notabitur gemacht hätten. Nach dem Motto: Die haben ja keine richtige Prüfung geschrieben.»

   

epd