Viele Schausteller, Artisten, Puppenspieler und Zirkusleute fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden. So auch Familie Kipp, die jetzt mit ihrem neuen Riesenrad auf der Bremer «Osterwiese» gastiert. Und dort ihr Fahrgeschäft segnen lässt.
Bremen (epd). 55 Meter hoch, 42 Gondeln, alle rollstuhlgerecht: «Eyecatcher» heißt das Riesenrad, das die Bremer «Osterwiese» weithin sichtbar überragt, ein echter Hingucker. Zum Start des Frühjahrs-Volksfestes auf der Bürgerweide der Hansestadt soll das fast nagelneue Fahrgeschäft am Freitag (27. März) mit einer feierlichen Handlung gesegnet werden. Dazu reist extra der katholische Schaustellerseelsorger Manfred Simon an. «Der Segen Gottes ist den Schaustellern wichtig, eine alte Tradition», sagt der Pfarrer aus dem hessischen Gießen dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Simon hat eine enge Beziehung zur Familie Kipp, die aus Bonn stammt und mehrere Riesenräder betreibt. «Ich habe unter anderem das Ehepaar getraut und die Kinder getauft», erzählt der Theologe, der ansonsten in der Rhein-Main-Neckar-Region unterwegs ist. Hinter der förmlichen Weihe mit Segenshandlung stehe für viele Menschen auf den Volksfesten der Gedanke, dass Erfolg nicht allein von der Hände Arbeit abhänge. «Sie tun was sie können, sind aber überzeugt, dass der Segen Gottes unverzichtbar ist.»
Seit 2008 arbeitet Manfred Simon in der Schaustellerseelsorge. Dazu gehören Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen genauso wie Begegnungen und Gespräche auf dem Rummel. Die Lage sei momentan schwierig. «Die Karussell-Betreiber und Buden-Besitzer haben mit steigenden Kosten zu kämpfen.» Auch das gewachsene Bedürfnis nach Sicherheit habe vieles verändert, lasse Festplätze manchmal wie Festungen wirken.
Es ist Simon zufolge vor allem die besondere Arbeits- und Lebenssituation der Schaustellerinnen und Schausteller, die die Menschen auf den Rummelplätzen nach Ankerpunkten suchen lässt. «Das ist eine Gemeinde auf der Reise, ständig unterwegs, da ist der christliche Glaube ein wichtiger Ankerpunkt», verdeutlicht der Theologe.
Zurzeit gibt es nach Angaben der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge etwa 6.300 Schausteller-Unternehmen in Deutschland mit rund 23.000 Familienangehörigen. Dazu kommen circa 25.000 Angestellte, meist aus Polen und den östlichen Ländern. Die evangelische Gemeinde auf der Reise zählt laut Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mehr als 20.000 Mitglieder.
Der «Eyecatcher» ist in den Niederlanden gebaut worden und war bisher nur auf der «Lichtenberger Winterzeit» in Berlin im Einsatz. Das Fahrgeschäft, eine Millionen-Investition, kann mit deutlich weniger Aufwand als ältere Modelle transportiert und aufgebaut werden. Die eigentliche Premiere sei jetzt Bremen, sagt Betreiberin Denise Kipp. Am Freitag um 16 Uhr solle das Riesenrad gesegnet werden. Für sie und ihre Familie sei das «eine Herzensangelegenheit».