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Die Kirchen verlieren an Mitgliedern, unterhalten aber immer noch einen großen Bestand an Gebäuden. Das könne langfristig nicht so bleiben, finden Immobilien-Experten aus der hannoverschen Landeskirche, der größten in Deutschland. Ein Überblick.

Hannover (epd). Zehntausende von Immobilien sind in Deutschland im Besitz der beiden großen Kirchen. Darunter sind allein rund 44.000 Kirchengebäude, die zum großen Teil unter Denkmalschutz stehen: von der Kathedrale bis zur Wegkapelle, vom Barocktempel bis zum Betonklotz. Hinzu kommen zahlreiche Pfarrhäuser, Gemeindehäuser, Küsterwohnungen, Kindergärten, Freizeitheime und andere Gebäude.

Die größte protestantische Landeskirche in Deutschland, die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, besitzt nach eigenen Angaben derzeit 7.887 Gebäude, darunter 2.014 Kirchen und Kapellen. Die Sakralgebäude sind zu 70 bis 80 Prozent denkmalgeschützt, die übrigen zu etwa 25 Prozent.

Angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen in den Kirchen und der daraus resultierenden sinkenden Finanzkraft muss dieser Bestand aus Sicht der zuständigen Oberkirchenrätin Heidrun Böttger dringend verringert werden. Die Kirche könne diese große Zahl an Gebäuden auf Dauer nicht mehr unterhalten. «Wir müssen jetzt mit einem Auswahlprozess beginnen», sagte Böttger dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Laut Böttger sind die Immobilien je nach Region unterschiedlich verteilt. So gebe es etwa in Ostfriesland Kirchenkreise, in denen es nur zehn große Kirchen gebe. Indes verfüge der Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld über 140 Kirchengebäude.

In der hannoverschen Landeskirche läuft nach ihren Angaben seit mehreren Jahren ein Priorisierungsprozess, in dem alle Kirchen und Gebäude nach Kriterien wie Fläche, Größe, Zustand, Lage und Nutzen bewertet werden. Dabei spielten auch die Einstufung als Denkmal, der kulturelle Wert und die Existenz einer Orgel eine Rolle. Dieser Prozess sei jedoch erst zu einem Drittel abgeschlossen.

Böttger wirbt dafür, die künftige finanzielle Unterstützung eines Gebäudes am Bedarf zu orientieren. Dabei könne die Kirche mit Partnern kooperieren. Kirchen könnten auch als öffentliche Treffpunkte genutzt werden. Jüngste Beispiele dafür gibt es etwa in Obershagen bei Hannover und in Schulenberg im Oberharz.

Seit 2015 wurden nach ihren Angaben in der Landeskirche 15 Kirchen entwidmet und zum Teil verkauft. Sie werden in unterschiedlichen Formen weitergenutzt: als Synagogen, als Studentenwohnheim, als Chor-Domizil oder als interreligiöses Zentrum. Zwei Kirchen wurden abgerissen.